Christoph Dabrowski Juni 2011

Dieses Thema im Forum "unserVfL.de im Gespräch mit..." wurde erstellt von Herr Bert, 26. September 2013.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Kontaktaufnahme/Eindrücke/aktuelle Situation
    -Herr Dabrowski, wie haben Sie die vergangene Saison verdaut?


    Nicht zuletzt wegen der Relegation war die Saison sehr lang. Man war immer dabei und das schlaucht natürlich sehr, zwar nicht immer körperlich, aber vom Kopf her. Vor allem als Spieler, der sich für viele Sachen verantwortlich fühlt, versucht man viele Personen zu unterstützen. Gerade vom Kopf her versucht man auch schwierige Situationen zu meistern. Es ist klar, dass man gerade als Kapitän, als Führungsspieler und als älterer Spieler – da bin ich ja nicht der Einzige im Team – sich mit dem Gesamten beschäftigt. Das zerrt natürlich an der Kraft und man muss daher auch etwas finden, um wieder herunterzukommen. Vielleicht entsteht da manchmal der Eindruck, dass man nicht so spritzig wirkt. Ich glaube, das kommt manchmal vom Kopf her und hat keine körperlichen Gründe. Allerdings haben mir die 10 Tage in Österreich in der Pause gut getan. Dort habe ich mich super erholt.

    Wie groß war die Enttäuschung über das Scheitern in der Relegation?

    Die ist relativ schnell verflogen. In der Relegation sind Zuschauer, Stadt, Spieler und Verein sehr eng zusammengerückt. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass mir nach einem holprigen Saisonbeginn jetzt wieder schnell in die Spur finden.

    Ein Aufstieg als Zweitligameister ist ja auch generell etwas Schöneres.

    Ich glaube, dass alles seinen Sinn hat. Vielleicht war der ein oder andere noch nicht so weit, um bereits jetzt in der Bundesliga zu bestehen und braucht diese eine Spielzeit noch, um den Aufstieg zu feiern um sich dann gesichert in der Bundesliga zu etablieren. Vielleicht soll das wirklich so sein und ich glaube, unter dem Strich wird das dem ein oder anderen auch nicht schaden, dieses Jahr noch mitzunehmen. Auch wenn wir natürlich lieber in diesem Jahr aufgestiegen wären.

    Du kannst ja Mirkan (Aydin) fragen, es gibt im türkischen das Sprichwort „kismet“, „Schicksal“.

    Von so was bin ich überzeugt und ich glaube, das sollte wirklich so sein, auch wenn es am Ende geschmerzt hat, den Aufstieg zu versäumen.

    Weh getan hat es sicherlich allen, da es keinen gab, der den VfL nicht im Oberhaus sehen wollte, aber es ist ja wirklich so, dass der erste Teil der Hinrunde der verkorkste Teil der Saison war. Aber das, was dann kam, gab keinen großen Grund zur Kritik, auch wenn es hier und da einen Punkt gab, denn man liegen ließ, wo man sich dann sagte: den und den Punkt hätte man doch holen sollen.

    So darf man das aber nicht sehen. Man muss die Saison immer in Gänze betrachten. Natürlich haben wir eine überragende Rückrunde mit 37 Zählern und zwei Relegationsspielen gespielt, wo jeder sah, dass die Mannschaft das Ziel erreichen wollte. Fakt ist einfach, dass die Elf sehr lange gebraucht hatte, um sich in der Hinrunde zu finden. Der Abstieg war letztlich viel länger in den Köpfen, als man dachte. Wir haben einfach zu lange gebraucht, aber uns am Ende doch noch in die Position gebracht, um angreifen zu können. Allerdings hatten wir das Pech, mit Hertha und Augsburg zwei Mannschaften in der Liga zu haben, die einen besseren Start hatten und anschließend wie wir konstant gepunktet haben. 65 Punkte haben vorher immer zum Aufstieg gereicht und sind eine sehr gute Bilanz. Dann muss man auch mal akzeptieren, dass zwei Clubs ein bisschen besser waren. Trotzdem kann man sehr viel mitnehmen aus der abgelaufenen Spielzeit. Gerade der eben schon angesprochene Stimmungswandel im Verein, der Stadt und im Umfeld –das ist das Entscheidende, aus dem man sehr viel herausziehen kann.

    Letztlich hat man so viele Punkte geholt wie Augsburg. Da lagen jetzt keine Welten punktetechnisch zum Tabellenzweiten, sondern es war wirklich nur ein Wimpernschlag.

    -Das ist richtig. Auch Greuther Fürth mit 61 Punkten am Ende, hat eine überragende Saison gespielt. Das reichte in einigen Saisons zuvor mitunter zum Aufstieg. Gerade die ersten vier Teams in der Abschlusstabelle waren eng beieinander und haben unglaublich konstant gespielt.

    Man konnte nach dem 1:1 im Relegationsrückspiel erkennen, dass die Luft raus war. Warum konnte man nicht mehr nachsetzen?

    Das Tor fiel um die 70. Minute herum. Fakt war ja dann, dass wir dann noch zwei Tore gebraucht hätten, was jetzt nicht unmöglich war. Aber da kann durchaus bei dem einen oder anderen Spieler im Kopf der Gedanke aufgekommen sein, dass man trotz des großen Aufwands, den man betrieb, nicht noch zwei Tore machen könnte. Man sah schon zu Beginn der zweiten Halbzeit, dass wir nicht mehr so gut ins Spiel hereinkamen und sich die Gladbacher Torchance um Torchance herausspielten. Die Gladbacher machten dann das eine Tor und sahen dann auch selbst, dass es ihnen reichen würde. Man selbst betrieb soviel Aufwand und kassierte diesen Schlag. Die erste Halbzeit war phantastisch von uns und uns gelang es einfach nicht, dies in die 2. Halbzeit mitzunehmen und dann wären wir auch als Sieger vom Platz gegangen. Nach dem Tor von Gladbach sah man einfach, dass uns einfach von der mentalen Überzeugung her die Kraft fehlte, noch zwei Tore zu machen. Aber ich denke, jeder kann stolz auf die Mannschaft sein und es ist auch für uns Spieler her ein schönes Gefühl, wenn man daran denkt, dass man vor einem Jahr vor einem Scherbenhaufen stand. Wenn man jetzt sieht, was nach dem Spiel passierte und auch in den Tagen zuvor passierte, was da für eine Freude und Euphorie herrschte und der Glaube auch an die Mannschaft da war, das hat Spaß gemacht. Das war klasse und tat auch sehr gut und half, jeden einfach zu motivieren, in der neuen Saison schneller da zu sein als in der letzten Saison und da auch gestärkt hervorzugehen.

    Die jungen Spieler müssen ja im Grunde genommen jetzt ihre Leistung bringen und das auf relativ gleichem Niveau. Denn es ist ja schon etwas Anderes, als wenn man gegen einen Spieler wie Reus jeden Samstag spielen muss.

    Aber auch da würde er noch lernen. Das nächste Jahr wird den jungen Spielern auch gut tun, um die Leistung zu stabilisieren. Aber auch diese Relegationsspiele waren jetzt auch schon Extremsituationen, die selbst für einen alten Hasen wie Freier, Maltritz, mich oder auch Funkel neu waren und auch etwas Prickelndes. Da hat man Lampenfieber und es geht um viel und auch diese Erfahrung – diese Extremerfahrung – hat die jungen Spieler auch weiter nach vorne gebracht und auch, wie man damit umzugehen. Die nächste Saison wird den jungen Spielern auch noch zur Leistungsstabilisierung helfen und diese noch stärker werden, davon bin ich ziemlich überzeugt.

    Hervorheben muss man ja auch Andreas Luthe, der sich sehr gut entwickelt hat.

    Ohne Zweifel. Er war ein absoluter Stabilisator für die Defensive und es ist ein schönes Gefühl für die Vorderleute, wenn man weiß, dass hinten nichts anbrennen wird. Da gilt es nur den Hut zu ziehen, aber auch Andreas Luthe hat noch Potential nach oben.

    Wenn sie die Zeit jetzt Revue passieren lassen - also von Tag 1 des letztjährigen Trainingsbeginns nach der Sommerpause an und dem Abpfiff gegen Mönchengladbach im Rückspiel der Relegation, was war für sie am Ende der ausschlaggebende Punkt dafür, dass man den Aufstieg verpasste? Oder haben sie da nicht einen Punkt, sondern letztlich mehrere Ereignisse, wo sie sagen: wäre es da besser gelaufen- zum Beispiel gegen Ingolstadt-, wären wir jetzt aufgestiegen?

    Einzelne Spiele kann man nicht herauspicken. Man muss die Saison als Ganzes sehen und gewisse Phasen innerhalb einer Saison akzeptieren. Man kann andererseits auch Punkte in Spielen holen, die schon verloren geglaubt waren. Da machst du in den letzten Minuten oder in der Nachspielzeit das entscheidende Tor und auf einmal hast du ein paar Punkte mehr auf dem Konto.
    Natürlich gibt es in einer Saison auch so Schlüsselerlebnisse, wie die Heimniederlage gegen Ingolstadt. Da war jeder auf dem Tiefpunkt Man hat gesehen, dass sich dann etwas getan hat: auf einmal war eine Mannschaft auf dem Platz, jeder Einzelne hatte es begriffen. Aber der ein oder andere Spieler musste auch schmerzhaft erfahren, wie es ist, auf einmal auf der Tribüne zu landen. Aber man hat gesehen, auch wenn einige Spiele bis zur Winterpause nicht glanzvoll über die Bühne gingen, dass die Mannschaft wieder einen ganz anderen Teamgeist entwickelt hatte und wir haben die Spiele dann letztendlich ja auch gewonnen. Ich würde kein einzelnes Spiel herauspicken, aber es gibt mit Sicherheit in einer Saison auch Schlüsselspiele.

    Habt ihr euch auch mannschaftsintern getroffen ohne Friedhelm Funkel, und dann auch mal Tacheles geredet?

    Das haben wir eigentlich Monate vorher schon getan zum Anfang der Saison. Da haben wir viel miteinander gesprochen und unternommen, was ja leider zunächst mal nichts bewirkt hatte. Nach dem Spiel gegen Ingolstadt wurde eigentlich genug geredet. Wir haben das ganze Spiel noch mal angesehen, es wurde knallhart analysiert und uns klar gemacht, was die Stunde geschlagen hat. Da brauchte man eigentlich als Kapitän, als Spieler oder Mannschaft eigentlich nicht mehr groß diskutieren. Es ging darum, dass jetzt gehandelt werden musste. Das haben wir gemacht. Aber warum dann auf einmal eine Einheit, ein Team entstand, kann man manchmal einfach nicht genau erklären.

    Vielleicht auch, weil der ein oder andere Spieler aussortiert wurde?

    Ja, vielleicht. Es wurde eben auch an der Stellschraube der Mannschaft gedreht. Es ist ein Teamgeist entstanden, da macht es Spaß, dabei zu sein.

    Wir hatten ja vor einiger Zeit das Gespräch mit Herrn Ernst. Der hat ganz klipp und klar gesagt, eine Mannschaft lernt aus Niederlagen mehr als durch den kontinuierlichen Erfolg.

    Ja da gebe ich ihm Recht.

    Nun haben wir ja schon über etliche Spieler gesprochen die den Durchbruch in dieser Saison geschafft haben. Aber würdest du einen deiner Mannschaftskollegen irgendwie hervorheben, von dem du am Anfang gedacht hast, den hättest du gar nicht auf der Rechnung gehabt? Matthias Ostrzolek z.B., den hat ja wirklich niemand auf der Rechnung gehabt.

    Also es ist schwierig, einen bestimmten herauszuheben, weil es einfach zu viele sind. Du hast jetzt schon einige genannt. Matthias wurde einfach irgendwann aus dem Hut gezaubert und steht seinem Mann. Du merkst einfach: Es hat funktioniert! Und da kannst du auch einfach so einen hineinwerfen, weil das Gefühl einfach stimmt. Oder Mirkan Aydin – er hatte natürlich Schwierigkeiten in der Hinrunde, weil er mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Aber dann hast du gesehen, als er seine Fitness hatte und das Vertrauen des Trainers hatte, da ist er dann auch explodiert. Oder Kevin Vogt ist ja eigentlich auch schon ein alter Hase unter den Jungen. Er ist ja auch schon seit 2008 im Profikader.

    Aber auch die Entwicklung von Ante Johansson ist erstaunlich. Ihn hatten schon viele abgeschrieben – jetzt ist er eine feste Größe im Team.

    Auch Azaouagh ist wiedergekommen, hat uns auch unheimlich gut getan mit seiner individuellen Klasse. Ich will jetzt nicht sagen, er ist ein ganz neuer Mensch, aber er hat vom Kopf her seine Balance gefunden. Er war vorher immer hin und hergerissen, aber er ist ausgeglichen geworden und ist ein absoluter Gewinn.
    Marcel Maltritz hat auch eine schwierige Zeit gehabt. Es war beeindruckend, wie er zurückgekommen ist. Auch gerade im Laufe der Rückrunde – absolut klasse. Ich weiß jetzt nicht, ob ich irgendjemanden vergessen habe.

    Die Kunst von Friedhelm Funkel war es in dieser Saison ja scheinbar auch, Spielern, denen offensichtlich von Fankreisen man erheblichem Maße die Schuld am Abstieg gegeben wurde, wieder stark zu machen und Vertrauen zu schenken. Konnten Sie als Mitspieler und auch als Kapitän da ihren Kollegen helfen oder war das vor allem auch die Kunst von Friedhelm Funkel, diese Spieler wieder stark zu machen?

    Seine ganz klare Stärke ist ja auch in Extrem- und Drucksituationen Ruhe zu bewahren und nicht in Hektik zu verfallen, nicht herumzubrüllen oder Panikreaktionen zu zeigen, sondern da einfach die Ruhe zu behalten, sachlich zu analysieren und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es gab ja die ein oder andere Extremsituation in der Hinrunde. Friedhelm Funkel hat sehr viel Geduld gehabt, vielen Spielern immer wieder Vertrauen geschenkt und sie spielen lassen. Dann kam halt der Punkt, wo es so nicht weiterging. Das war auch der Punkt, wo neue Chancen entstanden. Für andere Spieler, für die jungen Spieler, einen Johansson zum Beispiel. So entstanden aus diesen Situationen wieder neue Chancen für andere und die haben sie genutzt. So läuft es im Leben. Schlechte Situationen bieten immer wieder Chancen. Die Jungs haben diese genutzt, was natürlich eine super Sache für sie war. Die Ruhe und das besondere Analysieren von Friedhelm Funkel strahlen ja auch auf den Spieler aus. Das hat mit Sicherheit auch dazu beigetragen, dass die Jungs das dann auf dem Platz bestätigt haben.

    Nun gab es ja auch in der abgelaufenen Saison vor allem an dem angeblichen destruktiven Spielweise immer wieder Kritik von außen, aber auch teilweise von den Fans, wo ich mich immer gefragt habe: was soll das, denn ich spiele lieber effizient und hole die Punkte irgendwie durch zwei Tore in der 80. und 85. Minute, anstatt sich zu freuen, wie toll die Offensive funktioniert, aber die Defensive offen steht und wir dann mit 3-4 verlieren.

    Ja aber letztendlich ärgerst du dich dann doch über das Ergebnis, als Fan oder? Meine Meinung ist ja: der erfolgreiche Fußball ist der beste Fußball. Ich nehme jetzt mal zwei Beispiele in der 2. Liga: Alemannia Aachen und Energie Cottbus werden das ganze Jahr gelobt für ihren tollen Fußball, den sie spielen und die unglaublich technisch versierte Spielweise. Sie haben unglaublich viele Tore geschossen - ich glaub sogar mehr als wir, ich weiß es nicht. Überall gab es großes Lob. Wo stehen die Mannschaften am Ende? Die bekommen wahrscheinlich noch mehr Gegentore als sie geschossen haben und landen irgendwo im Niemandsland der Tabelle. Meinen sie, der „Pele“ Wollitz freut sich darüber, jede Woche viele Gegentore zu sehen, aber für seinen super Fußball gelobt zu werden? Ich glaube nicht, ich glaube, „Pele“ Wollitz hat als Ziel gehabt, aufzusteigen, vielleicht auf dem dritten oder dem zweiten Platz.. Jetzt ist die Frage, meinen Sie nicht, dass er gerne mit uns tauschen würde? Weil wir einen effizienten kompakten Fußball bieten, aber auch Spiele dabei hatten, wo wir guten Fußball gespielt haben. Destruktiv kann ich nicht so teilen. Das ist für mich eigentlich keine Frage, ob wir destruktiven Fußball gespielt haben, sondern ich denke, wir haben erfolgreichen Fußball gespielt und die Leute einfach begeistert und auf unsere Seite gezogen. Das haben die Leute gemerkt und letztendlich hat man das auch gesehen, dass die Leute am Ende zufrieden nach Hause gegangen sind und die Mannschaft wieder zu sich herangeholt haben. Letztendlich hat die Mannschaft es eigentlich geschafft, mit dem Fußball, den wir gespielt haben und mit der Saison, letzten Endes mit allen Höhen und Tiefen, die wir hatten, einen Stimmungswandel zu bringen. Und das ist absolut positiv.
    Kritiker wird’s immer geben.

    Da hat man dafür jedes Argument. Man kann nicht sagen: das war alles Mist, alles schlecht. Denn am Ende hast du 75 Punkte auf dem Konto.

    Ich glaube die Argumente überwiegen, in denen man sagt: „Wir haben schon einiges richtig gemacht.“

    Erfolgreich damit ist in der letzten Saison ja nur Borussia Dortmund gewesen. Selbst Spanien hat keinen schönen Fussball bei der WM gespielt, muss man mal ganz klar sagen. Gut war es nicht, aber effektiv. Deutschland hat effektiv gespielt.

    Es ist eine Frage der Definition, was ist schöner Fussball?
    Ich glaube einfach, dass, wenn man das Gefühl hat, dass eine Mannschaft in sich greift, man nicht tausend Ballstafetten machen muss. Man hat ein Gefühl, auch von oben als Fan, ein Gefühl, ob eine Mannschaft in sich greift, ob es funktioniert. Das ist am Ende das Entscheidende und wenn das der Fall ist, wird man auch erfolgreich sein. Wie Sie schon sagten: das ist ein weites Feld von einer Definition. ‚schöner Fußball‘, da kann man stundenlang drüber philosophieren. Ich glaube, wir haben am Ende geschafft, dass es so in sich greift. Mit dem Zuschauern.

    Das behält man im Wesentlichen auch im Kopf für die neue Saison.

    Man darf auch nicht vergessen: 2. Liga ist nicht einfach zu spielen. Das haben wir am Anfang auch gesehen. Wir dachten, wir können ein wenig mitspielen, aber das wurde uns ja auch angekreidet, dass wir nicht mal kämpfen und rennen und kratzen und beißen. Da musstest du dir den Vorwurf auch gefallen lassen. Dann, denke ich, haben wir es auch vernünftig umgesetzt und uns an die Gegebenheiten angepasst. Das Ende vom Lied waren Punkte und Erfolg.

    Welchen Anteil am Erfolg hatte die Umstellung auf die drei „Sechser“?

    Das Mittelfeld ist ein zentraler Punkt in dem Gefüge - unser Herzstück sozusagen. Und ich glaube, durch die Umstellung haben wir an Stabilität gewonnen. Und wir haben große Spieler in dem Gefüge drin gehabt, die einfach für die Mannschaft arbeiten. Das hat man auch gesehen, da weniger Gegentore fielen und das klassische Ergebnis war dann ein 1:0. Aber das ist ja wunderbar! Wenn hinten die 0 steht, dann hast du schon mal eine super Basis. Ich glaube, dass die Umstellung der Mannschaft dieses Jahr einfach gut getan hat. Ich weiß jetzt nicht, was nächstes Jahr passiert, aber ich glaube, da hat sich die Mannschaft einfach wohler gefühlt und das Ende vom Lied war, dass wir einfach wieder mehr Spiele gewonnen haben. Wenn der Gegner uns nach dem Spiel kritisiert, dann haben wir eigentlich alles richtig gemacht. Es gab ja viele Trainer und Manager, die sich hingestellt haben und noch dies und das an uns kritisiert haben. Es war wunderbar. Das heißt ja, dass wir irgendwas gemacht haben, was zum Nachteil des Gegners war.

    Wie bewerten sie als Spieler die personelle Veränderung auf der Vorstandsebene?

    Ich habe das direkt von Thomas Ernst erfahren, der mich angerufen hat. Ich war schon überrascht über die Änderung, weil in meinen Augen keine Not bestand, an der Position etwas zu ändern. Thomas Ernst hat viele Sachen in Gang gebracht -, auch in dieser Saison - und war mitverantwortlich für den Aufschwung, von dem wir jetzt auch die ganze Zeit geredet haben. Das muss man ganz klar auch mal sagen und von daher bin ich auch überrascht darüber. Ich habe viele kritische Situationen in seiner Amtszeit erlebt hier im Verein, daraus wird er auch sehr viel mitnehmen und stark heraus hervorgehen. Er hat es nicht immer einfach gehabt, aber letztendlich muss man sagen, dass er auch mitverantwortlich ist für den Aufschwung, den der Verein jetzt erlebt und hat das auch sehr gut aufgestellt in Verbindung mit seinem Cheftrainer und von daher ist es natürlich schade. Ich denke, er hat sehr respektvoll und vertrauensvoll gearbeitet in Verbindung mit seinen Kollegen in der Vereinsführung, aber auch mit der Mannschaft. Es ist schade, aber solche Entscheidungen werden manchmal gefällt. Es ist für Thomas bedauerlich. Man muss die Sache jetzt akzeptieren und Jens Todt einfach auch die Möglichkeit geben, zu zeigen, dass er den Verein auch nach vorne bringen kann und ihm da einfach auch die Chancen geben.

    Ich glaube, aber das ist eine subjektive Meinung von mir, dass es eine oder mehrere Gruppen im Fanlager gibt, die schon bei der letzten Aufsichtsratsitzung als erste Amtshandlung gefordert haben, Herrn Ernst zu entlassen und das der öffentliche Druck dazu beigetragen hat. Und ich glaube auch, dass es diese Fangruppen sind. Wenn man da mal verschiedene andere Sachen liest, da kommt ja nach wie vor auch der Name von Herrn Schwenken vor. Schwenken ist da - ich will es gar nicht zitieren - der Totengräber des Vereins. Wenn diese Tendenzen einmal da sind, dann bauen die sich ja auch gerne schon mal schnell auf. Bei Herrn Ernst war es ja im Grunde genommen nicht anders. Was wollte man ihm wirklich fundiert vorwerfen. Der einzige Fehler, den er meiner Meinung nach gemacht hat, war, dass er den Herrn Herrlich eingestellt hat.

    Ich denke, gerade Thomas Ernst ist selbstkritisch genug und man sieht ja auch, dass er aus vielen Sachen seine Schlüsse gezogen hat und auch die richtigen Schlüsse gezogen hat. Das ist ja auch eine Stärke, zumal man sich da auch weiterentwickelt. Dass hat er gemacht und ich denke, er kann erhobenen Hauptes sein Feld verlassen und kann in den Spiegel gucken und sagen, dass er auch für den Stimmungsumschwung verantwortlich ist.

    Zwischen den Fans und euch passte ja jetzt gerade nach dem Saisonfinale fast kein Blatt mehr. Wie erklären Sie sich diesen Sinneswandel? Schließlich haben Sie ja selbst schon erlebt, wie es sich anfühlt, zum einen als Sündenbock der eigenen Anhängerschaft auserkoren zu werden und zum anderen eine teils extrem negative und auch aggressive Antistimmung unter den Fans miterlebt zu haben, wenn man jetzt als absolutes Negativbeispiel da das letzte Heimspiel 2009/2010 herauspickt.

    In der Abstiegssaison war ich aufgrund meiner Achillesverletzung die letzten 5 Spiele leider gezwungen, von der Tribüne aus zuzuschauen. Man sieht viele Sachen von oben. Man hat gesehen, dass die Mannschaft keine Kraft mehr aufbringen konnte, die Situation zu ändern. Wenn man dann sieht, was auch nach dem Spiel und drum herum passiert, das ist natürlich schade. Und genauso wie ich das jetzt mitnehme, was wir gerade besprochen haben, geht man mit einem unglaublich schlechtem Gefühl raus aus der ganzen Sache. Das zieht unheimlich viel Energie aus dir heraus.

    Es hat ja auch persönliche Konsequenzen.

    Ja es hängt viel daran. Nicht jeder Spieler sieht den Verein als Ganzes. Das Schöne ist ja: wenn du noch Spieler bist, kannst du dich auf deine eigene Angelegenheiten konzentrieren und brauchst dich um nichts anderes kümmern. Aber wenn man darüber nachdenkt, hängen ja viele Sachen daran. Arbeitsplätze, Geschäftsstelle, Einnahmen, der eigene Marktwert, die eigene finanzielle Situation, Gehälter. Du spielst nicht mehr in München, sondern fährst nach Ingolstadt oder Oberhausen oder erlebst einfach diesen Frust, der dir entgegenkommt. Es ist ein mieses Gefühl. Der Frust der Zuschauer, der fasst schon so ein bisschen in Hass übergeht. Das ist vielleicht zu viel gesagt, aber da ist ja auch eine unglaubliche Aggressivität, die du dann gesehen hast.

    Nun bist du ja der Kapitän und auch der Leader der Truppe. Hat das für dich in dieser Vorzeige- und Vorbildfunktion noch einen ganz anderen Stand im Umgang mit den Anhängern, oder hat sich da für dich nicht viel verändert?

    Eigentlich nicht so viel. Ich habe ja hier auch schon einige Situationen erlebt, auch mit dem Kontakt und der Beziehung zu den Fans. Die war ja am Anfang auch für mich persönlich schwierig. Aber das hat nicht mit mir als Mensch oder meiner Persönlichkeit zu tun gehabt, sondern einfach mit der Gesamtsituation, in der wir uns befunden haben. Die Leute haben irgendwann gemerkt, dass ich auf den Fan zugehe und einfach auch den Kontakt suche und haben dann gemerkt, dass sich die Situation auf dem Platz auch ändert. Sie haben gesehen, dass du auch dem Verein, der Mannschaft versuchst etwas zu geben. So wurde das Verhältnis irgendwann besser. Die Leute haben gesehen, dass ich auf sie zugehe und dass du bereit bist zu diskutieren, einfach die Hand zu reichen. Das ist, glaube ich, der richtige Weg. Nicht nur für mich als Führungsspieler, sondern für jeden einzelnen Spieler. Dass der Kontakt zwischen Mannschaft und Fans entsteht und wir so eine Situation schaffen, wie wir sie nun auch geschaffen haben. Dann kann auch eine schlechtere Phase kommen, aber du hast dann trotzdem einen vernünftigen Umgang und Kontakt mit den Fans. Ich glaube, dass die Leute da ein Gespür haben und dich dann irgendwann auch als Mensch und als Person respektieren und als Spieler, der du bist. Es war für mich auch gar nicht so schwer, da einen vernünftigen Umgang zu finden. Du merkst ja auch, dass es dir selber gut tut und die Leute freuen sich auch, wenn da so ein enger Rahmen besteht, wenn man zum anfassen ist. Das merken die Leute und dann merkst du auch, dass da ein gewisser Respekt entsteht. Das dauert manchmal ein bisschen, dass hat bei mir auch gedauert.

    Ja, man hat das nach dem Duisburg Spiel ja sehr stark gesehen und beobachtet, mit welcher Leichtigkeit und welcher Freude die Spieler hier draußen vor der Tür gewesen sind. Wie die Spieler auch mit den Fans umgegangen sind und wie die Fans auch darauf reagiert haben. Jeder Mensch hat ja irgendwie auch einen gewissen Ablauf. Wenn ich jetzt sage „Schau mal, da ist der Herr Dabrowski“, stelle meinen Sohn daneben und sage „komm, ich mache mal ein Foto von euch beiden“. Da baut sich dann ja durch solche Situationen auch viel auf und es entsteht vielleicht auch untereinander Kommunikation, wo man dann danach sagen kann, dass der Spieler auch persönlich sehr sympathisch ist.

    Genau die Erfahrung hab ich hier auch gemacht und die war sehr positiv.

    Das ist ja oft mit allen Spielern. Es gibt ja 3 oder 4 Spieler hier. Wir nehmen mal Phillipp Bönig oder auch Marcel Maltritz, die beide solche Himmelfahrten hinter sich hier haben. Und letztendlich haben sie sich durchgesetzt.

    Weil du einfach irgendwann nachdenkst über die ganze Situation, was auf dem Platz passiert. Du versteckst dich halt nicht, sondern gehst auf die Leute zu. Am Ende findet das dann zusammen. Das Ende vom Lied ist dann, dass du dich auf dem Platz wieder stabilisiert hast. Da ist einfach ein Vertrauen.

    Jeder macht Fehler da kann sich keiner von freisprechen

    Fußball ist ja immer noch ein Fehlerspiel. Und wer die wenigsten macht ist am erfolgreichsten. Das hört sich jetzt so einfach an aber ist es ja eigentlich auch.

    Wenn jeder ein Tor schießt haben die anderen was falsch gemacht, dass ist ja im Grunde so.
    Fehlersport, die paar Zentimeter die dann zum Erfolg oder Misserfolg führen.


    Oder die paar Sekunden, die dann fehlen.

    Wie kommst du als Spieler selbst damit klar, wenn man hört, die und die Zeitung schreibt das und das Negative über einen? Oder interessiert Sie das letztlich gar nicht und Sie spielen ihren Stiefel einfach herunter?


    Kritik bewegt dich ja schon irgendwie zum Nachdenken.

    Aber wenn sie unsachlich ist, wie von einer gewissen Boulevard-Zeitung?

    Ja, das ist natürlich ärgerlich. Es ist schwer und man muss versuchen, sich nicht vom Erfolg abhängig zu machen. Wenn dir alle auf die Schulter klopfen, wenn du Spiele gewinnst, dann darfst du dich davon nicht abhängig machen, sondern umgekehrt denken. Wenn die Kritik auf dich einprasselt, wenn alles auf einmal schlecht ist, was du machst, dann bist du insgesamt ja auch unabhängiger. Das ist natürlich schwer und wenn du irgendwas liest von dir, das bringt dich natürlich zum nachdenken. Es ist einfacher, wenn du gar nichts liest, aber man muss ja auch schauen, wie die Schwingungen sind. Das ist wichtig. Letztendlich muss man von sich selbst und seinen Qualitäten überzeugt sein. Sich vielleicht auch nicht nur als Spieler definieren, sondern auch vom menschlichen, persönlichen von seinen Qualitäten überzeugt sein. Davon muss man die Leute vielleicht dann überzeugen und dann denken sie vielleicht darüber nach, was sie schreiben. Aber es ist nicht so einfach. In diesen Boulevardzeitungen, die ja schreiben, was sie wollen, darf man das dann vielleicht auch nicht auf die Goldwaage legen. Am besten ist es, wenn man sich weder von dem einen noch von dem anderen abhängig macht. Auch im Erfolgsfall sollte man das Lob nicht so wichtig nehmen und herumlaufen wie ein König und genauso, wenn es auf dich einprasselt. Mann muss da einfach so einen Mittelweg finden. Es gibt andere Spieler. Die schauen jeden Montag in den Kicker, was für eine Note sie haben, der Meinung waren, die Leistung war gut und dann schlechte Zensuren erhalten. Jeder hat eine andere Sichtweise davon. Man muss sich davon lösen. Aber es ist nicht einfach, als junger Spieler sich nicht davon leiten zu lassen.

    Hast du das früher gemacht, in der Anfangszeit wirklich immer nachzuschauen?

    Ja klar. Das macht jeder. Aber ich habe mich dann langsam davon gelöst. Letztendlich bist du irgendwann an so einem Punkt, wo du niemandem mehr etwas beweisen musst. Als junger Spieler denkst du dir: Du willst jetzt irgendwann 100 Spiele erreichen. Hast du 100 Spiele voll, willst du 150/200 Spiele. Und du willst natürlich denen etwas beweisen, was für ein guter Spieler ich bin. Irgendwann sagst du dir auch: ich hab meinen Weg gemacht und meinen Mann gestanden. Ich muss dem Bildzeitungsreporter nicht beweisen, dass ich ein vernünftiger Spieler bin oder ein guter Mensch

    Mit dem Ziel, 300 Bundesligaspiele zu erreichen, musst du ja noch ein Jährchen aufschieben. Noch hast du ja 280.

    Habe ich irgendwann mal gesagt, dass das mein Ziel ist? Ich meine, es wäre schon schön. Aber ich bin stolz darauf, dass ich so viele Jahre in der Bundesliga dabei war. Dass ich so viele Spiele mitmachen konnte, ist schon super. Da habe ich auch gesehen: So viele Spiele hab ich auch gemacht. Das gibt es ja, wie so einen Zeitraffer, auf einmal hast du so viele Saisons und Spiele hinter dir. Wahnsinn ! Unabhängig von den Spielen bin ich stolz darauf, dass ich so viele Jahre schon dabei bin und auch dankbar dafür. Meine Knochen haben immer gehalten bis auf die eine oder andere Kleinigkeit.

    Wobei deine Spielweise ja nicht immer gesundheitsfördernd ist.

    Klar, da gibt es schon die eine oder andere brenzlige Szene.

    Das hat mich aber auch damals bei Thomas Zdebel gesehen, der auch relativ verletzungsfrei war.

    Der hatte einen unheimlich guten Körper. Der ist unheimlich stabil.

    Jetzt hast du ja schon gesagt: Zeitungen - so wirklich lesen scheinst du sie nicht.

    Ich schaue schon mal drauf, wenn irgendwo mal was liegt oder so. Aber ich gehe jetzt nicht abends ins Bett und kann schon nicht erwarten, die nächste Zeitung zu lesen. Ich lese schon auch Sachen, aber nicht wie ein Verrückter, der sich total darauf versteift.

    Wie sieht es denn so mit dem Internet aus In virtuellen Stammtischen und Foren, wie in unserem baldigen, auf transfermarkt.de oder auch auf vfl4u.de? Kommt man da auch als Profi mittlerweile nicht mehr umher, dort mitzulesen oder ist es wie bei Printmedien, dass es einen einfach nicht interessiert?

    Transfermarkt.de interessiert mich schon, weil ich mich ja auch für Spieler interessiere und da auch mal schaue oder mir Kollegen anschaue, was die für einen Werdegang haben. So etwas interessiert mich schon, wenn du da Spieler im Kopf hast. transfermarkt.de ist ja schon auch interessanter als ein Portal, wie ich finde, weil viele Informationen enthalten sind. In Fan-Foren bin ich eigentlich überhaupt nicht. Ich habe vor längerer Zeit mal geschaut, in meiner Anfangszeit beim VfL Bochum, weil mir ein Kollege mal gesagt hat, ich solle mal schauen, was da gepostet wird. Aber da gibt es ja auch verschiedene. Die einen sind aggressiver, die anderen sachlicher. Das hat einfach nicht gut getan. Wenn man eigentlich nur schlechte Sachen über sich liest. Dann habe ich gesagt: „ Ich lass es lieber“.

    Beim VfL kicken sie ja jetzt seit 2006/07 und gehen in die sechste Saison beim VfL Bochum. Erinnern sie sich noch, wie es damals zur Kontaktaufnahme mit dem VfL kam?

    Ja klar. Ich war ja bei Hannover 96 damals, ich war drei Jahre bei Hannover und es lief alles darauf hinaus, dass ich auch länger bleibe. Aber dann waren Verhandlungen wegen eines neuen Vertrags. Und ich habe einfach sehr schnell gemerkt, dass der damalige Manager, der in Hannover gearbeitet hat, - das habe ich so durch die Blume mitbekommen - nicht so interessiert war, mich zu halten. Das wunderte das Umfeld schon, weil ich dort ein fester Bestandteil war trotz anfänglicher Schwierigkeiten. Deshalb habe ich die Verhandlungen abgebrochen. Daraufhin sind andere auf mich aufmerksam geworden, unter anderem der VfL Bochum, mit dem ich mich dann auch zusammengesetzt habe. Ich habe die Verhandlung mit Dieter Meinhold geführt, und Stefan Kuntz hat das dann übernommen, wo ich zur Unterschrift hier war. Ich habe mir das hier alles angeschaut und habe auch im Vorfeld von alten Kollegen, die in Bochum schon aktiv waren wie Frank Fahrenhorst viele Informationen erhalten und sehr viel erzählt bekommen,, weil ich engen Kontakt mit ihm habe, auch habe ich von Vahid Hashemian, den ich aus Hannover kenne, auch viele Informationen erhalten und auch von Thomas Christiansen. Da hatte ich natürlich sehr viele Informationen, habe mir das hier angeschaut und wurde bestätigt. Ich hatte ein gutes Gefühl dabei und habe mich dann entschieden, zum VfL Bochum zu kommen. Wenn ich die Zeit Revue passieren lasse, war das die absolut richtige Entscheidung. „Ich habe alles richtig gemacht“ – das kann ich heute, wie ich hier sitze, sagen. Mit allen Höhen und Tiefen, die wir hier erlebt haben in den 5 Jahren jetzt bisher, aber es waren unglaublich schöne Momente auch dabei. Privat fühle ich mich hier mit meiner Familie sehr wohl. Das ist auch ein sehr wichtiger Punkt und alles in Allem bin ich sehr froh, dass ich das gemacht habe. Das zeigt ja auch die Länge. 5 Jahre, ich gehe jetzt ins 6. Jahr, sonst hätte ich vielleicht auch nach 3 Jahren was anderes gemacht.

    Das hatte mich gestern auch sehr gewundert, als ich mir bei fussballdaten.de die Karrierepunkte noch mal angeschaut habe, dass es wirklich jetzt schon das 6. Jahr ist. Du bist doch schon fast Inventar hier.

    Ja, die Zeit fliegt, wie ich vorhin schon sagte. Auf einmal schaust du nach und du bist bei 350 Spielen oder so. Das ist unglaublich.
  2. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

    Das sind letztendlich ja in mindestens 10 Jahren 300 Fußballspiele.

    Ich bin seit 1998 Profi. Also gehe ich jetzt in meine 14. Saison. Immer bin ich dabei gewesen und da bin ich auch stolz drauf, dass ich immer dabei gewesen bin und immer gespielt habe in den Vereinen, wo ich war. Das zeigt ja auch, dass du gute Fähigkeiten gehabt hast. Es sind sehr viele Trainer, die du gehabt hast, -ich weiß nicht, 10 bestimmt - die auch immer wieder deine Qualitäten erkannt haben und einen für wichtig empfunden haben, sportlich wie auch menschlich. Darauf bin ich am Ende stolz.

    Was macht ihrer Meinung denn das Besondere am VfL aus, wenn sie diese lange Zeit Revue passieren lassen?

    Von außen kann man immer wieder feststellen, dass der VfL ein unheimlich sympathischer Verein ist. Das hab ich von ganz vielen Leuten gehört. Jetzt, wo ich im Urlaub war oder wenn du außerhalb von Bochum bist, wenn du in ganz anderen Regionen bist. Auch wenn es ein kleiner Verein ist, hat er ein unglaublich sympathisches Bild, weil der VfL ein Verein zum anfassen ist, der sich in dem Ballungsgebiet, wo wir uns befinden, mit so diesen großen Vereinen, die es im Ruhrgebiet gibt, immer wieder behauptet hat. Das hört man immer wieder von Leuten. Es ist erstaunlich, wenn man den Leuten sagt, dass er eine so lange Bundesligageschichte hat. Wir haben 6 Jahre Zweitliga Zugehörigkeit in 34 Jahren. Das ist eine unglaubliche Leistung für so einen Verein. Wenn man die ewige Bundesligatabelle anschaut, sind wird 12ter. Und wenn man sich anschaut, wie viele Traditionsvereine auf der Strecke geblieben sind in den letzten 3-4 Jahrzehnten, dann ist es eine unglaubliche Leistung und das vergessen die Leute manchmal.

    Sie sind ja auch schon 32 Jahre und ihr Vertrag läuft 2012 aus. Können sie sich Stand jetzt, vorstellen, ihre Karriere hier zu beenden oder gibt es schon noch Gedanken, vielleicht in den USA die Karriere ausklingen zu lassen oder vielleicht sogar in Polen, du bist ja in Polen geboren?

    Also in der polnischen Heimat würde ich auf keinen Fall wechseln, da ich meine Zukunft generell in Deutschland sehe. Ich weiß zwar, wo ich herkomme und ich bin auch in Polen geboren, aber dadurch, dass ich jetzt, seit ich mit 6 Jahren nach Deutschland gekommen bin, mich hier wohl fühle, sehe ich sowohl meine private als auch berufliche Zukunft in Deutschland. Deswegen kann ich es mir nicht vorstellen, nach Polen zu wechseln oder dort zu leben. Die USA sind zwar schon reizvoll, aber ich habe eine Familie, zwei Kinder und ich bin eigentlich relativ bodenständig. Daher gehört schon viel Organisation und Mut dazu, noch mal ins Ausland zu gehen.

    Es ist ja wahrscheinlich auch eine Frage des Vertrages, wenn da ein Verein kommt und 1,5 Mio im Jahr anbietet

    Amerikanische Vereine oder Dubai holen sich ja Altstars und Torjäger, die mal in Topmannschaften gespielt haben und zahlen sehr gut. Ich bin da eher Realist und fühle mich zu wohl hier, um was anderes zu machen. Ich würde gerne mindestens noch zwei Jahre spielen. Ich glaube, dass ich auch die Fitness dafür habe. Ich habe auch Spaß daran. Ich kann jetzt nicht genau sagen, wann ich meine Karriere beende. Ich würde auf jeden Fall noch gerne bis nächstes oder übernächstes Jahr spielen aber man weiß nie, was passiert, ob man sich verletzt. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und dann kann ich mir auch vorstellen, solange ich fit bin und Spaß habe zu spielen. Und danach kommt ein neuer Abschnitt

    Also würden sie mindestens noch ein Jahr 2. Bundesliga und ein Jahr 1. Bundesliga spielen.

    Genau, das wäre super. Und man muss einfach dann von Jahr zu Jahr schauen. Man ist für jedes Jahr, was dazukommt, dankbar.

    Dann können natürlich auch so Szenen passieren, wie sie Matias Concha passiert sind. Da hat man ja auch keinen Einfluss drauf. Das ist halt ein hohes Risiko.

    Man sollte auch im Fußball nicht zu weit nach vorn schauen. Es ist ein Tagesgeschäft. Man weiß nie, wie es das Schicksal mit einem meint.

    Und einen konkreten Plan nach dem Karriereende haben sie schon?

    Man hat halt schon so Ideen, die im Kopf schwirren. Ich bin mir nur noch nicht im Klaren darüber, in welche Richtung ich gehe. Aber ich würde gerne im Fußball bleiben, weil es einfach nahe liegt, wegen der Erfahrung, die man gesammelt hat und dem Netzwerk, das man sich aufgebaut hat und auch wegen der ganzen Trainer, die man hatte und die Leute, die man kennengelernt hat. Das Netzwerk, was man hat, muss man versuchen zu nutzen für sich und man hat soviel Erfahrung gesammelt und einen Erfahrungsschatz gesammelt, dass, man - glaube ich - da auch viele Chancen hat, auch beruflich. Wo die Reise dann hingeht, muss man dann einfach sehen. Da ergeben sich dann auch Dinge, wo auch Leute Stärken erkennen bei dir.

    Wurden Sie denn mal von einem Jugendtrainer zusammengefaltet?

    Meine erste Station war in Schöneberg in Berlin. Woran ich mich erinnern kann, war immer, dass viele Leute dir weniger zugetraut haben, als du letztendlich geschafft hast. Das zieht sich wie ein roter Faden durch meine Karriere. Aber immer wieder hast du den Leuten gezeigt, dass du eigentlich zu viel mehr im Stande bist. Und das ist ja auch eine schöne Eigenschaft, finde ich, dass die Leute am Ende gesagt haben: „Schau mal, er hat es geschafft!“

    Lässt man Ihre Karriere mal Revue passieren, haben sie schon unter den Großen der Trainerzunft gearbeitet: Bei Werder Bremen haben sie Sidka, Magath und Schaaf erlebt, bei Bielefeld Möhlmann, bei Hannover Rangnick, Lienen und Neururer und in Bochum Koller, Herrlich und zuletzt Funkel. Von welchem dieser namhaften Trainer würden Sie im Nachhinein sagen, haben sie selbst am meisten für sich mitgenommen? Oder gab es da in Berlin bei Hertha BSC einen bekannten Jugendtrainer, der sie da förderte?

    Es ist ja immer schwierig. Du hast von so vielen Leuten etwas mitgenommen. Bei Hertha hat mich ein Trainer geholt. Der hat mir ermöglicht, von einem kleinen Verein zu Herta zu kommen. Das war für mich die Vorrausetzung, dass Werder Bremen mich in die Jugend geholt hat und er hat mich auch gefördert. Oder Thomas Schaaf, mit dem verbinde ich unheimlich viele Sachen. Als ich von Berlin nach Bremen wechselte, war er noch Jugendtrainer. Er holte mich vom Bahnhof mit dem Auto ab und zeigte mir alles. Er war auch mein Amateurtrainer und nach Magath mein Profitrainer. Zwei Tage, nachdem Magath weg war, haben sie Thomas Schaaf installiert. Dann spielten wir gegen Schalke in einem Nachholspiel. Wir standen ganz unten. Es war sein allererstes Spiel und wir gewannen mit. 1:0 mit dem ersten Bundesligator von Christoph Dabrowski. Aber auch Felix Magath war ebenfalls wichtig. Wolfgang Sidka hat mich hochgeholt in den Profikader. Er hat aber eher die älteren auflaufen lassen. Unter ihm habe ich mein Bundesligadebüt für 5 Minuten gegeben. Ich durfte schnuppern und war dann wieder außen vor. Und dann kam Magath. Er hat mich monatelang ackern lassen. Ich habe wie ein Verrückter trainiert. Dann kam die Rückrunde und auf einmal hab ich immer gespielt bei ihm, dabei war es egal, ob ich schlecht oder gut war, somit hatte ich in der Rückrunde 16 Einsätze. Da nimmt man von der Einstellung her viel mit. Der war ja früher noch verrückter. Oder Rangnick, Lienen, Koller – die waren alle gute Trainer. Selbst von Herrlich, über den viel Kritik geäußert wurde, nahm man etwas mit, da er viele gute Sachen hereingebracht hat über Trainingsformen und Trainingslehre. Das sind Punkte, die man auch mitnimmt. Benno Möhlmann ist auch ein wunderbarer Mensch und guter Trainer. Für mich ist es kein Zufall, dass Ingolstadt mit Möhlmann so die Kurve gekriegt hat.

    Im nächsten Jahr findet die Europameister in Ihrem Heimatland Polen statt, für das Sie ja fast 2006 bei der WM aktiv mitgespielt hätten.

    Genau. Der polnische Verband wollte mich vor der WM für die Testspiele nominieren. Die haben da ganz viel probiert und ich habe schon eine Spielgenehmigung bei der FIFA beantragt. Ich habe ja auch einen polnischen Pass. Dann hat sich der Fußballweltverband quergestellt, weil es damals noch nicht die Regelung gab, dass wenn du für die A-Mannschaft noch keine Pflichtspiele absolviert hast, du noch wechseln kannst. Und da ich damals für die U21 EM-Qualifikationsspiele bestritten hatte, haben sie den Antrag abgelehnt. Das war schade. Das wäre eine super Sache gewesen, im eigenen Land bei einer WM zu spielen. So hat es dann leider nicht geklappt.

    Planen Sie denn, sich im nächsten Jahr EM-Spiele anzuschauen?

    Das kann ich leider noch nicht beantworten. Es muss sich eine gute Gelegenheit bieten, damit man damit in Verbindung kommt, wenn man beispielsweise irgendetwas zu kommentieren könnte in irgendeiner Funktion. Das wäre interessant. Privat würde ich nicht herüber fliegen und mir Spiele anschauen. Da würde ich eher meinen Urlaub genießen und mir die Spiele im Fernsehen angucken.


    Beschäftigen Sie sich privat denn auch viel mit Fußball? Oder gibt es andere Sportarten, die Sie sich anschauen? Oder schalten Sie in Ihrer Freizeit bei anderen Hobbies ab? Welche Hobbies sind das?

    Ja man schaut sich schon auch Spiele zu Hause an, sei es nun vom nächsten Gegner oder die Champions League, Pokal oder 2. Liga. Aber ich habe zwei Kinder und da versuche ich die Freizeit auch mit ihnen zu gestalten. Mein Kleiner spielt ja selber Fußball und dann gehe ich mit ihm zum Training. Oder mit meiner Tochter, sie spielt Tennis. Da fallen viele Sachen an, die man mit seinen Kindern in der Freizeit unternimmt. Ich lese gerne und höre auch viel Musik. Musik liebe ich.

    Was genau?

    Durch die Bank weg alles Mögliche, da bin ich total offen. Was noch: Ich bin Kaffee-Liebhaber. Ich sitze gerne im Cafe und beobachte, lese. Eher so gemütliche Sachen. Es muss auch nicht Starbucks zu sein, da das total modern und überall zu finden ist, sondern ein gemütliches kleines Café reicht mir da aus. Ich trinke auch hin und wieder mit Freunden ein gutes Gläschen Wein. Ich bin gern mit Freunden zusammen.

    Mit wem aus der Mannschaft wird dann was unternommen?

    In der Freizeit nicht so viel, weil die Familie Priorität hat und man verbringt soviel Zeit mit seinen Mannschaftskollegen. Klar, wenn man im Trainingslager ist, unternimmt man auch mit dem ein oder anderen in der Freizeit was. Slawo Freier ist in der Regel mein Zimmerkollege, zu dem habe ich natürlich schon eine enge Bindung. Vielleicht ist es bei ihm enger als zu anderen, weil man da auch schon auch persönlicher umgeht.

    Da ist ja auch ein Altersunterschied, das muss man ja auch berücksichtigen. Die jungen Spieler im Kader haben ja auch ganz andere Interessen mitunter.

    Da hab ich jetzt eigentlich kein Problem mit. Ich geh auch in der Pause mit einem jüngeren Spieler mal einen Kaffee trinken. Da finden wir schon Themen.

    Und wenn Sie auf die Idee kommen, abends auszugehen?

    Da gibt es auch Momente, wo man auch das mitmacht. Vielleicht macht man das dann nicht mehr in der Häufigkeit wie ein 20-Jähriger das macht. Wenn ich die Wahl zwischen Disko und einem Abend mit Freunden bei einem Glas Wein, dann wird Option eins sehr selten gezogen. Aber das ist ja auch normal. Wenn die zu bestimmten Anlässen sagen, dass man abends ausgeht, dann ist klar, dass du auch mal mitgehst, alleine schon, um den Kontakt zu halten. Das gehört genauso dazu.

    Welchen Beruf hätten Sie ausgeübt, wenn Sie kein Profifußballer geworden wären? Oder gab es nie einen Plan B?

    Gute Frage, ich bin in Bremen aus der A-Jugend herausgekommen und habe bei den Amateuren gespielt. Da gab es Situationen, wo die Entwicklung stagniert. Und dann überlegst du und zweifelst ein bisschen. Der Plan stand, dass ich meine Bewerbung bei der Bank einreichen wollte, um Bankkaufmann zu werden. Ein Jugendkoordinator von uns hat mir dann ganz schnell diese Ideen aus dem Kopf genommen. Letztendlich hatte ich das Glück, dass ich mir da keine Gedanken drüber machen brauchte. Bis auf die kurze Phase, wo du ins Grübeln gekommen bist. Danach lief das relativ flüssig bei mir. Außer bei Bremen, da habe ich mir dann auch eher Gedanken gemacht, wie ich mich fußballerisch verändere. Das 'Wie-Geht-Es-Weiter', das kommt dann jetzt langsam. Jetzt machst du dir halt Gedanken, wie funktioniert es danach, wie stellst du dich auf. Aber das ist dann weniger eine Belastung, sondern ich finde es spannend, weil da eine neue Phase beginnt und ich da einfach auch Vertrauen in mich habe, dass sich eine neue Perspektive ergibt.

    Zum Abschluss noch drei kurze Fragen:

    In welchen Vereinen sehen Sie die ärgsten Verfolger?

    Es gibt bestimmt immer Mannschaften, die keiner auf der Rechnung hat, die ¾ der Saison oben schwimmen und dann abrutschen wie Aue zuletzt. Und Düsseldorf war ja letztes Jahr auch weit oben. Düsseldorf hat es ja auch in der Rückrunde gezeigt. Nach dem Stolperstart hatten sie eine unglaubliche Punktebilanz, was man ja auch nicht glaubt, weil sie im Mittelfeld stehen. 7 Spiele verloren sie zu Saison und haben danach unglaublich viele Punkte gesammelt. Wenn sie das von Anfang an gemacht hätten, wären sie auch oben. Da gibt es solche Mannschaften und klar, die Absteiger hat man auch auf der Rechnung. Fürth ist jahrelang im oberen Drittel. Da muss man auch schauen, wie es sich entwickelt wie bei Cottbus auch. In der zweiten Liga sind viele Mannschaften im Kreis dabei, die man nennen kann, die die Möglichkeit haben oben mitzuspielen und wenn du das über einen längeren Zeitraum schaffst, hast du die Möglichkeit am Ende aufzusteigen. Es ist unglaublich ausgeglichen in der Liga.

    Ich glaube der Unterschied zwischen der 1.und der 2. Liga ist, dass ich die 1. Liga als wesentlich ausgeglichener empfinde. In der 2. Liga sind - sag ich mal - 10 Mannschaften, die durchaus für einen Aufstieg in Frage kommen, aber genauso 8 Mannschaften, die da überhaupt nicht drüber nachdenken brauchen. Und in der 1. Liga gibt es keine 10 Mannschaften die über die Meisterschaft nachdenken.

    Auch 1860 z.B. hat ja wieder Potenzial. Auch wo sie geschwächelt haben, haben sie eine vernünftige Runde gespielt. Also auch in der Phase, als es in der Führungsebene mit den Querelen und den Finanzproblemen enorm kriselt.

    Und wer wird Deutscher Meister? Bayern München?

    Die haben jetzt ein Jahr Pause gemacht und nächstes Jahr greifen sie wieder nach den Sternen.

    Wir bedanken uns für das interessante Gespräch.


    Das Interview mit Christoph Dabrowski führten BomS (Thorsten Amberge) und Herr Bert (Klaus Severin) im Juni 2011.

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