Finanzvorstand Wilken Engelbracht

Dieses Thema im Forum "unserVfL.de im Gespräch mit..." wurde erstellt von Herr Bert, 9. Mai 2015.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Am 19.02.2015 hatten wir die Gelegenheit uns direkt vor Ort mit VfL-Vorstand Wilken Engelbracht, zuständig für die Bereiche Finanzen, Marketing, Vertrieb und Organisation, zu unterhalten. Hier das Ergebnis:

    unserVfL.de: Herr Engelbracht, wie und warum sind Sie zum VfL gekommen?

    Wilken Engelbracht: Ich wurde im letzten Jahr direkt über den Aufsichtsrat unseres Vereins kontaktiert nachdem feststand, dass mein Vorgänger und der Aufsichtsrat sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen konnten.
    Für mich war die Entscheidung eine klare Herzensangelegenheit. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen, der VfL Bochum ist mein Verein. Sicherlich ist es bei diesem Beruf auf hilfreich, wenn man die Stadt und die Menschen kennt und zudem über ein existierendes lokales Kontaktnetzwerk verfügt.

    unserVfL.de: Herr Engelbracht, Sie haben sich natürlich vorher ein bisschen eingelesen in die Zahlen und haben ein wenig Einblick bekommen. Ist Ihnen denn diese gefühlte Schwere Ihres Jobs irgendwie klar gewesen, als Sie angefangen haben? Oder hat Sie das gereizt?

    Wilken Engelbracht: Sicherlich war mir grundsätzlich bewusst, dass unser Verein vor finanziellen Herausforderung steht. Die zusätzliche Belastung durch die aus der Betriebsprüfung resultierenden steuerlichen Nachzahlungen in Höhe von ca. einer Millionen Euro hat sich allerdings erst nach meinem Antritt manifestiert. Wirtschaftlich hat uns diese Entwicklung am Anfang der Saison sicherlich Kopfzerbrechen bereitet, aber wir konnten die Belastung insbesondere durch Transfereinnahmen kompensieren. Zweifellos gehörte hier auch ein gutes Stück Glück dazu.

    unserVfL.de: Es macht dann natürlich mehr Spaß beim VfL Wolfsburg anzufangen als beim VfL Bochum.

    Wilken Engelbracht: Naja. In finanzieller Hinsicht wahrscheinlich ja. Aber emotional ist der VfL Bochum unser Verein, in guten wie in schwierigen Zeiten. Und weniger Geld kann auch Kreativität und neue Energien freisetzen um die Herausforderung hier in Bochum zu meistern. Aus meiner Sicht macht Erfolg in solchen Fällen auch doppelt Spaß.

    unserVfL.de : Wenn es für die Lizenzierung um Zahlen geht, dann heißt es immer: Wir kalkulieren mit einem Schnitt von 13.500 Zuschauern. Da sind ja dann noch keine Dauerkarten mit drin?

    Wilken Engelbracht: Für unsere Planung ist die Zahl der Kaufkarten relevant. Diese beinhaltet die Dauerkarten. Oftmals führt dieses Thema in der Presse zu Verwirrung, da hier mitunter einfach die Gesamtzahl der Zuschauer angeführt wird. In diesen reinen Besucherzahlen können aber je nach Spiel Zuschaueraktionen (Netto-, oder Schulaktionen etc.) die Zahlen in die Höhe treiben. Nicht jeder Zuschauer ist natürlich immer auch ein zahlender Zuschauer.

    unserVfL.de: Welche Summe pro Person setzen Sie da an?

    Wilken Engelbracht: Das ist variabel. Aber im Schnitt ist es ein Nettopreis von ca. 13,50 Euro pro Karte.

    unserVfL.de:Viele Fans fragen sich, ob der Verein seine Kosten decken kann, wenn die kalkulierten Zuschauerzahlen nicht erreicht werden.

    Wilken Engelbracht: Ganz grob gerechnet müssten wir bei den Zuschauerzahlen bei ca. 5.000 Zuschauern oder weniger liegen, um auf Basis unserer Spieltagskosten (Sicherheitsdienst etc.) einen Verlust am Spieltag zu erwirtschaften. Von solchen Zuschauerzahlen sind wir glücklicherweise weit entfernt.

    unserVfL.de: Dann eine Frage zur Fanclub-Weihnachtsfeier: Die letzte Fanclubs Weihnachtsfeier ist uns allen negativ aufgefallen. Ist das jetzt eine richtungsweisende Entscheidung gewesen oder war das eine Ausnahme? Zur Erläuterung: Die Weihnachstfeiern fanden eigentlich in der rewirpowerLOUNGE statt, und da gab es auch für jeden einen Gutschein für zwei Pils, eine Currywurst und ein kleines Geschenk, z.B. eine Mütze oder ähnliches dazu. Vor allem war wichtig, dass auch oft ein Teil der Mannschaft oder sogar die komplette Mannschaft da war. Zuletzt gab es im Union-Theater nichts, außer einen Film zu gucken. Ist das die zukünftige Form dieser Veranstaltung oder war das eine Ausnahme? Vielen Fanclubmitgliedern ist das negativ aufgefallen.

    Wilken Engelbracht: Ich werde mich erkundigen, welche Gründe es dafür gab, dass in diesem Jahr keine Spieler als Gäste teilgenommen haben. Es gab sicherlich keine Vorgabe die Veranstaltung grundsätzlich anders zu gestalten, auch wenn die Veröffentlichung des WM-Films „Die Mannschaft“ sicherlich ein naheliegender Grund gewesen ist, in diesem Jahr die Filmpräsentation und das Kino als Ort zu wählen.

    unserVfL.de: Die U23 wird nun abgemeldet, was ja eine große Einsparung bedeutet. Gibt es noch mehr Möglichkeiten für Einsparungen?

    Wilken Engelbracht: Wir haben schon auf der letzten Jahreshauptversammlung die Notwendigkeit verkündet signifikante Einsparungen umzusetzen. Alles andere wären in unserer wirtschaftlichen Situation unvernünftig. Die U23 ist hier sicherlich ein wesentlicher Schritt, der uns vor dem Hintergrund der Tradition dieser Mannschaft ganz bestimmt nicht leicht gefallen ist. Aber auch in vielen anderen Bereichen, so z.B. beim Ordnungsdienst, Energiekosten, generellen Verwaltungskosten etc. haben wir zahlreiche Einsparungen umgesetzt. Das Ziel, dass unser Verein ab dem kommenden Jahr jährlich ca. 1,5 Millionen Euro strukturell einspart, werden wir erreichen. Die Gelder werden zum Teil in die Profimannschaft und in den Jugendbereich investiert, da wo sie aus unserer Sicht auch in einem Profiverein hingehören.

    unserVfL.de: Wie sieht es mit den Frauen und Mädchen aus – werden auch sie in der nächsten Zeit eine Abteilung des VfL sein?

    Wilken Engelbracht: Wir sprechen aktuell ca. 100 potentielle Sponsoren in der Region an, um uns bei der weiteren Finanzierung der 2.Ligmannschaft der Frauen zu unterstützen. Die fünf weiteren Frauen- und Mädchenmannschaften wird unser Verein aus eigener Kraft dauerhaft finanzieren. Der Verbleib der ersten Frauenmannschaft wird allerdings ganz wesentlich von unseren Möglichkeiten abhängen, zusätzliche Sponsoren für die Finanzierung des Teams zu gewinnen. Bis zur Lizenzierung Ende März / Anfang April müssen wir hier eine Entscheidung treffen.

    unserVfL.de: Dann haben wir noch einen Punkt, der eher die Fans angeht: Die Schließung des „8zehn48“, das nur noch an Spieltagen geöffnet ist. Es kommt einem vor wie das gefühlte Ausschließen der Fans. Das kam nicht sonderlich gut an. Ist die Entscheidung endgültig oder kann man da vielleicht eine Veränderung erwarten?

    Wilken Engelbracht: Wir haben das Angebot in Absprache mit unserem Caterer Aramark so lange wie möglich aufrechterhalten. Das Problem liegt allerdings darin, dass die Besucherresonanz viel zu gering ist, um die Kosten des Betriebs zu decken. Hier schlagen u.a. die Sky-Kosten für Gastronomen stark zu Buche. Momentan sehen wir keine Möglichkeit, das auf rentable Beine zu stellen. Sicherlich ist dieser Schritt für die betroffenen Fans schade, aber ohne ausreichende Zuschauerresonanz ist der Betrieb für den Betreiber Aramark und uns dauerhaft nicht tragfähig.

    unserVfL.de: Sollte das passieren, was natürlich keiner hofft, dass man am Ende der Saison für die 3.Liga planen muss: Ist der VfL in der Lage, ohne Sondererträge eine schwarze Null zu erreichen?

    Wilken Engelbracht: Man muss bei dieser Frage sicherlich zwei Dinge unterscheiden: Erstens: Wir planen grundsätzlich kommende Saisons immer ohne Sondererträge, wie mögliche Transfers und Erfolge im DFB-Pokal. Etwas anderes lässt die DFL auch gar nicht zu. Zweitens - was die 3. Liga betrifft: So ein Szenario bedeutet für jeden Verein immens harte Einschnitte. Da würde selbst der ein oder andere Transfer wenig abpuffern. Im Schnitt muss man bei einem Abstieg in die 3. Liga sicherlich mindestens von einer Halbierung der Erträge ausgehen.

    unserVfL.de: Die Entschuldung ist für Sie ja auch ein erstrebenswertes Ziel. Ist diese auch ohne Aufstieg möglich?

    Wilken Engelbracht: Ja, aber es dauert einfach deutlich länger. Fakt ist: Der Aufstieg würde enorm helfen, um die aktuellen Schulden relativ rasch zurückzuführen. Ich denke dies wäre in ca. 2 Jahren in der ersten Liga möglich. In der 2. Liga ist eine raschere Entschuldung sicherlich nur mit größeren Transfererträgen oder Erfolgen im DFB-Pokal schneller möglich. Das Ziel bleibt aber ganz bestimmt auch in Liga 2 eine sukzessive Entschuldung möglich zu machen.

    unserVfL.de: Wir gehen auch davon aus, dass es in dieser Saison die 2. Liga bleibt.

    Wilken Engelbracht: Und je nachdem, wer aus der 3.Liga hochkommt und aus der Bundesliga absteigt, kann das nächste Saison eine wirklich spannende und attraktive Liga insbesondere für uns Fans aus NRW werden.

    unserVfL.de: Herr Engelbracht, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

    Das Interview führten BomS (Thorsten Amberge) und Herr Bert ( Klaus Severin )

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    Zuletzt bearbeitet: 9. Mai 2015
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