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Die Hypothek war riesig - Herr Bert - 05-18-2026 Der VfL Bochum beendet die Saison trotz grober Fehler vor Saisonbeginn auf Platz neun. Die Aufarbeitung muss nun sitzen. Ein Kommentar. Wie es hätte ausgehen können, zeigt das Beispiel Fortuna Düsseldorf. Mit großen Ambitionen waren die Mannen aus der Landeshauptstadt gestartet, hatten einen teuren Kader für den vermeintlichen Aufstieg zusammengebastelt. Nach 34 Spieltagen steht bekanntlich der Abstieg aus der 2. Bundesliga fest. Einen ähnlichen Weg wäre beinahe der VfL Bochum gegangen, hätten die Verantwortlichen im vergangenen Oktober nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen und ein glückliches Händchen mit der Auswahl von Uwe Rösler als Trainer bewiesen. Die Hypothek, die die ehemaligen Entscheidungsträger um das Präsidium, den zwischenzeitlichen Sport-Geschäftsführer Dirk Dufner und den ehemaligen Trainer Dieter Hecking hinterlassen hatten, war riesig. Aber immerhin noch abzustottern. Der Grundstein der Probleme dieser Saison lag im Nachhinein betrachtet schon im Herbst des vorvergangenen Jahres. Das im letzten Sommer abgewählte Präsidium hatte sich von der sportlichen Führung getrennt und sich ein halbes Jahr bei der Suche nach einem Nachfolger für Ex-Sportdirektor Marc Lettau Zeit gelassen, um dann Dufner als Sport-Geschäftsführer zu präsentieren. Damalige Kritiker sehen sich nun bestätigt. Vor allem die von ihm verantworteten teuren Transfers gingen in die Hose, Scouting wurde kaum betrieben, vielmehr wurde sich auf Berater-Aussagen und das alte Netzwerk verlassen. Hecking scheiterte an Ural und Dufner Auch die Vertragsverlängerung für die Zweite Liga mit Hecking, der lange zögerte, erwies sich schlussendlich als Fehler. Wobei Insider behaupten, dass der 61-Jährige eher an seinem Co-Trainer Murat Ural gescheitert ist, der die taktischen Ausrichtungen in den Spielen übernommen und die Spieler damit vollkommen überfordert haben soll. Ein Aufbruch mit einem neuen Trainerteam nach dem Bundesliga-Abstieg wäre wohl das richtige Signal gewesen – auch an die zusammengewürfelte Mannschaft. Im Nachhinein lässt sich so etwas freilich leicht sagen. Doch schon im vergangenen Sommer war absehbar, dass der Kader unausgewogen zusammengestellt war, man mit vielen jungen Spielern ein Risiko eingehen würde und die vermeintlichen Königstransfers Ibrahim Sissoko und Kevin Vogt ein gewisses Risiko bergen. Früh war klar: Es muss alles zusammenpassen. Passte es aber vor allem zu Saisonbeginn nicht. Risiko mit jungen Spielern zahlt sich aus Dass der Kader aber im Grundsatz nicht so schlecht war, wie er in den ersten acht Saisonspielen auftrat, zeigt die Rösler-Bilanz eindrucksvoll. Es bedurfte allerdings einer System- und Strukturumstellung. Viererkette, einfachere Prinzipien – und auch die zwischenzeitliche Erkenntnis, dass die Spieler für den spielerischen Ansatz nicht konstant genug sind. 41 Punkte holte der 57-Jährige mit exakt jenem Kader, der zu Saisonbeginn kaum ein Bein auf den Boden bekam. Den Punkteschnitt hochgerechnet, wäre der VfL Bochum mit Rösler am Ende der Saison auf Platz fünf gelandet. Der VfL Bochum setzte nach Nürnberg die zweitmeisten jungen Spieler ein, was auch in diesem Transfersommer und auf Jahre gesehen einer der wenigen Pluspunkte der alten Führung sein dürfte. In Bochum setzt man auf die Jugend – diese Saison hat das belegt. Das Risiko, auf so viele junge Talente zu setzen, ist letztlich aufgegangen, wenngleich die erwartbaren Leistungsschwankungen auch Rösler zu schaffen machten. Dennoch: Kaum vorstellbar, wenn sie dem Druck in den entscheidenden Spielen nicht standgehalten hätten. Es bedarf nun einer schonungslosen Aufarbeitung der Fehler der Vergangenheit, um sie für die Zukunft zu vermeiden. Es bedarf einer Kaderplanung mit Auge, mit dem Adressieren der wahren Bedürfnisse für den Kader und nicht an den Ideen des Trainers vorbei. Die Verpflichtungen von Enis Cokaj für das defensive Mittelfeld und Berkan Taz für die Offensive zeigen die Idee für die kommende Spielzeit bereits. Ein Mix aus defensiver Stärke und spielerischen Elementen soll den VfL auf das nächste Level hieven. Bochum möchte dominanter auftreten, spielstärker von hinten heraus. Dazu bedarf es noch einiger Zugänge, die einschlagen. Vor allem die geplanten Toptransfers für die Innenverteidigung und das Zentrum müssen sitzen. Der eingeleitete Umbruch und der eingeschlagene Weg im operativen Bereich machen Hoffnung für die Zukunft. Quelle: WAZ.de |