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Top-Talente – wer schafft den Sprung bei Rösler? - Herr Bert - 06-04-2026

Acht U19-Spieler dürfen sich in der Sommervorbereitung bei den Profis des VfL Bochum empfehlen. Was haben Isbruch, Pick und Co. drauf? 

Cajetan Lenz war der Shootingstar der Saison beim VfL Bochum. Der 19-Jährige war im Sommer 2025 zunächst für die U21 in der Regionalliga eingeplant, überzeugte gleich in der Vorbereitung. Der Sechser wurde schnell Stammspieler beim Zweitligisten, wechselt im Sommer zur TSG Hoffenheim, beschert dem Klub eine Ablöse in Höhe von zehn Millionen Euro plus Boni. 

Neue Talente rücken nach. Sie haben unter Trainer David Siebers eine starke A-Jugendsaison hingelegt mit dem DM-Viertelfinale und Halbfinale im DFB-Pokal. Acht Spieler, die in der vergangenen Saison auch in der U19 noch zum Einsatz kamen, dürfen sich nun in der Vorbereitung bei Cheftrainer Uwe Rösler zeigen, wobei Kacper Koscierski bereits 2025/26 fest zum Zweitliga-Kader gehörte. Für andere ist das Training bei den Profis Neuland. In der kommenden Saison könnten sie für die Profis, die U21 in der Regionalliga oder in zwei Fällen auch noch für die U19 spielen. Was die Talente auszeichnet: ein Überblick. 

Verteidiger Schjott: Mentalitäts-Spieler vor nächstem Schritt
Gustav Schjott. Der Innenverteidiger, groß geworden in seiner dänischen Heimat Aarhus, kam im Oktober zum VfL nach zwei Jahren beim Nachwuchs des FC Bologna (Italien) und ein paar Wochen ohne Klub. Der 19-Jährige integrierte sich umgehend, übernahm Verantwortung auf und neben dem Platz. Schjott geht voran, spricht Klartext, sein „Mentalitäts-Profil“ passt perfekt zum VfL. Der dänische U19-Nationalspieler kam als zentraler Abwehrmann der Dreierkette zu 18 Einsätzen in der U19, holte seinen anfänglichen Fitness-Rückstand schnell auf, war gesetzt, ein Stabilitätsfaktor, auch wenn er – ein Manko – nicht der Schnellste ist. 

Trotz seiner nur 1,88 Meter Körpergröße ist er stark beim Kopfball, ein Zielspieler bei Standards und überzeugt mit seinem Überblick und Timing. Bei Ballgewinnen leitet er oft direkt den Gegenangriff ein mit einem Kontakt. Schjott hat noch keine Erfahrung im Männerfußball, könnte auch über die U21 den nächsten Schritt machen. 

Linksverteidiger Keumo: Paradebeispiel für Bochumer Weg
Darnell Keumo. Schritt für Schritt geht der 18-jährige Schüler seinen Weg. In der U19 als linker Schienenspieler mit seinen Tempodribblings, seiner Dynamik, seinem Zug ein Unterschiedsspieler, rückte der Jungprofi im Spätherbst zur U21 auf. In 15 Regionalliga-Partien machte er große Fortschritte als Linksverteidiger, kam in Karlsruhe zu seinem zweiten Zweitliga-Einsatz, zeigte seine Klasse zudem in den K.o.-Spielen der DM und im Pokal wieder für die U19 (insgesamt 15 Saisoneinsätze). 

Offensiv hat Keumo seine Stärken, defensiv muss er weiter dazulernen, auch taktisch. Da Mikkel Rakneberg vorerst verletzt ausfällt, hat Keumo gute Chancen, über die Vorbereitung hinaus zunächst zum Profikader zu zählen, als Backup für Maximilian Wittek. 

Rechtsverteidiger Koscierski: Gelingt jetzt der große Durchbruch?
Kacper Koscierski. Der 18-jährige rechte Schienenspieler und Rechtsverteidiger mit viel Offensivdrang trainierte 2025/26 bereits konstant bei den Profis, kam auf elf Zweitliga- und zwei DFB-Pokal-Einsätze, spielte zudem für die U21 (10 Einsätze), die U19 (9) und die deutsche U19-Nationalmannschaft. Er zeigte bei den Männern Licht und Schatten, als Rechtsverteidiger fehlt ihm noch die Robustheit für den großen Durchbruch. Zunächst geht Koscierski als Herausforderer von Oliver Olsen in die Saison. 

Voraussichtlich zählt Koscierski zum Kader der deutschen U19-Nationalmannschaft, die von Ende Juni bis Mitte Juli in Wales um den EM-Titel kämpft. Wie Schjott (Dänemark U19) und Alessandro Crimaldi (Italien U19) würde Koscierski die ersten Vorbereitungswochen beim VfL dann verpassen 

Mittelfeldspieler Isbruch: einer der größten Hoffnungsträger
Lasse Isbruch. Der 17-Jährige aus Datteln bringt ein enormes Potenzial mit, treibt das Spiel im defensiven Mittelfeldzentrum an. Der EM-Teilnehmer mit der DFB-U17 im Vorjahr ist laufstark, torgefährlich, handlungsschnell, spielstark, zieht in den Strafraum, hat einen guten Pass und bringt mit 1,89 Metern eine stattliche Größe mit. Isbruch arbeitet intensiv gegen den Ball, stopft mit seiner Übersicht Löcher. Mitunter fehlt dem gebürtigen Dattelner, der seit 2024 beim VfL ist und auch kommende Saison noch in der A-Jugend spielen könnte, noch etwas die Ruhe am Ball. 

Vor der Sommerpause durfte einer der großen VfL-Hoffnungsträger für die Zukunft erstmals bei den Profis im Training vorspielen, zeigte gute Ansätze. Das Problem: Eine Schambeinverletzung bremste ihn sechs Monate lang bis Mitte März aus. Behutsam soll er an die Profis herangeführt werden, viele trauen ihm perspektivisch den Sprung zu. Zunächst ist abzuwarten, wie sein Körper auf die Belastung reagiert. 

Mittelfeldspieler Meyer: Herzstück der U19
Tom Meyer. Der 18-Jährige aus Ibbenbüren, der bereits seit 2020 beim VfL am Ball ist, war das Herzstück der U19 als Part einer Doppelsechs oder Achter. Er besticht mit seiner Power und Dynamik, Laufstärke, Übersicht. Er schafft Räume, zieht gerne selbst in die Tiefe, gibt den Takt vor. Luft nach oben hat er in puncto Torgefahr und bei der Ballmitnahme, insbesondere unter Bedrängnis. 

Im Winter absolvierte der 1,95-Meter große Mittelfeldmann bereits das Trainingslager mit den Profis in der Türkei, fiel dann seit Februar wegen Schambeinproblemen fast komplett aus, spielte nur noch einmal kurz im Westfalenpokal. Wichtig wird sein, dass er zum Vorbereitungsstart voll belastbar ist. Dann ist ihm im Saisonverlauf viel zuzutrauen. 

Mittelfeldspieler Göttlicher: Nach langer Verletzung noch Aufholbedarf
Moritz Göttlicher. Im Winter verpflichtete der VfL den 18-Jährigen, der wie Isbruch auch noch ein Jahr für die U19 spielberechtigt ist, von der Talentschmiede des FC Bayern, wo er zehn Jahre lang alle Stationen durchlief. Er erhielt einen Profivertrag bis 2031. Der zentrale Mittelfeldspieler ist fußballerisch bestens ausgebildet, ballsicher, torgefährlich, hat eine hohe Spielintelligenz, bereichert das schnelle Kombinationsspiel. Der Haken: Seit Oktober litt Göttlicher unter Schambeinproblemen, kam erst spät in der Saison zu seinem VfL-Debüt, muss körperlich noch viel aufholen. 

Flügelstürmer Crimaldi: Schnell, dribbelstark, auf der Überholspur?
Alessandro Crimaldi. Vor zwei Jahren wechselte der Flügelstürmer vom VfL Wolfsburg nach Bochum. Der 18-Jährige hat sich in dieser Saison gut weiterentwickelt, rückte im Oktober zur U21 auf und trainierte seit dem Winter meistens bei den Profis mit. Auch Uwe Rösler ist angetan von seinen Fähigkeiten. Mittlerweile ist er in seinem Spiel „erwachsener“, robuster geworden. 

In der Regionalliga zeigte er meist gute Leistungen in elf Einsätzen, in der 2. Liga zählte er vier Mal zum Kader. In der U19 machte er oft den Unterschied, etwa gegen Hannover im DM-Achtelfinale, kommt auf 8 Tore und 8 Assists in nur 14 U19-Spielen. Der Würzburger, der bereits fünf Mal für die U19 Italiens spielte, zieht als Rechtsaußen gerne nach innen, bringt dann seinen starken linken Fuß ein, kann aber auch auf dem linken Flügel angreifen. Crimaldi ist technisch versiert, schnell und dribbelstark. In der kommenden Saison könnte er zu einer echten Alternative auf dem Flügel aufsteigen. 

Mittelstürmer Pick: Ein echter Torjäger – Verletzung bremste den Aufschwung
Luis Pick. Der Mittelstürmer überragte in der Vorsaison mit 19 Toren in 25 U19-Spielen. Eine Sprunggelenkverletzung bremste den 18-Jährigen, 2023 vom MSV Duisburg gekommen, im Sommer bis Ende November aus. An seine Topform ist der auch von seiner Physis lebende Angreifer seitdem noch nicht ganz herangekommen. Dennoch erzielte der 1,88 Meter große Zielstürmer sieben Tore in nur 14 A-Jugend-Einsätzen. 

Seine gute Schusstechnik, sein Torinstinkt, seine Einsatzfreude, auch ein gutes Kopfballspiel zeichnen den Mülheimer aus. Allerdings muss er zunächst zeigen, ob er sich in den entscheidenden Situationen auch im Männerfußball behaupten kann. Mit Philipp Hofmann und Daniel Hanslik hat er bei den Profis zunächst übermächtige Konkurrenz. 

Quelle: WAZ.de