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Bochum im Start-Check - Herr Bert - 09-29-2026 Vorne Letzter, hinten Zweiter: Der VfL Bochum glänzt bislang nur in einzelnen Mannschaftsteilen und Disziplinen. Die Aufstiegsplätze sind dadurch bereits jetzt ein ganzes Stück entfernt. Der kicker analysiert die Lage beim VfL nach sechs Spieltagen: Was läuft, wo hakt es, wer sticht heraus, wer ist das Sorgenkind und wie ist die Stimmung im Umfeld? Punktetechnisch blieb der VfL Bochum zum Saisonstart hinter den eigenen Erwartungen zurück. Das Hauptproblem sind die wenigen Tore. Ansonsten gibt es auch einige Lichtblicke. Was läuft gut? Mit sechs Gegentoren nach sechs Spielen stellt der VfL die zweitbeste Defensive der 2. Liga. Zuletzt in Hannover kassierten die Bochumer zum ersten Mal in dieser Saison zwei Gegentreffer in einer Partie. Insbesondere Karol Mets und Michael Steinwender, die beiden neuen Innenverteidiger, haben die in der Vorsaison wacklige Hintermannschaft stabilisiert. In Kombination mit Torwart Timo Horn, Linksverteidiger Maximilian Wittek, Spielgestalter Koji Miyoshi sowie Angreifer Philipp Hofmann verfügt der VfL über eine stabile, sehr erfahrene Achse. Diese nutzt Trainer Uwe Rösler, um den Spielstil zu verfeinern, insbesondere die Ballbesitzphasen zu verbessern. Erste Fortschritte sind bereits erkennbar. Vor allem die drei Last-Minute-Neuzugänge Sean Klaiber (Abwehr), Charlie Patino (Mittelfeld) und Jarne Steuckers (Sturm) sorgen dafür, dass in fast allen Mannschaftsteilen ausreichend Qualität zur Verfügung steht, teilweise auch in der Breite. Neu ist zudem die Auswärtsstärke. Die ersten drei Pflichtspiele in der Fremde hat der VfL allesamt gewonnen, nur in Hannover gab es eine Niederlage - dafür aber die fußballerisch beste Saisonleistung. Wo hakt es? Während die Defensive größtenteils stabil ist, leidet die Offensive an fehlender Durchschlagskraft. Mit nur fünf Saisontoren stellen die Bochumer derzeit den schwächsten Angriff der Liga, gemeinsam mit Darmstadt 98. An der Zahl der Torschüsse liegt es jedenfalls nicht, in dieser Statistik steht der VfL ligaweit auf Platz 3. Die Qualität der Abschlüsse ist oft mangelhaft. Es fehlen insbesondere torgefährliche Mittelfeldspieler. Was auffällt: Drei der fünf Tore fielen nach Standardsituationen, die beiden übrigen nach schnellen Balleroberungen. Herausgespielte Chancen, die es zuletzt immer häufiger gab, führten bislang nicht zum Torerfolg. Generell sitzen noch nicht alle Abläufe, das überrascht nach mehr als 30 Kaderbewegungen in diesem Sommer aber kaum. Wer sticht heraus? Die größte Überraschung ist Eigengewächs Tom Meyer. Der 18-Jährige profitierte von den Ausfällen im defensiven Mittelfeld und nutzte seine Chance. Vor allem seine Balleroberungen sind oft hilfreich. Meyer präsentiert sich frühreif und behauptet sich besser als erwartet. Der Wermutstropfen: Ihn plagen Adduktorenprobleme, weshalb er seine Premiere für die deutsche U-20-Nationalmannschaft verschieben musste. Nach der Pause soll Meyer aber fit sein. Vor ihm dürfte erneut Miyoshi spielen. Der Japaner profitiert davon, dass ihn Rösler endlich mit der Zehner-Rolle betraut hat. Mit zwei Toren und einer Vorlage ist er aktuell Bochums bester Scorer. Die besten Noten erhielt allerdings Keeper Horn. Er hält den VfL, wie schon in der vergangenen Saison, immer wieder im Spiel und sichert damit wertvolle Punkte. Wer ist das Sorgenkind? Spieler, die noch nicht wie erhofft durchstarten, gibt es einige. Aus dem Kreis der Neuzugänge sind das insbesondere Berkan Taz und Daniel Hanslik. Taz sollte eigentlich die Spielgestalter-Rolle einnehmen und für mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe sorgen; nach eher enttäuschenden Auftritten nahm ihn Rösler am 4. Spieltag aber vorerst aus der Startelf. Noch weniger setzt der Trainer auf Hanslik. Der Neuzugang mit der größten Zweitliga-Erfahrung wurde trotz der Angriffsschwäche zuletzt nicht mehr eingewechselt, nachdem er schon in der Vorbereitung und auch zu Saisonbeginn unsichtbar geblieben war. Angesichts der anhaltenden Verletzungsmisere ist der VfL aber auf jeden Spieler angewiesen. Oliver Olsen und Enis Cokaj fallen wochenlang aus, Jean-Manuel Mbom und Babis Drakas sogar mehrere Monate. Dass für den immer wieder angeschlagenen Gerrit Holtmann kein passender, ähnlich schneller Ersatz zur Verfügung steht, ist ein weiteres Problem. Wie ist die Stimmung im Umfeld nach sechs Spieltagen? Öffentlich das Ziel zu formulieren, dass bis zur Länderspielpause zehn Punkte auf der Habenseite stehen sollen, war ungeschickt. Zum Glück sind die Bochumer Fans nicht allzu streng. Zufrieden sind sie aber auch nicht. Die enttäuschenden Heimspielergebnisse wurden vereinzelt mit Pfiffen quittiert. Bei schon jetzt neun Punkten Rückstand auf Platz 2 zeichnet sich ab, dass der VfL wohl eher keine Rolle im Aufstiegskampf einnehmen wird. Das aber haben auch nur die größten Optimisten erwartet. Klar ist trotzdem: Nach der Pause müssen nicht nur ordentliche Leistungen, sondern Punkte her. Sonst werden neben einigen Fans auch einzelne Verantwortliche nervös. Schließlich geht es auch um die Zukunft von Uwe Rösler. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, Gespräche über eine Verlängerung sind angedacht. Rückenwind in Form von passenden Ergebnissen wären für beide Seiten hilfreich. Quelle: Kicker.de |