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Das fällt auf beim RWO-Test
#1
Nach dem 3:2-Sieg bei RWO war VfL-Trainer Uwe Rösler unzufrieden. Es gab aber auch Bochum-Spieler, die sich empfahlen – darunter zwei Neue. 

Uwe Rösler war im Stadion Niederrhein trotz der immerhin gut 2500 Fans nicht zu überhören. Und das gut 90 Minuten lang. Nun ist der Trainer des VfL Bochum ohnehin kein Leisetreter, aber eine Rösler-Dauerbeschallung ist meistens kein gutes Zeichen. 

Immer wieder rief er Namen von Spielern, gab Anweisungen, ruderte mit den Armen, schüttelte den Kopf. „Hochschieben, hoch!“ brüllte Rösler oft. „Ich habe die Spieler heute permanent durchgecoacht, was wir machen müssen gegen den Ball“, monierte er hinterher im Journalistenkreis, als er nach dem 3:2-Sieg des Zweitligisten bei Viertligist RW Oberhausen seine Unzufriedenheit in Worte packte. „Wir hatten wenig Struktur mit und ohne Ball und noch kein Spielverständnis miteinander“, bilanzierte Rösler. „Ich hätte mir schon mehr Fortschritte gewünscht.“ 

Müde Beine nach harten Trainingstagen beim VfL Bochum
Allerdings betonte der 57-Jährige auch, dass „wir neun Tage durchtrainiert haben. Jeder braucht jetzt mal einen freien Tag, das hat man heute gemerkt.“ Das taktische Verhalten gegen den Ball, das für Rösler eine „große Baustelle“ war am Samstag, „haben wir erst einmal trainiert, das muss man den Jungs zugute halten“. Seine positiven Aspekte? „Trotzdem haben wir das Spiel gewonnen, keiner hat sich verletzt, wir haben Meter gemacht.“

Dabei setzte der Trainer wie schon beim 8:0 gegen die Vonovia Allstars zwei komplette Teams ein, die jeweils eine Halbzeit spielten – und in der Liga in diesen Formationen, mit zahleichen Teenagern, U21-Spielern und neuen Perspektiv-Profis, nie auflaufen werden. 

Philipp Hofmann ist in bestechender Frühform
Wie man auch nach viel Trainingsarbeit performt, zeigte ein Routinier: Philipp Hofmann glänzte mit einem Doppelpack, mit Präsenz, Intensität, scharfen Pässen, auch Sprints nach hinten. Für die VfL-Kante, so scheint es, könnte die Saison sofort losgehen. Das 1:0 erzielte der 33-Jährige nach Pass von Jean Manuel Mbom überlegt mit dem Fuß, beim 2:1 netzte er nach Flanke von Babis Drakas per Kopf ein.

Vor und nach den Treffern allerdings gab es beim VfL viele Ballverluste, leichte technische Fehler, zu wenig Bewegung und viel zu große Lücken, wenn die durchaus gefällig, mutig und geschlossen auftretenden Oberhausener selbst Druck machten oder zum Gegenzug bliesen. 

Aus dem Mittelfeldzentrum kam kaum Kreatives und keine Dynamik. Von Mbom war bis auf seine Torvorlage wenig zu sehen. Der hochveranlagte 18-jährige Tom Meyer verlor arg oft den Ball unter Bedrängnis, spielte einen Fehlpass zu viel. 

Zu wenig Aktionen von Bamba und Miyoshi
Samuel Bamba bleibt als Flügelstürmer ein Verkaufskandidat, Koji Miyoshi ließ zu selten seine Klasse aufblitzen gegen die kämpferisch starken und taktisch gut eingestellten Viertliga-Kicker, die sich zweimal den Ausgleich verdienten. Auch Bamba und Miyoshi durften sich angesprochen fühlen, als Rösler erklärte, was ihn mächtig ärgerte: „Wenn Spieler nicht nachsetzen, Leute laufen lassen!“ Das traf allerdings auf einige andere Akteure wie etwa Oliver Olsen auch zu.

Die Außenverteidiger Babis Drakas und Leon Sawas hatten defensiv anfangs ihre Probleme, wobei Drakas einen Ball von der Linie kratzte und eben auch ein gelernter Außenstürmer ist. Was der aus der vierten Liga vom BVB II geholte 23-Jährige bei seiner stärksten Szene, der Flanke zum 2:1, auch untermauerte. 

Talent Leon Sawas zeigt nach Anfangs-Problemen Mut und Energie
Sawas, in der Vorsaison ja noch für die U19 des SC Freiburg am Ball, legte nach der ersten Trinkpause seine Zurückhaltung ab, zeigte viel Energie, schaltete sich mutig nach vorne ein, verteidigte hoch, aggressiv. Der 18-Jährige zählte zu den Lichtblicken im ersten Durchgang, in denen Michael Steinwender und Mo Tolba als Innenverteidiger einen soliden Eindruck hinterließen. Richtig geprüft werden vor allem die Defensivspezialisten aber wohl erst kommenden Samstag, wenn mit dem belgischen Erstligisten Royal Antwerpen ein anderes Kaliber wartet (11. Juli, 14 Uhr, in Iserlohn)

Nach dem Wechsel setzte Rösler auf ein klares 4-2-3-1 mit Ball – und ein extrem hohes Pressing. „Ich wollte, dass wir permanent eins gegen eins anlaufen, dass ich auch mal sehen kann, wie die Verteidiger große Räume verteidigen können“, sagte er. Das bestrafte RWO mit mehreren gefährlichen Kontern nach Ballverlusten oder wenn die Abstimmung beim Pressing nicht passte. 

VfL-Abwehr hat Probleme bei schnellen Kontern von RWO
Verteidiger-Zugang Yigit Karademir hatte auch in den Einzelduellen Probleme, Philipp Strompf wirkte bei seinem Testspiel-Comeback da etwas gefestigter. Weder gegen Antwerpen und schon gar nicht in der 2. Liga aber, so Rösler, „werden wir so hoch pressen“. Und: ein schneller Innenverteidiger, der Abwehrchef, soll ja noch kommen, möglichst vor dem Trainingslager.

Auffällig im zweiten Durchgang: Enis Cokaj war als Sechser erneut präsent, zweikampf- und laufstark. Berkan Taz zeigte seinen feinen Fuß, holte sich die Bälle als Zehner auch gerne tief in der eigenen Hälfte ab, war viel unterwegs, schlug gute Ecken in den Fünfmeterraum, von links wie rechts. Allerdings fanden zu viele Pässe nicht den Mitspieler, auch im Abschluss zögerte der 27-Jährige zu lange. Dennoch: Sein Spiel macht Lust auf mehr. 

Auch Linksaußen Alessandro Crimaldi gefiel offensiv mit tiefen Läufen, guten Flanken, Tempo. Crimaldi bietet sich als Option auch für die Liga an, wobei Gerrit Holtmann aktuell noch fehlt (Lauftraining) und ein neuer Außenangreifer als Soforthilfe noch kommen soll. Und: Auch der 18-Jährige ließ eine Topchance aus und muss lernen, mehr nach hinten zu arbeiten. Ebenso wie Rechtsaußen Aurel Wagbe. Der U21-Angreifer hatte ein paar unglückliche und ein paar gute Aktionen. So erzielte Wagbe per Kopf nach Taz-Ecke das 3:2-Siegtor und traf kurz darauf den Pfosten nach einer Volleyabnahme. 

Bochums neuer Stürmer Hanslik ist noch kein Faktor
Noch kein Faktor war Daniel Hanslik. Der Ex-Lauterer tat sich als einzige Spitze schwer, fand keine Bindung. Der Neuner eroberte zwar einige Bälle, schlug daraus aber kein Kapital. Überhaupt hatte der VfL einige hohe Ballgewinne, „da hätten wir das Spiel killen müssen“, monierte Rösler. Doch der letzte Pass kam selten an, zudem zeigte RWO-Keeper Kevin Kratzsch einige starke Paraden.

Nach einem freien Sonntag geht es am Montag mit dem Training weiter. Dann will Rösler die Intensität erhöhen, das Volumen drosseln und weiterhin den Spielern seine Prinzipien vermitteln. „Wir haben“, sagte Rösler, „noch viel Arbeit vor uns, aber wir kriegen das hin.“ 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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