09-09-2026, 03:23 PM
Sean Klaiber spielte einst in der Champions-League, jetzt hat er viel vor mit dem VfL Bochum. Der 32-Jährige gibt Einblick in seine Gefühle und Ziele.
Energisch grätscht Sean Klaiber in den Ball beim Training des VfL Bochum, ballt nach dem gewonnenen Duell mit Mats Pannewig die Hand zur Faust, und man möchte meinen: Diesem Mann sollte man lieber nicht zu nahe kommen. Nach der Einheit schüttelt er strahlend zig Hände, im Gespräch lacht er viel. „Ich bin ein Familienmensch“, sagt der Vater von drei kleinen Kindern, dessen Familie nun auch in seiner neuen sportlichen Heimat gelandet ist.
Sean Klaiber, der Mann mit den zwei Gesichtern: dem kompromisslosen auf dem Platz. Und dem weichen nach getaner Arbeit. Der 32 Jahre alte Rechtsverteidiger ist ein kommunikativer Typ, in der Mannschaft direkt angekommen, weil er auf alle zugeht, den Teamgeist vorlebt. Beim Training am Mittwoch etwa pushte er seinen Rechtsverteidiger-Konkurrenten Oliver Olsen bei einer Sprint-Übung, klatschte in die Hände, trieb ihn an. „Alle haben mich super aufgenommen, die Fans, der Staff, die Spieler“, sagt Klaiber umgekehrt. „Das ist ein sehr schönes Gefühl. Wenn man so nett aufgenommen wird, wie ein Mitglied einer Familie, hat man direkt eine Umgebung, in der man gute Leistungen zeigen kann.“
Klaiber versteht Ausmusterung bis heute nicht
Erst vor gut einer Woche landete Klaiber beim VfL, nachdem sich Jean Manuel Mbom schwer verletzt hatte und ein Rechtsverteidiger gesucht wurde. Der Niederländer bringt reichlich Erfahrung mit, spielte mit Utrecht und Ajax Amsterdam erstklassig, gewann mit Ajax zweimal die Meisterschaft, kam sogar dreimal in der Champions League zum Einsatz. In den vergangenen drei Jahren war er für den dänischen Erstligisten Bröndby IF aktiv, war lange Stammspieler, ehe es Anfang 2026 zum Bruch kam.
„Das ist für mich immer noch ein großes Rätsel. Der damalige Trainer Steve Cooper und ich hatten ein gutes Verhältnis, ich war sogar in ein paar Spielen sein Kapitän. Doch nach der Winterpause hat sich das geändert, ich weiß bis heute nicht, warum er nicht mehr auf mich gesetzt hat“, sagt Klaiber. „Das haben viele bei Bröndby auch nicht verstanden.“ Seit März bestritt er kein Pflichtspiel mehr, absolvierte allerdings die komplette Vorbereitung mit dem Team, kam auch in Testspielen zum Einsatz.
Neue Ausrichtung beim Ex-Klub von Klaiber
Doch auch unter Bröndbys neuem Trainer Thomas Norgaard, der im Sommer übernahm, spielte er für die Saison keine Rolle mehr. „Auch das Verhältnis zu ihm war in Ordnung, letztlich wollte sich der Klub neu ausrichten. Der Verein will verstärkt auf junge Spieler setzen, auch auf Talente aus der eigenen Akademie, um daraus möglicherweise Transfererlöse zu generieren. Ich bin 32, Bröndby hat nicht mehr mit mir geplant. Das gehört zum heutigen Fußballgeschäft dazu“, meint Klaiber.
Abgehakt die frustrierende Zeit, jetzt konzentriert er sich auf Bochum. Bröndby kam dem VfL entgegen, gab Klaiber trotz eines Vertrages bis 2027 ablösefrei ab. Eine Win-Win-Situation: Für Klaiber öffnete sich die Tür zurück auf den Rasen. „Der VfL hat mir die Chance aufgezeigt, wieder Fußball zu spielen. Nicht nur im Training und in Testspielen, sondern wenn es ernst wird. Sie wollten mich unbedingt im Team haben, dieses Signal hat man mir in den Gesprächen gegeben, das hat mich bestärkt“, erklärt er.
Gespräch mit Uwe Rösler gab den Ausschlag
Der Austausch mit Coach Uwe Rösler, der ihn als Trainer von Aarhus als Gegner kannte, spielte eine wichtige Rolle. „Uwe hat mir gesagt: Wenn er mit Aarhus gegen uns gespielt hat, habe ich sein Team immer vor Herausforderungen gestellt. Das ist ein Riesenkompliment. Er hat mir erklärt, wie er arbeitet, was er erreichen will. Er hat mir unheimlich viel Vertrauen geschenkt. Nach diesem Gespräch war die Entscheidung sehr leicht für mich. Ich habe meinen Berater angerufen und gesagt: Let’s go!“
Solide Leistung mit Luft nach oben
Die 2. Liga, sagt er, sei kein Absturz für ihn. „Ich bin ein demütiger Mensch, das ist das Wichtigste. Es war toll, in der Champions League zu spielen, aber jetzt bin ich total gespannt auf die 2. Bundesliga. Ich will mich hier durchsetzen und zeigen, was ich kann.“ Seine Premiere im deutschen Fußball ist geglückt. Beim 2:1 in Dresden kam Klaiber in der zweiten Halbzeit für Olsen ins Spiel.
„Sein Debüt war solide, darauf kann man aufbauen“, meinte Coach Rösler, der allerdings betonte, dass er Olsen nur wegen des drohenden Gelb-Rots vom Feld nahm. Von einem 50:50-Duell wolle er aktuell noch nicht sprechen, Olsen dürfte auch beim Heimspiel gegen Fürth am kommenden Samstag (13 Uhr/Sky) starten. Rösler monierte bei Klaiber punktuell eine zu offensive Spielweise und das eine oder andere Problem mit Ben Bobzien, das der schnelle Dynamo-Angreifer allerdings auch Olsen bereitet habe. Fußballerisch, etwa bei Seitenverlagerungen, überzeugte Klaiber auch den Trainer auf Anhieb.
Klaiber will mit VfL Bochum im Heimspiel gegen Fürth siegen
Eine Stärke, die der ehemalige U21-Nationalspieler der Niederlande nutzen will. Grundsätzlich sei er fit, Matchpraxis in Pflichtspielen allerdings fehle ihm. „Nur die hievt dich auf ein höheres Level“, sagt er. Der anvisierte Ballbesitzfußball des VfL, das hohe Anlaufen kommt dem physisch starken Außenverteidiger entgegen. „Wenn wir viel den Ball haben, kann ich auch mehr offensive Akzente setzen. In Dresden ging es in erster Linie ums Verteidigen, das hat die ganze Mannschaft insgesamt gut gemacht“, so Klaiber, der mit seinem VfL-Debüt zufrieden war.
Jetzt soll gegen Fürth der erste Sieg im Ruhrstadion her. Es wäre ein nächster Schritt in die Richtung, in die es gehen soll, meint Klaiber. Aufwärts – Mittelmaß ist nicht sein Ding. „Ich bin nach Bochum gekommen, um Spiele zu gewinnen und so viele Punkte wie möglich zu holen“, sagt der Routinier. „Ich freue mich wahnsinnig auf mein erstes Spiel im Ruhrstadion, ich kenne es nur aus dem Fernsehen. Wenn ich zum Einsatz komme, will ich alles geben für die Fans, für meine Familie, für die Mannschaft. Ich werde um jeden Zentimeter auf dem Rasen kämpfen.“
Quelle: WAZ.de
Energisch grätscht Sean Klaiber in den Ball beim Training des VfL Bochum, ballt nach dem gewonnenen Duell mit Mats Pannewig die Hand zur Faust, und man möchte meinen: Diesem Mann sollte man lieber nicht zu nahe kommen. Nach der Einheit schüttelt er strahlend zig Hände, im Gespräch lacht er viel. „Ich bin ein Familienmensch“, sagt der Vater von drei kleinen Kindern, dessen Familie nun auch in seiner neuen sportlichen Heimat gelandet ist.
Sean Klaiber, der Mann mit den zwei Gesichtern: dem kompromisslosen auf dem Platz. Und dem weichen nach getaner Arbeit. Der 32 Jahre alte Rechtsverteidiger ist ein kommunikativer Typ, in der Mannschaft direkt angekommen, weil er auf alle zugeht, den Teamgeist vorlebt. Beim Training am Mittwoch etwa pushte er seinen Rechtsverteidiger-Konkurrenten Oliver Olsen bei einer Sprint-Übung, klatschte in die Hände, trieb ihn an. „Alle haben mich super aufgenommen, die Fans, der Staff, die Spieler“, sagt Klaiber umgekehrt. „Das ist ein sehr schönes Gefühl. Wenn man so nett aufgenommen wird, wie ein Mitglied einer Familie, hat man direkt eine Umgebung, in der man gute Leistungen zeigen kann.“
Klaiber versteht Ausmusterung bis heute nicht
Erst vor gut einer Woche landete Klaiber beim VfL, nachdem sich Jean Manuel Mbom schwer verletzt hatte und ein Rechtsverteidiger gesucht wurde. Der Niederländer bringt reichlich Erfahrung mit, spielte mit Utrecht und Ajax Amsterdam erstklassig, gewann mit Ajax zweimal die Meisterschaft, kam sogar dreimal in der Champions League zum Einsatz. In den vergangenen drei Jahren war er für den dänischen Erstligisten Bröndby IF aktiv, war lange Stammspieler, ehe es Anfang 2026 zum Bruch kam.
„Das ist für mich immer noch ein großes Rätsel. Der damalige Trainer Steve Cooper und ich hatten ein gutes Verhältnis, ich war sogar in ein paar Spielen sein Kapitän. Doch nach der Winterpause hat sich das geändert, ich weiß bis heute nicht, warum er nicht mehr auf mich gesetzt hat“, sagt Klaiber. „Das haben viele bei Bröndby auch nicht verstanden.“ Seit März bestritt er kein Pflichtspiel mehr, absolvierte allerdings die komplette Vorbereitung mit dem Team, kam auch in Testspielen zum Einsatz.
Neue Ausrichtung beim Ex-Klub von Klaiber
Doch auch unter Bröndbys neuem Trainer Thomas Norgaard, der im Sommer übernahm, spielte er für die Saison keine Rolle mehr. „Auch das Verhältnis zu ihm war in Ordnung, letztlich wollte sich der Klub neu ausrichten. Der Verein will verstärkt auf junge Spieler setzen, auch auf Talente aus der eigenen Akademie, um daraus möglicherweise Transfererlöse zu generieren. Ich bin 32, Bröndby hat nicht mehr mit mir geplant. Das gehört zum heutigen Fußballgeschäft dazu“, meint Klaiber.
Abgehakt die frustrierende Zeit, jetzt konzentriert er sich auf Bochum. Bröndby kam dem VfL entgegen, gab Klaiber trotz eines Vertrages bis 2027 ablösefrei ab. Eine Win-Win-Situation: Für Klaiber öffnete sich die Tür zurück auf den Rasen. „Der VfL hat mir die Chance aufgezeigt, wieder Fußball zu spielen. Nicht nur im Training und in Testspielen, sondern wenn es ernst wird. Sie wollten mich unbedingt im Team haben, dieses Signal hat man mir in den Gesprächen gegeben, das hat mich bestärkt“, erklärt er.
Gespräch mit Uwe Rösler gab den Ausschlag
Der Austausch mit Coach Uwe Rösler, der ihn als Trainer von Aarhus als Gegner kannte, spielte eine wichtige Rolle. „Uwe hat mir gesagt: Wenn er mit Aarhus gegen uns gespielt hat, habe ich sein Team immer vor Herausforderungen gestellt. Das ist ein Riesenkompliment. Er hat mir erklärt, wie er arbeitet, was er erreichen will. Er hat mir unheimlich viel Vertrauen geschenkt. Nach diesem Gespräch war die Entscheidung sehr leicht für mich. Ich habe meinen Berater angerufen und gesagt: Let’s go!“
Solide Leistung mit Luft nach oben
Die 2. Liga, sagt er, sei kein Absturz für ihn. „Ich bin ein demütiger Mensch, das ist das Wichtigste. Es war toll, in der Champions League zu spielen, aber jetzt bin ich total gespannt auf die 2. Bundesliga. Ich will mich hier durchsetzen und zeigen, was ich kann.“ Seine Premiere im deutschen Fußball ist geglückt. Beim 2:1 in Dresden kam Klaiber in der zweiten Halbzeit für Olsen ins Spiel.
„Sein Debüt war solide, darauf kann man aufbauen“, meinte Coach Rösler, der allerdings betonte, dass er Olsen nur wegen des drohenden Gelb-Rots vom Feld nahm. Von einem 50:50-Duell wolle er aktuell noch nicht sprechen, Olsen dürfte auch beim Heimspiel gegen Fürth am kommenden Samstag (13 Uhr/Sky) starten. Rösler monierte bei Klaiber punktuell eine zu offensive Spielweise und das eine oder andere Problem mit Ben Bobzien, das der schnelle Dynamo-Angreifer allerdings auch Olsen bereitet habe. Fußballerisch, etwa bei Seitenverlagerungen, überzeugte Klaiber auch den Trainer auf Anhieb.
Klaiber will mit VfL Bochum im Heimspiel gegen Fürth siegen
Eine Stärke, die der ehemalige U21-Nationalspieler der Niederlande nutzen will. Grundsätzlich sei er fit, Matchpraxis in Pflichtspielen allerdings fehle ihm. „Nur die hievt dich auf ein höheres Level“, sagt er. Der anvisierte Ballbesitzfußball des VfL, das hohe Anlaufen kommt dem physisch starken Außenverteidiger entgegen. „Wenn wir viel den Ball haben, kann ich auch mehr offensive Akzente setzen. In Dresden ging es in erster Linie ums Verteidigen, das hat die ganze Mannschaft insgesamt gut gemacht“, so Klaiber, der mit seinem VfL-Debüt zufrieden war.
Jetzt soll gegen Fürth der erste Sieg im Ruhrstadion her. Es wäre ein nächster Schritt in die Richtung, in die es gehen soll, meint Klaiber. Aufwärts – Mittelmaß ist nicht sein Ding. „Ich bin nach Bochum gekommen, um Spiele zu gewinnen und so viele Punkte wie möglich zu holen“, sagt der Routinier. „Ich freue mich wahnsinnig auf mein erstes Spiel im Ruhrstadion, ich kenne es nur aus dem Fernsehen. Wenn ich zum Einsatz komme, will ich alles geben für die Fans, für meine Familie, für die Mannschaft. Ich werde um jeden Zentimeter auf dem Rasen kämpfen.“
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."