06-04-2026, 03:32 PM
Seit fast 30 Jahren ist Dirk „Moppel“ Michalowski Fanbeauftragter des VfL Bochum. In Teil zwei unseres Interviews spricht er über Problemspiele und seinen Job.
In diesen Tagen kann auch Dirk „Moppel“ Michalowski endlich ein wenig abschalten. Nach einer herausfordernden Saison für ihn und seine Abteilung beim VfL Bochum, genießt der Fanbeauftragte des Vereins seinen Urlaub. Zuvor sprach er allerdings mit uns über die Dinge, die ihn und die Fans des Vereins in den vergangenen zwölf Monaten bewegt haben. In einem ersten Teil gab er bereits Einblick in seine Arbeit und die Herausforderungen, die Fanproteste und Innenministerkonferenzen mit sich bringen.
Im zweiten Teil unseres Interviews wird es ein wenig persönlicher, schließlich übt Moppel seinen Job seit knapp 30 Jahren aus. Er beschreibt, wie sich die Arbeit verändert hat, warum es ihm weiterhin Spaß macht und welche Herausforderungen der Umbau des Ruhrstadions mit sich bringen wird.
Du bist seit fast 30 Jahren in diesem Job. Wie hat er sich in den fast drei Jahrzehnten verändert?
Es hat sich zehn Mal um 180 Grad gewendet und es ist mit meinen Anfängen überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Wir sind immer mehr als Konfliktmanager gefragt und im Bereich der Sicherheit zuständig und leider geht dadurch das Fußball-Erlebnis immer mehr verloren. Wenn ich manchmal am Spieltag morgens aufwache, hoffe ich, dass alles ruhig bleibt und es für alle ein entspannter Spieltag wird. Der sportliche Aspekt gerät dadurch leider immer mehr in den Hintergrund.
Warum heute nicht mehr?
Das lässt die Zeit nicht zu. An Spieltagen bin ich bis zum Anstoß im Ostkurventreff. Dann informiere ich mich über darüber, ob etwas im Vorfeld passiert ist, ob es Pyrotechnik oder Spruchbänder gab, auf die ich eventuell reagieren muss. Sind erst einmal alle Zuschauer im Stadion, fahre ich etwas runter, wie Eltern, wenn die Kinder im Bett sind. Nach circa 15 Minuten Spielzeit gibt es aber bereits den ersten Austausch mit Vertretern der Feuerwehr, Polizei, des Ordnungsamts und des Vereins. Dieser dauert in der Regel 15 Minuten. Dann ist die erste Halbzeit fast rum und ich habe noch nicht mit meinem eigenen Team gesprochen. Erst in der zweiten Halbzeit komme ich dazu, auch etwas vom Spiel zu sehen.
Bleibt man da noch Fan?
Ja, aber anders als früher. Natürlich hoffe ich jede Woche auf einen Sieg, aber der Job steht im Vordergrund.
Muss man aus deiner Sicht Fan des Vereins sein, um Fanbeauftragter sein zu können?
Ja, am Standort auf jeden Fall. Personen, die am Spieltag sichtbar sind als Fanbeauftragte, sollten schon eine Beziehung zum Verein und der Fanszene haben, um akzeptiert zu werden und um Situationen einordnen zu können. Aktuell wird der Job des Fanbeauftragten immer attraktiver, weil es auch immer mehr gibt. Die DFL fordert in der Zweiten Liga drei hauptamtliche Fanbeauftragte, in der Bundesliga sogar sechs. Dadurch laufen wir aber auch Gefahr, dass uns die Bindung verloren geht, weil es mehr Wechsel gibt. Erst im Alltag merkt man, was dieser Job wirklich mit sich bringt. Davon haben viele dann nach drei, vier Jahren genug. Man ist jedes Wochenende unterwegs und muss unangenehme Probleme und Konflikte lösen. Als Fanbeauftragter braucht es aber eine belastbare Beziehung zu seinen Fans. Ich kenne zum Beispiel viele Ultras seit Kindertagen, weil die schon mit ihren Eltern im Stadion waren. Das hilft.
Du bist der dritt-dienstälteste Fanbeauftrage in Deutschland. Wie lange willst du den Job noch ausüben?
Ein bisschen halte ich noch aus (lacht). Es gibt natürlich immer mal Spieltage, die nerven. Aber ich habe einen der individuellsten Jobs, die es gibt. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich nie, wie der bevorstehende Spieltag abläuft und mit welchen Gefühlen ich abends nach Hause komme. Das ist herausfordernd, aber auch extrem spannend.
Welches Spiel war in der abgelaufenen Saison das Schwierigste?
Definitiv das Auswärtsspiel in Düsseldorf. Da wurden auch wir von vielen Fans angegangen. Da gab es auch im Nachgang viel Redebedarf. Auch das Heimspiel im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart zog viel nach sich für uns. Wir haben nach beiden Spielen viele Mails bekommen, zig Telefonate geführt. Wir haben aber alles aufgearbeitet und ziehen unsere Lehren daraus. Und trotzdem kann man es am Ende nicht allen Menschen recht machen und wird beleidigt. Das frustriert schon manchmal.
Was war das „leichteste“ Spiel?
Schwer zu sagen. Für mich persönlich sind Spiele in Berlin und speziell bei Hertha BSC immer ganz angenehm. Da funktioniert meistens alles problemlos und durch den Abend mit dem Fanklub Bochumer Botschaft in ihrer Bar Junction ist es immer ein sehr schöner Rahmen. Ich liebe aber vor allem jedes unserer Heimspiele – was auch dem Standort geschuldet ist. Deswegen habe ich auch noch richtig Lust und gehe in meine Arbeit auf.
Wird deine Arbeit wertgeschätzt?
Im Verein zu 100 Prozent und sicherlich auch von den meisten Fans. Das haben wir erst nach dem letzten Spiel wieder erfahren dürfen, als sich viele bei uns bedankt haben. Wir wurden von Süßigkeiten überschwemmt (lacht). Auch zu Geburtstagen denken unglaublich viele Menschen an mich. Das macht mich schon etwas stolz. Die Rückmeldungen aus dem Bundesgebiet sind auch gut. Unsere Arbeit wird überall sehr geschätzt und viele Kollegen rufen mich abends manchmal noch an und fragen, wie wir bei uns mit der ein oder anderen Situation umgegangen sind.
In den kommenden drei Jahren dürfte der Job besonders herausfordernd werden. Dann wird das Stadion umgebaut.
Ich bin froh, dass wir uns für dieses Stadion an der Castroper Straße entschieden haben, weil es für mich immer noch das schönste in Deutschland ist. Wir werden beim VfL alles tun, um betroffene Fans mitzunehmen und sie zufriedenzustellen – allerdings wird auch das nicht ohne Kompromisse und ein gewisses Verständnis möglich sein. Wir wollen den Umbau und die Veränderungen so erträglich wie möglich für alle machen und keinen einzigen Dauerkarteninhaber verlieren.
Du verantwortest nicht nur das Thema Fanbelange, sondern auch das Thema Vereinskultur. Was muss man sich darunter vorstellen?
In erster Linie geht es darum, den Verein zu repräsentieren und allen Mitarbeitern den VfL nahezubringen. Es kommen längst nicht mehr alle Mitarbeiter aus Bochum. Daher biete ich zweimal im Jahr eine Führung für die neuen Kollegen durch das Ruhrstadion und die Stadt an. Sie sollen wissen, wo sich unsere Fans treffen, sich bewegen und leben. Ich zeige ihnen die Ritterburg und gehe die Castroper Straße mit all den ikonischen und historischen Stätten hinunter bis ins Bermudadreieck. An jeder Ecke gibt es irgendetwas mit VfL-Bezug. Wer für den VfL arbeitet, muss wissen, für wen er arbeitet. Das ist mir wichtig. Die VfL-DNA muss in vielen Köpfen und Projekten verinnerlicht und akzeptiert werden. Zudem kümmere ich mich ums Ehemaligen-Management, und wir organisieren Gedenkstättenfahrten, zum Beispiel ins ehemalige Konzentrationslager Buchenwald – auch diese Erinnerungskultur muss aufrechterhalten bleiben. Wir stehen als VfL für bestimmte Werte.
Zum Abschluss: Worauf freust du dich in der kommenden Saison?
Ich hoffe, dass wir den einen oder anderen Konflikt lösen können und am achten Spieltag mehr als drei Punkte haben.
Quelle: WAZ.de
In diesen Tagen kann auch Dirk „Moppel“ Michalowski endlich ein wenig abschalten. Nach einer herausfordernden Saison für ihn und seine Abteilung beim VfL Bochum, genießt der Fanbeauftragte des Vereins seinen Urlaub. Zuvor sprach er allerdings mit uns über die Dinge, die ihn und die Fans des Vereins in den vergangenen zwölf Monaten bewegt haben. In einem ersten Teil gab er bereits Einblick in seine Arbeit und die Herausforderungen, die Fanproteste und Innenministerkonferenzen mit sich bringen.
Im zweiten Teil unseres Interviews wird es ein wenig persönlicher, schließlich übt Moppel seinen Job seit knapp 30 Jahren aus. Er beschreibt, wie sich die Arbeit verändert hat, warum es ihm weiterhin Spaß macht und welche Herausforderungen der Umbau des Ruhrstadions mit sich bringen wird.
Du bist seit fast 30 Jahren in diesem Job. Wie hat er sich in den fast drei Jahrzehnten verändert?
Es hat sich zehn Mal um 180 Grad gewendet und es ist mit meinen Anfängen überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Wir sind immer mehr als Konfliktmanager gefragt und im Bereich der Sicherheit zuständig und leider geht dadurch das Fußball-Erlebnis immer mehr verloren. Wenn ich manchmal am Spieltag morgens aufwache, hoffe ich, dass alles ruhig bleibt und es für alle ein entspannter Spieltag wird. Der sportliche Aspekt gerät dadurch leider immer mehr in den Hintergrund.
Warum heute nicht mehr?
Das lässt die Zeit nicht zu. An Spieltagen bin ich bis zum Anstoß im Ostkurventreff. Dann informiere ich mich über darüber, ob etwas im Vorfeld passiert ist, ob es Pyrotechnik oder Spruchbänder gab, auf die ich eventuell reagieren muss. Sind erst einmal alle Zuschauer im Stadion, fahre ich etwas runter, wie Eltern, wenn die Kinder im Bett sind. Nach circa 15 Minuten Spielzeit gibt es aber bereits den ersten Austausch mit Vertretern der Feuerwehr, Polizei, des Ordnungsamts und des Vereins. Dieser dauert in der Regel 15 Minuten. Dann ist die erste Halbzeit fast rum und ich habe noch nicht mit meinem eigenen Team gesprochen. Erst in der zweiten Halbzeit komme ich dazu, auch etwas vom Spiel zu sehen.
Bleibt man da noch Fan?
Ja, aber anders als früher. Natürlich hoffe ich jede Woche auf einen Sieg, aber der Job steht im Vordergrund.
Muss man aus deiner Sicht Fan des Vereins sein, um Fanbeauftragter sein zu können?
Ja, am Standort auf jeden Fall. Personen, die am Spieltag sichtbar sind als Fanbeauftragte, sollten schon eine Beziehung zum Verein und der Fanszene haben, um akzeptiert zu werden und um Situationen einordnen zu können. Aktuell wird der Job des Fanbeauftragten immer attraktiver, weil es auch immer mehr gibt. Die DFL fordert in der Zweiten Liga drei hauptamtliche Fanbeauftragte, in der Bundesliga sogar sechs. Dadurch laufen wir aber auch Gefahr, dass uns die Bindung verloren geht, weil es mehr Wechsel gibt. Erst im Alltag merkt man, was dieser Job wirklich mit sich bringt. Davon haben viele dann nach drei, vier Jahren genug. Man ist jedes Wochenende unterwegs und muss unangenehme Probleme und Konflikte lösen. Als Fanbeauftragter braucht es aber eine belastbare Beziehung zu seinen Fans. Ich kenne zum Beispiel viele Ultras seit Kindertagen, weil die schon mit ihren Eltern im Stadion waren. Das hilft.
Du bist der dritt-dienstälteste Fanbeauftrage in Deutschland. Wie lange willst du den Job noch ausüben?
Ein bisschen halte ich noch aus (lacht). Es gibt natürlich immer mal Spieltage, die nerven. Aber ich habe einen der individuellsten Jobs, die es gibt. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich nie, wie der bevorstehende Spieltag abläuft und mit welchen Gefühlen ich abends nach Hause komme. Das ist herausfordernd, aber auch extrem spannend.
Welches Spiel war in der abgelaufenen Saison das Schwierigste?
Definitiv das Auswärtsspiel in Düsseldorf. Da wurden auch wir von vielen Fans angegangen. Da gab es auch im Nachgang viel Redebedarf. Auch das Heimspiel im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart zog viel nach sich für uns. Wir haben nach beiden Spielen viele Mails bekommen, zig Telefonate geführt. Wir haben aber alles aufgearbeitet und ziehen unsere Lehren daraus. Und trotzdem kann man es am Ende nicht allen Menschen recht machen und wird beleidigt. Das frustriert schon manchmal.
Was war das „leichteste“ Spiel?
Schwer zu sagen. Für mich persönlich sind Spiele in Berlin und speziell bei Hertha BSC immer ganz angenehm. Da funktioniert meistens alles problemlos und durch den Abend mit dem Fanklub Bochumer Botschaft in ihrer Bar Junction ist es immer ein sehr schöner Rahmen. Ich liebe aber vor allem jedes unserer Heimspiele – was auch dem Standort geschuldet ist. Deswegen habe ich auch noch richtig Lust und gehe in meine Arbeit auf.
Wird deine Arbeit wertgeschätzt?
Im Verein zu 100 Prozent und sicherlich auch von den meisten Fans. Das haben wir erst nach dem letzten Spiel wieder erfahren dürfen, als sich viele bei uns bedankt haben. Wir wurden von Süßigkeiten überschwemmt (lacht). Auch zu Geburtstagen denken unglaublich viele Menschen an mich. Das macht mich schon etwas stolz. Die Rückmeldungen aus dem Bundesgebiet sind auch gut. Unsere Arbeit wird überall sehr geschätzt und viele Kollegen rufen mich abends manchmal noch an und fragen, wie wir bei uns mit der ein oder anderen Situation umgegangen sind.
In den kommenden drei Jahren dürfte der Job besonders herausfordernd werden. Dann wird das Stadion umgebaut.
Ich bin froh, dass wir uns für dieses Stadion an der Castroper Straße entschieden haben, weil es für mich immer noch das schönste in Deutschland ist. Wir werden beim VfL alles tun, um betroffene Fans mitzunehmen und sie zufriedenzustellen – allerdings wird auch das nicht ohne Kompromisse und ein gewisses Verständnis möglich sein. Wir wollen den Umbau und die Veränderungen so erträglich wie möglich für alle machen und keinen einzigen Dauerkarteninhaber verlieren.
Du verantwortest nicht nur das Thema Fanbelange, sondern auch das Thema Vereinskultur. Was muss man sich darunter vorstellen?
In erster Linie geht es darum, den Verein zu repräsentieren und allen Mitarbeitern den VfL nahezubringen. Es kommen längst nicht mehr alle Mitarbeiter aus Bochum. Daher biete ich zweimal im Jahr eine Führung für die neuen Kollegen durch das Ruhrstadion und die Stadt an. Sie sollen wissen, wo sich unsere Fans treffen, sich bewegen und leben. Ich zeige ihnen die Ritterburg und gehe die Castroper Straße mit all den ikonischen und historischen Stätten hinunter bis ins Bermudadreieck. An jeder Ecke gibt es irgendetwas mit VfL-Bezug. Wer für den VfL arbeitet, muss wissen, für wen er arbeitet. Das ist mir wichtig. Die VfL-DNA muss in vielen Köpfen und Projekten verinnerlicht und akzeptiert werden. Zudem kümmere ich mich ums Ehemaligen-Management, und wir organisieren Gedenkstättenfahrten, zum Beispiel ins ehemalige Konzentrationslager Buchenwald – auch diese Erinnerungskultur muss aufrechterhalten bleiben. Wir stehen als VfL für bestimmte Werte.
Zum Abschluss: Worauf freust du dich in der kommenden Saison?
Ich hoffe, dass wir den einen oder anderen Konflikt lösen können und am achten Spieltag mehr als drei Punkte haben.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."