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Luthe über Transfers, Talente und Leihspieler
#2
Andreas Luthe, Vorstandschef des VfL Bochum, spricht in Teil zwei unseres Interviews über Investoren, Transparenz und was er kommende Saison erwartet. 

Seit einem Jahr ist das Präsidium des VfL Bochum im Amt und Andreas Luthe Vorstandsvorsitzender. Im ersten Teil unseres Interviews spricht er unter anderem über Transfers, Talente und neue Strukturen. Im zweiten Teil äußert er sich deutlich zum Etat, dem Thema Investor und nimmt Stellung zu Kritik an Transparenz und seiner Präsenz. 

Herr Luthe, nach einem Jahr mit einigen strukturellen Änderungen: Welche Projekte stehen noch aus und an, etwa im wirtschaftlichen Bereich?
Es gibt viele Entwicklungsfelder. Der Kader muss ans Zweitliga-Szenario angepasst werden. Wir müssen uns weiter finanziell konsolidieren. Wir haben das große Thema Stadionumbau. Bis 2029 müssen wir alle unsere eigenen Ansprüche ein bisschen hintanstellen: Spieler, Trainer, Gremien, MitarbeiterInnen, Fans, da sitzen wir alle im gleichen Boot. Das wird nicht angenehm. Ich sehe die Zeit bis 2029 als Übergangs-, als Entwicklungsphase dieses Klubs. Ich freue mich aber auch schon auf den Moment, wenn alles abgeschlossen ist.

Heißt das, dass man sich in dieser „Entwicklungsphase“ nur im Mittelfeld der 2. Liga etablieren kann – oder gibt es eine andere Ambition?
Das ist schwer zu sagen. Wir sind ambitioniert, wir haben einen Trainer, der das Maximum herausholen will und wir wollen Spieler, die immer gewinnen, sich entwickeln wollen. Aber das wollen 17 andere Teams eben auch. Als VfL Bochum sollten wir in der 2. Liga den Anspruch haben und sagen dürfen, dass wir jedes Spiel gewinnen können. Dass das flankiert ist von strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen, von starken Gegnern, ist aber auch klar. Meine Überzeugung ist: Wenn man permanent gute Entscheidungen trifft, ist auch Erfolg wahrscheinlich. Ohne es an Tabellenplätzen festzumachen: Die Entwicklung bis 2029 muss gut sein. Wenn wir das hinbekommen, werden wir auch sportlich wieder andere Sphären erreichen. 

Stichwort Finanzen. Transfererlöse sind eine wesentliche Einnahmequelle. Welche Modelle gibt es noch, mehr Geld zu generieren?
Wir haben uns mit vielen Finanzierungsmodellen auseinandergesetzt und das Ganze von mehreren Seiten beleuchtet. Aktuell sind wir aber nicht in der Situation, dass wir externes Geld benötigen. Wir müssen uns nicht verschulden, wir kriegen es auch selbst hin. Wir sind finanziell stark genug, um schlagkräftige Mannschaften im NLZ- und Lizenzspielerbereich auf die Beine zu stellen. Wenn man die Notwendigkeit nicht hat, dann muss man mit den externen Möglichkeiten sehr behutsam umgehen. Wir können aber in jede Richtung reagieren. Kritisch sehe ich dabei lediglich eine klassische Investoren-Rolle, weil ich glaube, dass diese weniger zum VfL Bochum und insgesamt nicht mehr in die Zeit passt.

Ein Investor, der Anteile an der KGaA übernimmt, ist also derzeit kein Thema. Welche konkreten anderen Modelle schweben dem Klub denn vor?
Das sind dynamische Prozesse, wir arbeiten an Optionen, auf die wir zugreifen könnten, wenn wir die Notwendigkeit sehen. Aber da gibt es aktuell nichts Konkretes zu verkünden.

Kann der VfL im zweiten Zweitliga-Jahr denn trotz sinkender Einnahmen etwa beim Ticketing (Stadionumbau) oder TV-Geld den Umsatz (gut 60 Millionen Euro in diesem Geschäftsjahr nach Plan) und Lizenzetat (rund 22 Millionen Euro) halten?
Wir haben den Anspruch, uns weiterzuentwickeln. Es ist auch weiter möglich, kleine Schritte nach vorn zu gehen. Das Ganze wird aber auch vom Thema Stadionumbau belastet. Beim Lizenzspieleretat sind wir im ersten Zweitliga-Jahr ins vertretbare Risiko gegangen, können es über den Transfer von Cajetan Lenz schaffen, annähernd in dem Etat zu bleiben. Das ist am Ende aber auch von der sportlichen Entwicklung abhängig, von der Kosteneffizienz des Kaders.

Das Ruhrstadion soll im Namen bleiben, der Vertrag mit dem Namensgeber Vonovia endet im Juni. Wie ist der Stand beim Thema Naming-Right?
Auch das ist ein dynamischer Prozess, eine Herausforderung. Es ist ein schwieriger Markt. Die Marke VfL Bochum ist aber auch in der 2. Liga so interessant, dass ich optimistisch bin, dass wir einen neuen Namensgeber finden werden.

Mitunter beklagen Mitglieder, dass das Wahlversprechen, transparenter zu sein, zumindest ausbaufähig ist.
Transparenz bedeutet für mich, dass unsere Mitglieder klar erkennen können, in welche Richtung wir gemeinsam steuern, und sie über die Zwischenstände informiert werden – wann immer dies möglich ist. Das passiert immer in enger Abstimmung mit der Operative. Wie diese Zwischenstände aussehen, leitet sich aus den bereits genannten Zielen ab, wie dem Stadionerlebnis, der finanziellen Stabilität oder dem Charakter unserer Mannschaft und Transfererlösen. Aus meiner Sicht haben wir einen intensiven Austausch mit unseren Fans und Mitgliedern, die diesen auch annehmen, wie beispielsweise an der enormen Beteiligung bei der Infoveranstaltung zur Stadionmodernisierung zu erkennen war. Man kann sich hierzu übrigens alle Informationen oder Präsentationen auf unserer Homepage anschauen, ebenso unseren jährlichen Geschäftsbericht – es gibt nicht viele Vereine, die das machen und so transparent sind. Auch bei Veranstaltungen oder durch Gremien wie das Fangremium, den Beirat Zukunft oder durch unser gewähltes Präsidiumsmitglied Fabian Budde sind wir in ständigem Kontakt. Dennoch wollen wir auch in diesem Bereich ständig besser werden und planen bereits weitere Formate wie ein Fanforum.

Kritiker werfen Ihnen vor, zu selten bei Heimspielen präsent zu sein, zum Beispiel gegen Hannover, als zahlreiche Profis verabschiedet wurden.
Ich war bei den meisten Heim- und Auswärtsspielen vor Ort und wir verteilen die sonstigen Termine im Präsidium sehr zielführend. Viel wichtiger ist mir aber, dass alle verstehen, was passiert, wenn die Kameras gerade nicht präsent sind. Wir ordnen alles der Entwicklung bis 2029 unter. Wer vor der Kamera steht und beispielsweise Verabschiedungen vornimmt, ist für mich weniger relevant. Das Präsidium ist der verlängerte Arm der Mitglieder und ich bin nicht nur der Vorstandsvorsitzende der Spieler. Entscheidend ist, dass wir unserer Aufsichtspflicht nachkommen, zielorientiert arbeiten und bei relevanten Veranstaltungen in unserer Stadt präsent sind. Das Maiabendfest ist da ein gutes Beispiel.

Wo steht der VfL nach der kommenden Saison?
Die 2. Liga ist hart und schwer zu kalkulieren. Ich habe den Anspruch, dass wir zumindest besser starten als in der vergangenen Saison. Wir bekommen von den Charakteren eine Truppe, die hungrig und willig ist, sich zu entwickeln. Wir haben einen Trainer, der wie die Faust aufs Auge zum VfL passt – davon bin ich überzeugt. Auf einen Tabellenplatz will ich mich aber nicht festlegen.

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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RE: Luthe über Transfers, Talente und Leihspieler - von Herr Bert - 06-13-2026, 10:09 AM

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