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So laufen Spieler-Verpflichtungen beim VfL ab
#2
Der VfL Bochum setzt auf ein ungewöhnliches Direktoren-Trio. Dieses erläutert, wie Transfers ohne hohe Ablösen trotzdem Erfolg bringen sollen. Teil zwei des großen Interviews. 

Am Freitag ist die Zeit des Redens vorbei, dann beginnt für den VfL Bochum die Zweitliga-Saison, und nach einer starken Vorbereitung wird sich endlich herausstellen, wie gut die Mannschaft wirklich ist. Gegen Hertha BSC werden deshalb auch die drei Direktoren Markus Bunnschneider (Data, Scouting, Recruitment), Simon Zoller (Lizenz) und Jona Schlevogt (Recht und Personal) genau hinschauen. Die drei haben den XXL-Umbruch in diesem Sommer maßgeblich verantwortet und vorangetrieben. 

Vor dem Saisonstart haben sie in einem großen Interview mit dieser Redaktion Einblick in die Arbeit der neuen sportlichen Führung des VfL Bochum gegeben, die es so deutschlandweit bislang nicht gibt. Im ersten Teil des Interviews sprachen sie darüber, wie sie arbeiten, und erklärten anhand der Verpflichtung von Enis Cokaj, wie Transfers an der Castroper Straße abgewickelt werden. Im zweiten Teil des Gesprächs geht es um die Zukunftsträchtigkeit eines Dreiergespanns, warum kaum Ablösesummen bezahlt werden, langfristige Ziele und die Zukunft von Trainer Uwe Rösler. 

Sie machen das in der Konstellation seit November 2025. Es ist in Deutschland einzigartig. Wird es die Zukunft im Fußball sein?
Zoller: Ich glaube, dass es Zukunft hat. Mittlerweile passieren so viele Sachen tagtäglich, dass das einer allein nicht mehr leisten kann, um auch wirklich dann am Ende 100 Prozent gute Entscheidungen zu treffen. Wir lernen dabei jeden Tag dazu. Man bekommt jeden Tag Einblicke in jeden Bereich, der für Transfers wichtig ist. Dafür gibt es schließlich Experten. Markus kennt sich mit Daten aus, ich habe selbst gespielt und Jonas kennt die Kniffe als Jurist. Das nutzen wir für uns. In England ist das Modell zum Beispiel seit Jahren etabliert. Ich glaube, dass dieses Modell in Deutschland demnächst auch von anderen Klubs übernommen wird.

Schlevogt: Es ist ja schon jetzt so, dass auch bei anderen Vereinen Experten für bestimmte Bereiche unterstützen. Die Themen und Strukturen in diesem Geschäft werden immer komplexer. Es muss enorm viel durchdacht werden. Das kann einer allein einfach nicht mehr leisten, auch wenn die Strukturen von Klub zu Klub unterschiedlich sind und auch bleiben werden. Auch andere Klubs in der Bundesliga finden unsere Konstellation spannend. 

Der VfL musste einen XXL-Umbruch mit über 30 Transferbewegungen seit Januar meistern. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit?
Brunnschneider: Zeitlich und beim Budget sind wir im Vergleich zu den Wettbewerbern gut unterwegs. Das große Ziel war, den Großteil der Mannschaft bis zum Start des Trainingslagers zusammenzuhaben. Das ist uns gelungen. Der Trainer und auch wir hatten nun die Möglichkeit, die Nuancen herauszufiltern, an denen wir noch arbeiten können. Wir konnten das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben. Nun arbeiten wir an den letzten Ergänzungen und müssen sehen, wie es sich auf dem Platz darstellt.

Schlevogt: Wir mussten schnell agieren und unsere Mittel geschickt einsetzen. Wir haben es geschafft, in unserer Struktur und in unseren Leitplanken zu bleiben. 

Zoller: Wir haben es der Mannschaft und dem Trainer ermöglicht, sich früh zu finden und einzuspielen, Prinzipien zu lernen. Wir haben charakterstarke Jungs, die verstehen, was es bedeutet, hier zu spielen. Das VfL-Trikot kann schwer werden. Ich bin zuversichtlich, dass die Neuen das bewältigen können. Die Entwicklung ist gut. Es ist laut auf dem Feld, sie trainieren mit Freude, es wächst etwas zusammen. 

Kritik gibt es dennoch, weil Sie keine Ablösen in die Hand genommen haben – wenn wir Michael Steinwender einmal ausklammern.
Schlevogt: Wir holen ablösefreie Spieler, weil uns ein bestimmtes Budget zur Verfügung steht. Ablösefrei heißt nicht umsonst! Es müssen Gehälter gezahlt werden, Prämien, teilweise eine Signing-Fee. Jeder Spieler hat ein Gesamtpaket. Je weniger in die Ablöse investiert werden muss, desto mehr kann beispielsweise ins Gehalt fließen. Dadurch bekommen wir andere Spieler, als wenn wir eine höhere Ablöse zahlen müssten. Wir haben Qualität dazugeholt.

Zoller: Zumal wir viele Kaderbewegungen hatten. Wir haben im Sommer bislang zehn Spieler verpflichtet – die hätten wir nicht mit der Qualität bekommen, wenn wir für alle Ablösen hätten zahlen müssen. 

Schlevogt: Und auch nicht jeder Spieler, der eine Ablöse kostet, bringt uns weiter. Moritz-Broni Kwarteng etwa war ein Rekordtransfer für den VfL, hat aber sportlich am langen Ende nicht den entsprechenden Wert gehabt. 

Wie langfristig sind die Planungen ausgelegt?
Brunnschneider: Wir planen nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig. Das bedeutet, dass Budget da sein muss und wird, wenn sich kurzfristig auf dem Transfermarkt Möglichkeiten ergeben. Wir planen mit Auge. Wir wissen, dass, je länger die Transferphase dauert, auch Qualität zu günstigeren Preisen auf den Markt kommen kann. Darauf sind wir vorbereitet. Wir können und werden bis zum Ende der Transferperiode noch nachlegen.

Schlevogt: Wir müssen die Chips gut verteilen. Wir müssen es uns erarbeiten, dass wir in Zukunft wieder mehr investieren können. Wir mussten jetzt schneller sein als die Konkurrenz. Ein Fünf-Jahres-Plan funktioniert im Fußball selten, wir haben aber den langfristigen Plan, wie wir Kaderwerte entwickeln wollen und gleichzeitig sportlich erfolgreich sein können. 

Brunnschneider: Es gibt eine gesamtheitliche Vision im Verein, aus der sich Strategien und Maßnahmen ergeben. Wir müssen im sportlichen Bereich dazu beitragen. 

Zoller: Der VfL Bochum wird vom Sport getragen. Wenn wir keinen sportlichen Erfolg haben, funktioniert der Verein nicht. Entsprechend wollten wir Identifikation schaffen, wollen eine Einheit werden, wollen Kaderwerte schaffen. Cajetan Lenz darf nicht die Ausnahme bleiben. Wir wollen es Jahr für Jahr schaffen, mindestens einen Spieler aus dem Talentwerk auch bei den Profis durchzubekommen und einen Spieler entsprechend auch teuer zu verkaufen, zum richtigen Zeitpunkt. 

Ist der Kader mehr auf den sportlichen Erfolg oder auf das Wertmanagement ausgelegt?
Zoller: Auf beides! Wir haben viele Spieler bei uns im Kader, die das Potenzial haben, uns sowohl sportlich als auch finanziell bei etwaigen Verkäufen voranzubringen. Das betrifft sowohl einige Spieler bei den Neuzugängen. Wie auch bei unseren eigenen Talenten.

Schlevogt: Wir dürfen unsere eigenen Jungs nicht zubauen. Wir haben das bei den Leihen im vergangenen Jahr gesehen: Eine Qualität wie die von Francis Onyeka können wir in dem Alter nicht fest verpflichten. Wir konnten aber beispielsweise Yigit Karademir verpflichten, der in seiner Entwicklung etwas später dran ist, dem wir aber den großen Sprung zutrauen. 

Brunnschneider: Wir dürfen uns nie für ein Extrem entscheiden. Wenn wir nur erfahrene Spieler holen, ist das zu teuer für uns. Wenn wir nur junge Spieler holen, sind wir ein Ausbildungsklub mit geringeren sportlichen Ansprüchen. Wir brauchen ein stabiles Gerüst, das den jungen Spielern hilft, maximalen sportlichen Erfolg gemeinsam zu entwickeln. Daher ist der Spielertyp wie Karol Mets einer, der den Unterschied machen kann. Er wird dem jungen Team durch seine Erfahrung helfen, sportlich einen wichtigen Auftrag haben und Spielern wie Karademir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir haben mit jedem Spieler einen klaren Plan. 

Schlevogt: Zumal man nicht nur 19- oder 20-Jährige gewinnbringend verkaufen kann. Das ist ein Irrglaube. 

Kaderwertmanagement bedeutet auch, mit Spielern rechtzeitig Verträge zu verlängern. Der von Mats Pannewig läuft 2028 aus.
Zoller: Mats ist für uns ein wichtiger Spieler, der sich weiterentwickeln wird. Der VfL wird bei seiner Entwicklung nicht das Ende der Fahnenstange sein. Er wird nicht bis zum Ende seiner Karriere in Bochum spielen. Wir kommunizieren immer offen mit jedem Spieler. Aber in diesem Sommer wird er sicher nicht wechseln.

Der Vertrag von Uwe Rösler läuft schon im kommenden Sommer aus. Wie ist da der Stand?
Zoller: Wir alle wissen, was wir am Trainer haben. Als er kam, herrschte blankes Entsetzen und Abstiegsangst. Er hat das Ruder herumgerissen. Aber Uwe weiß auch, was er an uns, am gesamten VfL hat, und entsprechend sind wir ganz offen, aber auch ohne Druck im ständigen Austausch. Wir sprechen auch darüber, was in ein, zwei, drei Jahren sein kann. Er ist in die Kaderentscheidungen und die Zukunftsplanungen miteinbezogen. Die letzten Monate haben uns zudem zusammengeschweißt. Wir hatten in den vergangenen Monaten viel mit dem Kader zu tun. Jetzt schauen wir weiter. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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RE: So laufen Spieler-Verpflichtungen beim VfL ab - von Herr Bert - 08-06-2026, 08:33 AM

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