Gestern, 05:15 PM
Er galt als Juwel von Arsenal, spielt jetzt in der 2. Liga beim VfL Bochum. Charlie Patino sieht das nicht als Absturz - und hat klare Ansichten.
Manchmal wirkt es im Training des VfL Bochum so, als ziehe Charlie Patino die Bälle förmlich an, um dann elegant aufzudrehen oder einen exakten Pass zu spielen. Von Unsicherheit auch unter Druck, von in der 2. Liga durchaus häufiger zu beobachtenden Stockfehlern keine Spur. Und irgendwie passt es zum Spielstil des Engländers mit spanischen Wurzeln, wie er sich in seinem ersten Interview rund vier Wochen nach seiner Ankunft beim VfL Bochum gibt. Ruhig spricht er, sicher, abwägend. Erstaunlich erwachsen wirkt er mit seinen 22 Jahren.
Und man spürt, dass der zentrale Mittelfeldmann alles geben will, wieder richtig Fuß zu fassen. Denn das einstige Juwel der Akademie des FC Arsenal kam bei Aufsteiger Deportivo A Coruna zwar zu 35 Einsätzen in der zweiten spanischen Liga in den letzten zwei Jahren, wurde aber meist nur eingewechselt. Ein Tor gelang dem 1,82 Meter großen Ballkünstler nicht, eine Torvorlage auch nicht.
Patino überzeugt im Mittelfeld – Rösler lobt Debüt und Potenzial
Am letzten Transfertag lieh Bochum den Sechser und Achter vom spanischen Erstliga-Aufsteiger aus für diese Saison, sicherte sich auch eine Kaufoption. In Hannover gab er beim 1:2 sein Debüt, gleich in der Startelf. „Ich gewöhne mich natürlich noch an die deutsche Liga und möchte wieder dahin zurückfinden, Fußball zu genießen – auf den Platz zu gehen und wirklich zu denken: Es ist ein Privileg, hier zu sein. Denn es waren ein paar schwierige Saisons. Als ich vor zwei Wochen in Hannover spielte, war das wirklich etwas Besonderes“, sagt Patino und ein kaum wahrnehmbares Lächeln huscht über sein Gesicht. „Ich habe das Gefühl, dass wir vom Potenzial eine wirklich gute Mannschaft haben.“
Patino spielte in Hannover mit dem starken 18-jährigen Tom Meyer im Zentrum, ließ sich oft fallen, baute das Spiel auf, kam allerdings nicht in die gefährlichen Bereiche. Die Harmonie habe gestimmt, die Mannschaft eine gute Leistung gezeigt, nur das Ergebnis passte nicht, meint Patino. „Tom und Charlie haben es sehr ordentlich gemacht. Charlie hat direkt Verantwortung übernommen. Er ist auf dem richtigen Weg, er passt sich immer besser an“, lobte auch Trainer Uwe Rösler zu Wochenbeginn im Gespräch mit dieser Redaktion. „Am Ball kann er Dinge sofort umsetzen. Bei der Intensität und der Dynamik kann er noch spritziger werden. Über allem steht: Er hat das im ersten Spiel wirklich sehr ordentlich gemacht. Er ist für uns jetzt eine echte Alternative. Als Spielmacher macht es Charlie auch im Aufbau super.“
Zentrale Mittelfeldfrage in Bochum: Rösler hat viele Alternativen mit verschiedenen Typen
Denkbar, dass Patino beim Heimspiel gegen Bielefeld am 11. Oktober (13.30 Uhr) die eher defensive Rolle einnehmt und die groß gewachsenen, torgefährlicheren Meyer oder Mats Pannewig den offensiveren Part übernehmen. Denkbar auch, dass Meyer und Pannewig starten und Patino nur die Joker-Rolle bleibt. Kehrt im Herbst auch Enis Cokaj, ein klassischer Abräumer vor der Abwehr, zurück nach seiner Verletzung, hat Rösler eine stattliche Auswahl an zentralen Mittelfeldspielern mit Startelf-Potenzial - und an verschiedenen Spielertypen.
Rösler war auch ein Grund, warum Patino beim VfL landete, der ihn schon lange auf dem Zettel hatte. „Ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer und mit dem Verein. Er kannte mich noch aus meiner Zeit in der Championship. Er ist eine Legende bei Manchester City“, sagt Patino. „Ich komme jeden Tag ins Training und versuche, mich in jedem Bereich zu verbessern. Mit der Unterstützung des Trainers und seines Staffs bin ich hier an einem guten Ort dafür.“
Patino muss sich an körperbetonten Fußball in Deutschland gewöhnen
Zulegen kann und muss er ja noch, meint er selbst. „Zwischen Spanien und Deutschland gibt es schon einen großen Unterschied. Es ist hier viel körperbetonter, es gibt viel mehr Zweikämpfe. Damit hatte ich etwas mehr Erfahrung, als ich in der Championship gespielt habe, in Spanien war das weniger der Fall. Jetzt muss ich bereit sein für die Zweikämpfe und individuellen Duelle, sowohl im Spiel als auch im Training. Jede Einheit ist körperlich fordernd und hart, und das wird mich als Spieler weiterbringen.“ Dabei versteckt er auch seine Stärken nicht. Es ginge im Fußball „nicht nur darum, schnell und stark zu sein – es geht immer auch um ein gutes Spielverständnis und darum, clever zu sein“, so Patino, der auch läuferisch auf einem hohen Level unterwegs ist.
Ein Level, gepaart mit seiner Spielstärke und Technik, das ihn einst zu einem begehrten Nachwuchsmann machte in der Jugend von Arsenal, in die er bereits mit zwölf Jahren wechselte. Für manchen galt er als das größte Arsenal-Talent der letzten Jahre, er durchlief alle Nationalteams von England bis zur U21, ehe er in der zweiten englischen Liga spielte, nach Spanien wechselte und nun in der 2. Liga Deutschlands gelandet ist.
Patino hat mit Druck keine Probleme und sucht neue Herausforderung in Bochum
Solide, aber keine Bilderbuchkarriere. Lastete zu früh zu viel Druck auf dem jungen Patino? Nein, versichert er. „Ich mag Druck. Druck erzeugt Diamanten. Es gibt einfach bestimmte Faktoren, die ich nicht kontrollieren kann. Jeder Spieler träumt davon, in jedem Spiel zu spielen und in der Startelf zu stehen, aber manchmal sehen Trainer das anders, sie wollen andere Dinge.“ Bei Arsenal war er noch sehr jung, seine Leihen zu Championship-Klubs Blackpool und Swansea City hätten ihn persönlich weitergebracht.
In Spanien wollte er den nächsten Schritt meistern, der nicht ganz glückte. „Nicht bei jedem geht es gleichmäßig steil nach oben. Jeder hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Schritte. Ich bin jetzt hier und bereit für eine neue Herausforderung.“ Dabei ist der 22-Jährige, der mittlerweile eine Wohnung in Bochum bezogen hat, erstmals auf sich allein gestellt: In Spanien lebt ein Teil seiner Familie, dort verbrachte er auch ein paar Tage in der vergangenen trainingsfreien Woche. Und seine Eltern leben in London: „Sie vermisse ich, so auch meinen Hund. Aber meine Eltern unterstützen mich immer sehr“, sagt Patino. Zu jedem Deportivo-Heimspiel reiste sein Vater an, auch jetzt kommen seine Eltern alle paar Wochen nach Bochum.
Und hoffen, dass ihr Sohn spielt. Und siegt. Mit dem VfL schließlich hat er noch viel vor: Patino schwärmt von den Fans, vom Team, das eine gute Entwicklung zeige, aber zu wenig Punkte holte. Rang neun, das klingt durch, ist ihm deutlich zu wenig. Aber man habe eine Position, aus der man jetzt Druck machen wolle: „Es ist noch früh in der Saison. Wir haben noch viele Spiele vor uns und wollen versuchen, jedes Spiel zu gewinnen.“
Quelle: WAZ.de
Manchmal wirkt es im Training des VfL Bochum so, als ziehe Charlie Patino die Bälle förmlich an, um dann elegant aufzudrehen oder einen exakten Pass zu spielen. Von Unsicherheit auch unter Druck, von in der 2. Liga durchaus häufiger zu beobachtenden Stockfehlern keine Spur. Und irgendwie passt es zum Spielstil des Engländers mit spanischen Wurzeln, wie er sich in seinem ersten Interview rund vier Wochen nach seiner Ankunft beim VfL Bochum gibt. Ruhig spricht er, sicher, abwägend. Erstaunlich erwachsen wirkt er mit seinen 22 Jahren.
Und man spürt, dass der zentrale Mittelfeldmann alles geben will, wieder richtig Fuß zu fassen. Denn das einstige Juwel der Akademie des FC Arsenal kam bei Aufsteiger Deportivo A Coruna zwar zu 35 Einsätzen in der zweiten spanischen Liga in den letzten zwei Jahren, wurde aber meist nur eingewechselt. Ein Tor gelang dem 1,82 Meter großen Ballkünstler nicht, eine Torvorlage auch nicht.
Patino überzeugt im Mittelfeld – Rösler lobt Debüt und Potenzial
Am letzten Transfertag lieh Bochum den Sechser und Achter vom spanischen Erstliga-Aufsteiger aus für diese Saison, sicherte sich auch eine Kaufoption. In Hannover gab er beim 1:2 sein Debüt, gleich in der Startelf. „Ich gewöhne mich natürlich noch an die deutsche Liga und möchte wieder dahin zurückfinden, Fußball zu genießen – auf den Platz zu gehen und wirklich zu denken: Es ist ein Privileg, hier zu sein. Denn es waren ein paar schwierige Saisons. Als ich vor zwei Wochen in Hannover spielte, war das wirklich etwas Besonderes“, sagt Patino und ein kaum wahrnehmbares Lächeln huscht über sein Gesicht. „Ich habe das Gefühl, dass wir vom Potenzial eine wirklich gute Mannschaft haben.“
Patino spielte in Hannover mit dem starken 18-jährigen Tom Meyer im Zentrum, ließ sich oft fallen, baute das Spiel auf, kam allerdings nicht in die gefährlichen Bereiche. Die Harmonie habe gestimmt, die Mannschaft eine gute Leistung gezeigt, nur das Ergebnis passte nicht, meint Patino. „Tom und Charlie haben es sehr ordentlich gemacht. Charlie hat direkt Verantwortung übernommen. Er ist auf dem richtigen Weg, er passt sich immer besser an“, lobte auch Trainer Uwe Rösler zu Wochenbeginn im Gespräch mit dieser Redaktion. „Am Ball kann er Dinge sofort umsetzen. Bei der Intensität und der Dynamik kann er noch spritziger werden. Über allem steht: Er hat das im ersten Spiel wirklich sehr ordentlich gemacht. Er ist für uns jetzt eine echte Alternative. Als Spielmacher macht es Charlie auch im Aufbau super.“
Zentrale Mittelfeldfrage in Bochum: Rösler hat viele Alternativen mit verschiedenen Typen
Denkbar, dass Patino beim Heimspiel gegen Bielefeld am 11. Oktober (13.30 Uhr) die eher defensive Rolle einnehmt und die groß gewachsenen, torgefährlicheren Meyer oder Mats Pannewig den offensiveren Part übernehmen. Denkbar auch, dass Meyer und Pannewig starten und Patino nur die Joker-Rolle bleibt. Kehrt im Herbst auch Enis Cokaj, ein klassischer Abräumer vor der Abwehr, zurück nach seiner Verletzung, hat Rösler eine stattliche Auswahl an zentralen Mittelfeldspielern mit Startelf-Potenzial - und an verschiedenen Spielertypen.
Rösler war auch ein Grund, warum Patino beim VfL landete, der ihn schon lange auf dem Zettel hatte. „Ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer und mit dem Verein. Er kannte mich noch aus meiner Zeit in der Championship. Er ist eine Legende bei Manchester City“, sagt Patino. „Ich komme jeden Tag ins Training und versuche, mich in jedem Bereich zu verbessern. Mit der Unterstützung des Trainers und seines Staffs bin ich hier an einem guten Ort dafür.“
Patino muss sich an körperbetonten Fußball in Deutschland gewöhnen
Zulegen kann und muss er ja noch, meint er selbst. „Zwischen Spanien und Deutschland gibt es schon einen großen Unterschied. Es ist hier viel körperbetonter, es gibt viel mehr Zweikämpfe. Damit hatte ich etwas mehr Erfahrung, als ich in der Championship gespielt habe, in Spanien war das weniger der Fall. Jetzt muss ich bereit sein für die Zweikämpfe und individuellen Duelle, sowohl im Spiel als auch im Training. Jede Einheit ist körperlich fordernd und hart, und das wird mich als Spieler weiterbringen.“ Dabei versteckt er auch seine Stärken nicht. Es ginge im Fußball „nicht nur darum, schnell und stark zu sein – es geht immer auch um ein gutes Spielverständnis und darum, clever zu sein“, so Patino, der auch läuferisch auf einem hohen Level unterwegs ist.
Ein Level, gepaart mit seiner Spielstärke und Technik, das ihn einst zu einem begehrten Nachwuchsmann machte in der Jugend von Arsenal, in die er bereits mit zwölf Jahren wechselte. Für manchen galt er als das größte Arsenal-Talent der letzten Jahre, er durchlief alle Nationalteams von England bis zur U21, ehe er in der zweiten englischen Liga spielte, nach Spanien wechselte und nun in der 2. Liga Deutschlands gelandet ist.
Patino hat mit Druck keine Probleme und sucht neue Herausforderung in Bochum
Solide, aber keine Bilderbuchkarriere. Lastete zu früh zu viel Druck auf dem jungen Patino? Nein, versichert er. „Ich mag Druck. Druck erzeugt Diamanten. Es gibt einfach bestimmte Faktoren, die ich nicht kontrollieren kann. Jeder Spieler träumt davon, in jedem Spiel zu spielen und in der Startelf zu stehen, aber manchmal sehen Trainer das anders, sie wollen andere Dinge.“ Bei Arsenal war er noch sehr jung, seine Leihen zu Championship-Klubs Blackpool und Swansea City hätten ihn persönlich weitergebracht.
In Spanien wollte er den nächsten Schritt meistern, der nicht ganz glückte. „Nicht bei jedem geht es gleichmäßig steil nach oben. Jeder hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Schritte. Ich bin jetzt hier und bereit für eine neue Herausforderung.“ Dabei ist der 22-Jährige, der mittlerweile eine Wohnung in Bochum bezogen hat, erstmals auf sich allein gestellt: In Spanien lebt ein Teil seiner Familie, dort verbrachte er auch ein paar Tage in der vergangenen trainingsfreien Woche. Und seine Eltern leben in London: „Sie vermisse ich, so auch meinen Hund. Aber meine Eltern unterstützen mich immer sehr“, sagt Patino. Zu jedem Deportivo-Heimspiel reiste sein Vater an, auch jetzt kommen seine Eltern alle paar Wochen nach Bochum.
Und hoffen, dass ihr Sohn spielt. Und siegt. Mit dem VfL schließlich hat er noch viel vor: Patino schwärmt von den Fans, vom Team, das eine gute Entwicklung zeige, aber zu wenig Punkte holte. Rang neun, das klingt durch, ist ihm deutlich zu wenig. Aber man habe eine Position, aus der man jetzt Druck machen wolle: „Es ist noch früh in der Saison. Wir haben noch viele Spiele vor uns und wollen versuchen, jedes Spiel zu gewinnen.“
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."