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Warum der VfL Bochum so selten ins Tor trifft
#1
Unser Kolumnist Michael Eckardt macht die Torflaute des VfL Bochum nicht nur am Angriff um Hofmann fest. Vor allem zwei Werte sind nicht bundesligatauglich. 

Jetzt muss der VfL Bochum mal wieder alles, was er hat, in die Waagschale werfen und dazu gute Nerven und einmal mehr seine herausragende Mentalität beweisen. Die 0:1-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim darf nicht zum Stimmungskiller werden vor dem schwierigen Viererpack gegen Bayern München, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart. Was der VfL neben der inzwischen Bundesliga-reifen Kompaktheit und Intensität aber auch ganz dringend benötigt, um in den kommenden Monaten nicht unterzugehen, sind erfolgreiche Torabschlüsse. 

Fünfmal haben die Bochumer in der laufenden Saison bislang mit 0:1 verloren, alle diese 50:50-Spiele, auch das zu Saisonbeginn in Leipzig, hätte man ebenso gut gewinnen können. Aber ein Fehler hinten und Fehlversuche vorne genügten stets, um als Verlierer vom Platz zu gehen. Warum nur fällt es den Schützlingen von Trainer Dieter Hecking so schwer, den Ball über des Gegners Torlinie zu bugsieren? 

Punkt eins: Der Angriff um Malocher Hofmann
Der erste Gedanke dazu hat natürlich mit den beteiligten Stürmern zu tun. Philipp Hofmann ist wichtig als Malocher und Zielspieler, aber ein Goalgetter aus dem Katalog wird er in diesem Leben vermutlich nicht mehr. Gegen Hoffenheim hatte Hofmann sogar, was nicht so häufig vorkommt, vier, fünf Abschlussmöglichkeiten im Strafraum des Gegners.

Einmal, in der zweiten Halbzeit, war er bereits um den formidablen TSG-Innenverteidiger Östigard herum, scheute sich aber mit rechts abzuschließen. Chance perdu. Auch die Riesenmöglichkeit mit dem Kopf, als er sich praktisch die Ecke aussuchen konnte, aber nur Akpogumas angelegten Arm traf, passt in die Kategorie: Muss man als Mittelstürmer eigentlich machen. Und in der Anfangsphase ging er nicht konsequent zum frei bespielbaren Ball vor TSG-Torhüter Baumann. 23:12 aus Sicht der Gastgeber lautete am Ende das Flankenverhältnis gegen Hoffenheim, heraus sprang dabei nichts. Das lag sicher nicht nur an Hofmann, aber auch an ihm. 

Ein Flügelstürmer der Holtmann-Kategorie fehlt
Dass der bewegliche und ballsichere Georgios Masouras diesmal nicht so zum Zuge kam wie gegen den extrem luftig verteidigenden BVB, lag auch an der konzentrierten Hoffenheimer Defensive. Man hätte sich deshalb nicht nur in diesem Spiel nach einiger Zeit eine zündende Alternative gewünscht, aber die gab es nicht, weil Myron Boadu, was man bei seiner Verpflichtung wusste, sehr verletzungsanfällig ist, und weil man es im Sommer unter anderem versäumt hat, einen ähnlich schnellen und verlässlichen Flügelspieler wie Gerrit Holtmann zu verpflichten.

Auch Holtmann, der unter Dieter Hecking eine imposante Entwicklung hin zu einem respektablen Schienenspieler genommen hat, ist leider verletzungsanfällig. Fehlt er, dann fehlt dem VfL eine gehörige Portion Tiefgang. Und damit wird zügiges Umschaltspiel sehr schwierig, alles dauert ein wenig länger. Das hat man auch gegen Hoffenheim deutlich gesehen. 

Punkt 2: VfL hat noch keinen einzigen Distanzschuss versenkt
Zu allem Überfluss gibt es in den Reihen der Bochumer offensichtlich niemanden, der es vermag, den Ball mal aus 16, 18 oder 20 Metern ins Tornetz zu befördern, nicht einmal mit der Hilfe eines gegnerischen Beines. Gemünzt ist das auf alle Spieler, in erster Linie aber auf die Mittelfeldakteure.

Zwar hat sich zum Beispiel Matus Bero als Torschütze im Vergleich zur Vorsaison statistisch etwas verbessert, gute Chancen lässt er aber nach wie vor regelmäßig liegen. Null steht gar in der Statistik, schaut man darauf, wie viele Tore der VfL von außerhalb des Strafraumes erzielt hat. Ein Unding für einen Erstligisten. 

Punkt drei: Abwehrspieler treffen (auch) nach Standards nicht
Dritter Punkt: die Defensive in der Offensive. In der vergangenen Spielzeit erzielten die von „Torjäger“ und Innenverteidiger Keven Schlotterbeck angeführten Abwehrspieler, inklusive Felix Passlack und Maximilian Wittek, sage und schreibe zwölf Treffer. Derzeit, zehn Spieltage vor dem Saisonschluss, also nach gut zwei Dritteln der Spielzeit, steht in dieser Statistik eine erbarmungswürdige Zahl, nämlich eine Eins: Lediglich Erhan Masovic hat in Wolfsburg nach einer Ecke getroffen. Damit ist gleichzeitig auch schon viel über die anhaltende Erfolglosigkeit nach Standardsituationen gesagt. 

Die Prognose ist nicht allzu schwer: Schaffen es die Bochumer in den kommenden Monaten nicht, ihre Möglichkeiten in der Offensive besser zu nutzen, dann wird es für den Klassenerhalt nicht reichen. Voraussetzung für mehr Torjubel dürfte sein, dass Dieter Hecking über genügend fitte Alternativen auf der Bank wie für die Startelf verfügt. Nur mit den schnellen und beweglichen Holtmann, Boadu und Masouras wird sich der VfL die nötigen Tormöglichkeiten, Ecken und Freistöße erspielen können. Dass der Ball am Ende oft genug den Weg ins gegnerische Gehäuse findet, bleibt indes die Aufgabe aller. Und da ist jede Menge Luft nach oben. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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