03-12-2025, 09:47 AM
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03-12-2025, 09:54 AM von Herr Bert.)
Als Anthony Losilla 2014 nach Bochum kam, dachte der Franzose, er bleibt vielleicht zwei Jahre. Das begründet er zum einen mit seiner eigenen Vita, lag aber auch an der Perspektive, die dem VfL damals zugeschrieben werden konnte. Es kam ganz anders. Heute gehört der bald 39 Jahre alte Profi zu den vereinstreuesten Spielern aller Bundesliga-Teams und zu den meisteingesetzten Bochumern überhaupt, wenn auch sein nunmehr elftes Jahr beim Revierklub aller Voraussicht nach sein letztes bleiben wird.
Dass es irgendwann elf Jahre in Bochum sein würden, hätte Losilla schon „rein rechnerisch“ nicht gedacht, wie er gegenüber Transfermarkt betont: „Ich hatte in meiner Karriere bis dahin immer Zweierschritte gehabt.“ Der spätere VfL-Kapitän verließ seinen Ausbildungsklub Saint-Étienne nach zwei Jahren in der Reserve, war zwei Saisons beim Drittligisten Cannes, zwei Jahre beim damals ebenfalls drittklassigen Paris FC, dann zwei Spielzeiten in der französischen zweiten Liga bei Stade Laval und wieder zwei Jahre in der deutschen zweiten Liga bei Dynamo Dresden. 2014 folgte der Wechsel zum VfL – zunächst mit einem Zweijahresvertrag.
„Als ich meine Koffer in Bochum abstellte, war es eher ein Verein aus der unteren als aus der oberen Tabellenhälfte in der zweiten Liga, trotz seiner Bundesliga-Vergangenheit. Aber nach zwei Jahren, in denen die Mannschaft neu aufgebaut wurde, fingen wir an, im Mittelfeld der Tabelle zu spielen. Man sah, dass es die Möglichkeit gab, höhere Ziele zu erreichen“, erklärt Losilla, warum er seinen Zweijahresrhythmus durchbrach. „Und als ich dann Mitte 30 war, wollte ich schon deswegen bleiben, um mir eine Stabilität zu bewahren. Dann sind wir in die Bundesliga aufgestiegen.“
Losilla stolz auf langen VfL-Verbleib: „Vereine wie meiner werden zu Sprungbrettern“
Zehn Jahre und acht Monate ist es nun her, dass Losilla in Bochum aufschlug – bei den aktuellen Bundesliga-Klubs gibt es nur neun Profis, die noch länger bei ihrem Verein sind. Darunter Spieler, deren Vereine ebenfalls lange eher zu den Außenseitern zählten wie der Mainzer Stefan Bell (33) oder die Freiburger Christian Günter (32) und Nicolas Höfler (34) ebenso wie die Münchner Ikonen Thomas Müller (35) und Manuel Neuer (38). Dass es Losilla gelungen ist, beim VfL solche Sphären zu erreichen, macht ihn obendrein stolz. „Heute kann man sich leicht aus einem Vertrag herauskaufen“, sagt er. „Manche Vereine wie meiner werden zu Sprungbrettern. Nur wenige Spieler bleiben dort. Sie wollen sich zeigen und gehen dann weiter zu besseren Vereinen. Für Spieler wie Thomas Müller oder Manuel Neuer ist das wiederum anders; sie sind bereits in einem der größten Vereine der Welt, also gibt es für sie keinen Grund zu wechseln. Es ist schwierig, eine lange Karriere in ein und demselben Verein zu haben.“
Mit mindestens 10 Jahren Zugehörigkeit: Vereinstreueste Bundesliga-Spieler
In Bochum erkennt sich Losilla aber auch abseits des Sportlichen wieder: „Es ist eine Bergbaustadt, genau wie Saint-Étienne. Die Menschen sind offen und umgänglich. Hier habe ich die Werte der Großzügigkeit und der Arbeit wiedergefunden, mit denen ich aufgewachsen bin und in denen ich mich wohlfühle. Das sind Werte, die mir viel bedeuten. Deshalb hat es mir hier sofort gefallen und ich konnte mich hier leicht anpassen und meinen derzeitigen Status aufbauen.“
Die Identifikation kann als Schlüssel gesehen werden, der Losilla von einem Abschied aus Bochum abhielt. Dass er in der Vergangenheit daran dachte, räumt er ein, vergegenwärtigte sich dann aber seine Lage beim Revierklub: „Ich habe einen Status, eine Stabilität, ich fühle mich hier wohl und meine Familie auch. Warum sollte ich also wechseln? Es gab Momente, in denen ich dachte, warum nicht woanders hingehen? Vor allem, als es schwieriger war und wir in der zweiten Liga am unteren Ende der Tabelle spielten. Als sich diese Fragen aber wirklich hätten stellen können, sind wir in die Bundesliga aufgestiegen. Und danach hat der Wunsch, in Deutschland auf höchstem Niveau zu bleiben, dazu geführt, dass ich meine Karriere bis zum heutigen Tag verlängert habe. Dann wurde ich Kapitän, was ein wichtiger Faktor für mich ist.“
Karriereende: Losilla spricht mit Bochum über andere Funktion
Wie lange Losilla seine Karriere nach dieser Saison noch weiterführen will, scheint sich nach derzeitigem Stand abzuzeichnen. „Ich habe immer gesagt, dass ich darüber nachdenken würde, aufzuhören, sobald ich weniger spiele. Und das ist in den letzten Monaten logischerweise auch aufgrund meines Alters der Fall“, konstatiert Losilla, der seit Jahresbeginn nur zwei Startelfeinsätze verbuchte. Am 10. März wird er 39 Jahre alt.
„Die letzten Jahre waren sehr intensiv für mich. Nicht nur als Spieler, sondern auch als Kapitän“, erklärt Losilla. „Der Verein hat viel von mir erwartet und ich habe es gerne erfüllt, aber es hat mir auch viel Energie abverlangt. Daher werde ich meine Karriere höchstwahrscheinlich am Ende der Saison beenden. Danach kann man nie wissen, denn ich bin jemand, der Herausforderungen liebt und Bochum hat mir eine offene Tür gelassen. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns dem Ende nähern. Wir führen hier schon seit einigen Jahren Gespräche über eine Umschulung. Sie wollen, dass ich im Verein bleibe. Ich habe also eine ganze Reihe von Optionen, die sich mir bieten. Im Moment habe ich den Weg eines Trainers vor Augen.“
Mit seinem jetzigen Coach Dieter Hecking – seit Anfang November im Amt – geht es für den VfL abermals um den Klassenerhalt. Immerhin haben die Bochumer nach zuletzt besseren Resultaten wieder Hoffnung. Losilla sagt: „Hecking hat uns seine Erfahrung, eine neue Stabilität und ein neues Offensivspiel mitgebracht. Dadurch konnten wir in den letzten Wochen gute Ergebnisse erzielen und uns in der Tabelle zurückmelden, nachdem die Liga sehr schwierig begonnen hatte.“
Losilla über Abstiegskampf: Mehr Qualität im Kader als St. Pauli
Der Winter-Transfermarkt sei „turbulent“ gewesen, habe trotz vieler Veränderungen im Verein aber dazu geführt, „dass wir uns in dieser Phase wiederfanden“. Losilla erklärt: „Wir haben es geschafft, uns aus dieser Phase herauszuziehen und sehr gute Ergebnisse zu erzielen, insbesondere mit einem Sieg gegen Dortmund. Wir haben sehr gute Spiele gemacht, in denen wir Punkte gesammelt haben und nach und nach zu den anderen aufschließen konnten. Jetzt haben wir wieder eine Chance auf den Klassenerhalt.“
Im Vergleich zur Abstiegskonkurrenz, die aktuell vorrangig aus den schlechter platzierten Holstein Kiel und 1. FC Heidenheim sowie dem über den Bochumern rangierendem FC St. Pauli besteht, befinde sich der VfL „in einem positiveren Aufwind als die anderen.“ Nach Kaderwert liegen die Bochumer auf dem 16. Rang der Liga vor Kiel und knapp vor St. Pauli. Losilla ist aber sicher: „Die Qualität des Kaders ist höher als die der zwei oder drei Mannschaften, die uns umgeben, selbst die, die vor uns steht. Für uns ist es immer ein Ziel, diesen Platz zu holen, der uns direkt retten würde. St. Pauli hat nicht viele Punkte mehr (4, d. Red.). Ich denke, dass wir mehr Qualität haben. Wir haben wieder eine Stabilität, die es uns ermöglicht, uns besser zu präsentieren. Das wird am Ende die Entscheidung bringen und uns den Klassenerhalt ermöglichen.“
Quelle: Transfermarkt.de
Dass es irgendwann elf Jahre in Bochum sein würden, hätte Losilla schon „rein rechnerisch“ nicht gedacht, wie er gegenüber Transfermarkt betont: „Ich hatte in meiner Karriere bis dahin immer Zweierschritte gehabt.“ Der spätere VfL-Kapitän verließ seinen Ausbildungsklub Saint-Étienne nach zwei Jahren in der Reserve, war zwei Saisons beim Drittligisten Cannes, zwei Jahre beim damals ebenfalls drittklassigen Paris FC, dann zwei Spielzeiten in der französischen zweiten Liga bei Stade Laval und wieder zwei Jahre in der deutschen zweiten Liga bei Dynamo Dresden. 2014 folgte der Wechsel zum VfL – zunächst mit einem Zweijahresvertrag.
„Als ich meine Koffer in Bochum abstellte, war es eher ein Verein aus der unteren als aus der oberen Tabellenhälfte in der zweiten Liga, trotz seiner Bundesliga-Vergangenheit. Aber nach zwei Jahren, in denen die Mannschaft neu aufgebaut wurde, fingen wir an, im Mittelfeld der Tabelle zu spielen. Man sah, dass es die Möglichkeit gab, höhere Ziele zu erreichen“, erklärt Losilla, warum er seinen Zweijahresrhythmus durchbrach. „Und als ich dann Mitte 30 war, wollte ich schon deswegen bleiben, um mir eine Stabilität zu bewahren. Dann sind wir in die Bundesliga aufgestiegen.“
Losilla stolz auf langen VfL-Verbleib: „Vereine wie meiner werden zu Sprungbrettern“
Zehn Jahre und acht Monate ist es nun her, dass Losilla in Bochum aufschlug – bei den aktuellen Bundesliga-Klubs gibt es nur neun Profis, die noch länger bei ihrem Verein sind. Darunter Spieler, deren Vereine ebenfalls lange eher zu den Außenseitern zählten wie der Mainzer Stefan Bell (33) oder die Freiburger Christian Günter (32) und Nicolas Höfler (34) ebenso wie die Münchner Ikonen Thomas Müller (35) und Manuel Neuer (38). Dass es Losilla gelungen ist, beim VfL solche Sphären zu erreichen, macht ihn obendrein stolz. „Heute kann man sich leicht aus einem Vertrag herauskaufen“, sagt er. „Manche Vereine wie meiner werden zu Sprungbrettern. Nur wenige Spieler bleiben dort. Sie wollen sich zeigen und gehen dann weiter zu besseren Vereinen. Für Spieler wie Thomas Müller oder Manuel Neuer ist das wiederum anders; sie sind bereits in einem der größten Vereine der Welt, also gibt es für sie keinen Grund zu wechseln. Es ist schwierig, eine lange Karriere in ein und demselben Verein zu haben.“
Mit mindestens 10 Jahren Zugehörigkeit: Vereinstreueste Bundesliga-Spieler
In Bochum erkennt sich Losilla aber auch abseits des Sportlichen wieder: „Es ist eine Bergbaustadt, genau wie Saint-Étienne. Die Menschen sind offen und umgänglich. Hier habe ich die Werte der Großzügigkeit und der Arbeit wiedergefunden, mit denen ich aufgewachsen bin und in denen ich mich wohlfühle. Das sind Werte, die mir viel bedeuten. Deshalb hat es mir hier sofort gefallen und ich konnte mich hier leicht anpassen und meinen derzeitigen Status aufbauen.“
Die Identifikation kann als Schlüssel gesehen werden, der Losilla von einem Abschied aus Bochum abhielt. Dass er in der Vergangenheit daran dachte, räumt er ein, vergegenwärtigte sich dann aber seine Lage beim Revierklub: „Ich habe einen Status, eine Stabilität, ich fühle mich hier wohl und meine Familie auch. Warum sollte ich also wechseln? Es gab Momente, in denen ich dachte, warum nicht woanders hingehen? Vor allem, als es schwieriger war und wir in der zweiten Liga am unteren Ende der Tabelle spielten. Als sich diese Fragen aber wirklich hätten stellen können, sind wir in die Bundesliga aufgestiegen. Und danach hat der Wunsch, in Deutschland auf höchstem Niveau zu bleiben, dazu geführt, dass ich meine Karriere bis zum heutigen Tag verlängert habe. Dann wurde ich Kapitän, was ein wichtiger Faktor für mich ist.“
Karriereende: Losilla spricht mit Bochum über andere Funktion
Wie lange Losilla seine Karriere nach dieser Saison noch weiterführen will, scheint sich nach derzeitigem Stand abzuzeichnen. „Ich habe immer gesagt, dass ich darüber nachdenken würde, aufzuhören, sobald ich weniger spiele. Und das ist in den letzten Monaten logischerweise auch aufgrund meines Alters der Fall“, konstatiert Losilla, der seit Jahresbeginn nur zwei Startelfeinsätze verbuchte. Am 10. März wird er 39 Jahre alt.
„Die letzten Jahre waren sehr intensiv für mich. Nicht nur als Spieler, sondern auch als Kapitän“, erklärt Losilla. „Der Verein hat viel von mir erwartet und ich habe es gerne erfüllt, aber es hat mir auch viel Energie abverlangt. Daher werde ich meine Karriere höchstwahrscheinlich am Ende der Saison beenden. Danach kann man nie wissen, denn ich bin jemand, der Herausforderungen liebt und Bochum hat mir eine offene Tür gelassen. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns dem Ende nähern. Wir führen hier schon seit einigen Jahren Gespräche über eine Umschulung. Sie wollen, dass ich im Verein bleibe. Ich habe also eine ganze Reihe von Optionen, die sich mir bieten. Im Moment habe ich den Weg eines Trainers vor Augen.“
Mit seinem jetzigen Coach Dieter Hecking – seit Anfang November im Amt – geht es für den VfL abermals um den Klassenerhalt. Immerhin haben die Bochumer nach zuletzt besseren Resultaten wieder Hoffnung. Losilla sagt: „Hecking hat uns seine Erfahrung, eine neue Stabilität und ein neues Offensivspiel mitgebracht. Dadurch konnten wir in den letzten Wochen gute Ergebnisse erzielen und uns in der Tabelle zurückmelden, nachdem die Liga sehr schwierig begonnen hatte.“
Losilla über Abstiegskampf: Mehr Qualität im Kader als St. Pauli
Der Winter-Transfermarkt sei „turbulent“ gewesen, habe trotz vieler Veränderungen im Verein aber dazu geführt, „dass wir uns in dieser Phase wiederfanden“. Losilla erklärt: „Wir haben es geschafft, uns aus dieser Phase herauszuziehen und sehr gute Ergebnisse zu erzielen, insbesondere mit einem Sieg gegen Dortmund. Wir haben sehr gute Spiele gemacht, in denen wir Punkte gesammelt haben und nach und nach zu den anderen aufschließen konnten. Jetzt haben wir wieder eine Chance auf den Klassenerhalt.“
Im Vergleich zur Abstiegskonkurrenz, die aktuell vorrangig aus den schlechter platzierten Holstein Kiel und 1. FC Heidenheim sowie dem über den Bochumern rangierendem FC St. Pauli besteht, befinde sich der VfL „in einem positiveren Aufwind als die anderen.“ Nach Kaderwert liegen die Bochumer auf dem 16. Rang der Liga vor Kiel und knapp vor St. Pauli. Losilla ist aber sicher: „Die Qualität des Kaders ist höher als die der zwei oder drei Mannschaften, die uns umgeben, selbst die, die vor uns steht. Für uns ist es immer ein Ziel, diesen Platz zu holen, der uns direkt retten würde. St. Pauli hat nicht viele Punkte mehr (4, d. Red.). Ich denke, dass wir mehr Qualität haben. Wir haben wieder eine Stabilität, die es uns ermöglicht, uns besser zu präsentieren. Das wird am Ende die Entscheidung bringen und uns den Klassenerhalt ermöglichen.“
Quelle: Transfermarkt.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."