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Ilja Känzig im Interview
#1
Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig äußert sich im Interview über die Bedeutung des Sieges bei den Bayern und warum sich Spielerberater keine Sorgen machen müssen. 

VfL Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig (51) ist seit Monaten an allen Vereinsfronten unterwegs. Der Lizenzierungsantrag für die Bundesliga und die 2. Bundesliga ist fertig, ein neuer Sportchef wird weiterhin gesucht. Die Planung für die kommende Saison läuft, Trainer Dieter Hecking soll bleiben, der Klub steckt im Abstiegskampf, und das Team sorgte nun für großes Aufsehen: mit dem 3:2-Sieg bei den Bayern.

Am Sonntag kommt Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr/DAZN) ins ausverkaufte Ruhrstadion. Zwischendurch nahm sich der Schweizer, der seit sieben Jahren beim VfL den Takt vorgibt, Zeit für ein Interview. Im ersten Teil geht es um Fluch und Segen von Bayern-Siegen, die Zukunft von Dieter Hecking beim VfL Bochum und worauf es bei der Suche nach einem neuen Sportchef ankommt. Teil zwei erscheint am Samstagmorgen. 

Ilja Kaenzig: „Wir müssen die Bleischuhe anbehalten“

3:2 beim FC Bayern, ein historischer Sieg. Haben Sie es geschafft, alle Glückwunsch-Nachrichten zu beantworten?
Ilja Kaenzig: Ich habe am nächsten Morgen direkt damit angefangen. Es macht einen stolz und glücklich, bei so einem Moment dabei gewesen zu sein. Als Nicht-Bochumer habe ich ja die Geschichten von den großen Spielen von vor 20, 30 Jahren immer wieder erzählt bekommen. Jetzt haben wir ein weiteres Spiel, über das man in 20, 30 Jahren den Jüngeren noch berichten kann. Vom Gefühl her ist der Sieg noch höher zu bewerten als unsere Heimsiege gegen die Bayern (4:2 im Februar 2022, 3:2 im Februar 2024, die Red.). Es ist schon ein Ereignis, wenn Bayern in München bezwungen wird.

Es sind noch neun Spiele, Bochum ist Sechzehnter. Was bewirkt der Erfolg für den Abstiegskampf?
Der letzte Sieg gegen Bayern hat nichts Gutes gebracht, sondern uns komplett entgleisen lassen. Danach haben wir acht Spiele in Folge nicht gewonnen. Gegen die Bayern haben wir heroisch gespielt, in Mönchengladbach dann desaströs (2:5, die Red.). Aber der Sieg jetzt kann auch viel bewegen. Die Mannschaft hat gesehen, dass sie zu allem fähig ist, wenn sie so solidarisch und konzentriert spielt. Unsere Fans schließen die Reihen noch mehr, stehen noch geschlossener hinter uns. Solche Momente geben dem Team Kredit. Aber die Realität ist ja auch: Nach dem Hoffenheim-Spiel (0:1, die Red.) nur eine Woche zuvor haben mich viele angesprochen, dass das der Abstieg gewesen sei. Für uns heißt das: Wir müssen die Bleischuhe anbehalten, demütig bleiben.

Klassenerhalt wäre ein Wunder für den VfL Bochum - aber „Fehlstart haben wir selbst verbockt“

Manche sagen: Wer in München gewinnt, kann doch nicht absteigen.
Das habe ich auch öfter gehört. Es muss aber heißen: Wer so SPIELT wie in München, der kann nicht absteigen. Das vergessen viele: Man muss diese Leistung ständig wiederholen. Der Erfolg war ein Etappensieg, aber die Konkurrenten punkten auch.

Wäre der vierte Klassenerhalt in Folge ein Wunder?
Demut ist angebracht. Wir haben Fehler gemacht, die Fehler so gut es geht korrigiert, hoffentlich noch rechtzeitig. Es wäre ein Wunder, wenn man nach zwei Punkten aus den ersten 13 Spielen noch drinbleibt. Das würden wir feiern, aber nicht in die Geschichtsbücher schreiben. Den Fehlstart haben wir selbst verbockt. 

Warum gibt es nicht den „Bayern-Fluch“, den Einbruch wie in der Vorsaison?
Eine Garantie können wir leider nicht geben, sonst würden wir nicht auf Platz 16 stehen. Man kann nur alles versuchen, das zu verhindern. Das passiert vor dem Spiel, nicht erst am Spieltag, das wäre zu spät. Unser Trainer Dieter Hecking vermittelt diese Mentalität sehr gut.

Kaenzigs Rechnung für die Rettung: Hecking-Schnitt halten

Dann gibt es gegen Frankfurt den nächsten Sieg …
Natürlich wollen wir gegen die Eintracht gewinnen. Aber ein Punkt gegen Frankfurt wäre auch gut. Jeder Punkt hilft uns. Wir dürfen jetzt nicht im Vorfeld zu gierig werden. Vor dem Viererpack mit den Spielen gegen Bayern, Frankfurt, Leverkusen und Stuttgart haben doch alle gesagt: Das setzt vier Niederlagen. Entscheidend ist, regelmäßig zu punkten. Wir haben noch neun Spiele. Den Dieter-Hecking-Schnitt von 1,19 Punkten müssen wir auf jeden Fall halten, dann würden wir bei 31 Punkten einlaufen. Das könnte zumindest für Rang 16 reichen. 

Sie haben Dieter Hecking vom VfL überzeugt, als der VfL mit einem Punkt aus neun Spielen Schlusslicht war, Punkteschnitt 0,11. Wie hat er es geschafft, dass jetzt sogar Rang 15 wieder in Reichweite ist?
Es ist eine hohe Kunst, die Essenz des Fußballs herauszuholen. Wir haben im Sommer gedacht, wir sind schon so schön und so groß, Fußball komplexer praktizieren zu können, auf dem Platz, neben dem Platz. Das war unser Fehler. Dieter Hecking hat den Fußball beim VfL Bochum wieder vereinfacht, was sehr schwierig ist. Das kommt bei den Fans an, bei den Spielern, und es bringt uns auch mehr Punkte. Unsere Vereinsstrategie muss weiter sein, die einfachen Dinge gut zu machen. Dahin sind wir wieder zurückgekehrt.

VfL Bochums Chef über Heckings Zukunft: Das Emotionale spielt wichtige Rolle

Sie haben bereits erklärt, dass Sie gerne den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Dieter Hecking vorzeitig verlängern wollen.
Und zwar ligaunabhängig. Er weiß, dass wir alles tun, um optimale Bedingungen für die sportliche Arbeit zu schaffen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das Emotionale spielt eine wichtige Rolle. Finanziell sind sehr viele Vereine vor uns in der Bundesliga. Beim Emotionalen nicht. Wir hoffen, dass er zusagt. Dafür werden wir alles Mögliche tun.

Seit Oktober ist der Posten eines Sportchefs beim VfL unbesetzt. Ein neuer Sportgeschäftsführer müsste dann in der täglichen Arbeit also vor allem mit Ihnen auf der Führungsebene und mit Hecking als Trainer klarkommen.
Wenn jemand von außen käme und komplett andere Ideen hätte als der Verein in seiner langfristigen Strategie, dann passt es nicht. Es muss jemand sein, der unabhängig von den Ligen Bock auf den VfL Bochum hat und die Realitäten akzeptiert.

Wie lang ist die Liste der Kandidaten für diesen Posten noch? Bis Ende März will das für die Bestellung des Geschäftsführers zuständige Präsidium den neuen Mann präsentieren.
Wir haben Listen abgearbeitet und sind in Gesprächen. Am Schluss muss das Präsidium den Richtigen auswählen und verpflichten.

Würde Jörg Schmadtke ins Profil passen?
Wir werden wie immer keinerlei Namen kommentieren oder Wasserstandsmeldungen abgeben

Planung für neue Saison: Kaenzig und Hecking sind die Ansprechpartner

Im Winter haben Sie mit Dieter Hecking den Sportchef-Job mit übernommen, haben mit Tom Krauß und Georgios Masouras den Kader verstärkt und durch Leihen und Vertragsauflösungen zugleich verschlankt. Auch die nächste Saison aber muss bereits in Angriff genommen werden. Wer kümmert sich aktuell darum?
Es muss sich keiner Sorgen machen, dass uns Berater oder Spieler nicht erreichen. Im Hintergrund passiert einiges, Dieter Hecking und ich sind ständig im Austausch, das kommunizieren wir nicht täglich an die Öffentlichkeit. Es gab bereits Gespräche, Kontakte und auch Treffen mit unseren aktuellen und mit möglichen neuen Spielern für die nächste Saison.

Im zweiten Teil des Interviews, das am Samstagmorgen (5 Uhr) auf waz.de/vfl erscheint, erklärt Kaenzig, warum Bochum zunächst mit weniger Einnahmen rechnet, ob es einen Umbruch im Kader gibt, Tim Oermann bleiben soll und wie wichtig der Aufstieg der U23 in die Regionalliga ist. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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#2
Ilja Kaenzig spricht über Ablösesummen, den künftigen Etat, Tim Oermann und wie wichtig der Aufstieg der U23 ist. 

Ilja Kaenzig (51) ist seit gut sieben Jahren Geschäftsführer des VfL Bochum, im Sommer stellt sich der Verein im sportlichen Bereich womöglich ziemlich neu auf. Ein Sportchef soll bald kommen, weitere Veränderungen sind geplant - wohl auch im Kader. Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Kaenzig auch über bisherige Probleme bei der Talente-Förderung und die Bedeutung der U23.

Zehn Verträge, inklusive der Leihspieler, laufen aus, zwölf Verträge laufen nur noch ein Jahr bis 2026. Droht im Sommer, ligaunabhängig, ein großer Umbruch – oder ist er sogar gewollt?
Ilja Kaenzig: Gewollt ist er nie. Aber man muss Dinge korrigieren. Für den Fall des Abstiegs hätten wir viele Spieler im Kader, die nicht für die 2. Liga zu uns gekommen sind. Bei einem Abstieg bräuchte es wohl einen Umbruch, weil man für das Ziel Aufstieg einen anderen Kader haben muss als für das Ziel Klassenerhalt in der Bundesliga. Das geht aber nicht nur uns so, sondern liegt in der Natur der Sache.

VfL Bochum plant zunächst geringere TV-Einnahmen ein

m Fall Klassenerhalt: Bliebe es auch vor der fünften Saison Bundesliga-Saison bei der Devise, dass neue Spieler ablösefrei sein sollten?
Fakt ist: Unsere Einnahmen sind erst einmal geringer. Die TV-Einnahmen sinken. Im alten Vertrag hatten wir die höchste Auszahlungs-Stufe erreicht. Die Gesamtsumme beim neuen TV-Vertrag ist zwar etwas höher, wird aber gleich verteilt über die fünf Jahre. Hinzu kommt, dass wir – im Fall des Klassenerhalts - einen Platz im TV-Ranking verlieren, wenn Köln als Meister der 2. Liga aufsteigen sollte. Es fließt also erstmal weniger Geld rein und mehr Geld ab.

Wie will der VfL dies umdrehen?
Wir machen bereits aus wenig Geld viel mehr als andere. Wir kommen unserem Ziel, mindestens 100 Millionen Euro plus umzusetzen, immer näher, weil wir kontinuierlich in allen Bereichen wachsen. Nach dieser Saison liegen wir bei über 90 Millionen Euro. Wenn wir die Liga halten, werden wir das Ziel bald erreichen. Aber für den großen Befreiungsschlag benötigen wir höhere Transfereinnahmen. Wenn uns das gelingt, können wir auch Ablösesummen für Spieler bezahlen.

Ilja Kaenzig über Tim Oermann: „Wollen gerne den Vertrag verlängern“

Zeichnen sich Transfererlöse ab? Verteidiger Tim Oermann (21, Vertrag bis 2026) oder Mittelfeldspieler Ibrahima Sissoko (26, Vertrag 2027) etwa könnten dafür sorgen…
Mit Tim Oermann wollen wir gerne den Vertrag verlängern, die Gespräche laufen. Ibrahima Sissoko wollen wir halten. Derzeit wäre viel Fantasie gefragt, um über Spielertransfers im Sommer zu spekulieren. Es geht um den Klassenerhalt, das ist das Entscheidende. 

Der Lizenzspieleretat blieb in dieser Saison auf Vorjahresniveau bei rund 41 Millionen Euro. Mit welchem Etat plant der VfL für die kommende Saison?
Unter gleichen Bedingungen planen wir in der Bundesliga mit dem gleichen Etat. Sollten wir aber weniger einnehmen, geht die Rechnung nicht auf. Dafür müssten wir erstmal den Transfererlös erzielen wie im Vorjahr (Patrick Osterhage wechselte für rund 4,8 Millionen Euro zum SC Freiburg, die Red.). Wenn wir mehr einnehmen, können wir den Etat auch erhöhen. Im Abstiegsfall würden uns viele Spieler verlassen. Ziel wäre es, einen Zweitliga-Spitzenetat zu stellen. Was aber in der 2. Liga nicht heißt, dass man automatisch um den Aufstieg mitspielt. Man muss das Geld sinnvoll ausgeben, die richtigen Spieler holen. Man sieht auch an der aktuellen Tabelle, dass nicht zwingend die Klubs oben stehen, die den höchsten Etat haben.

Kaenzig über Talente: Müssen reelle Perspektive bieten

Stichwort Kaderwertmanagement: Etliche U19-Talente wie U18-Nationalspieler Kacper Koscierski spielen eine starke Saison, auch die U21 liegt klar auf Aufstiegskurs in die Regionalliga.
Der wichtigste Punkt ist es, Platz zu schaffen im Kader, damit die Talente auch eine reelle Perspektive haben. Wir werden jetzt nicht zehn Talente unterbekommen im Abstiegs – oder Aufstiegskampf. Wir müssen für jeden eine realistische Story haben. Auch in dieser Hinsicht sind wir vor dieser Saison von unserem Weg abgekommen. Wir konnten unsere Versprechen doch gar nicht halten, dass alle auf viel Einsatzzeit kommen. Der Übergangsbereich ist bei uns zu kurz gekommen, hatte bisher noch nicht diese Bedeutung. Da verlieren wir aber Spieler und damit auch viele Millionen Euro, die wir vorher in der Ausbildung ausgeben. Das ist unbefriedigend. Den Übergangsbereich müssen wir grundlegend überholen, da müssen wir top sein. Ich hoffe, dass auch der neue Sportchef hier mit Nachdruck anpackt und viel Potenzial sieht.

Wie wichtig ist für diesen Übergangsbereich auch der Aufstieg der U21 in die Regionalliga?
Sehr wichtig. Die Regionalliga ist eine andere Hausnummer als die Oberliga. Dann können wir auch mal Spieler von unten nach oben anstatt von oben nach unten ziehen. Wir müssen für die U21 einen ausgewogenen Kader zusammenstellen mit Korsettstangen und Spielern, die eine Perspektive haben. Wir halten keine Mannschaft, nur um in der Regionalliga zu spielen. Sie muss auch Spieler zu Profis entwickeln und sie muss dafür entsprechend bestückt sein. In der jetzigen U19 ist der eine oder andere Spieler dabei, für den die Bundesliga oder 2. Liga vielleicht noch einen Tick zu früh kommt, die Oberliga aber nicht gut genug ist. Für diese Talente ist die Regionalliga eine gute Plattform, zumal die Mannschaft auch im Ruhrstadion spielen soll.

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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