03-15-2025, 09:36 AM
Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig äußert sich im Interview über die Bedeutung des Sieges bei den Bayern und warum sich Spielerberater keine Sorgen machen müssen.
VfL Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig (51) ist seit Monaten an allen Vereinsfronten unterwegs. Der Lizenzierungsantrag für die Bundesliga und die 2. Bundesliga ist fertig, ein neuer Sportchef wird weiterhin gesucht. Die Planung für die kommende Saison läuft, Trainer Dieter Hecking soll bleiben, der Klub steckt im Abstiegskampf, und das Team sorgte nun für großes Aufsehen: mit dem 3:2-Sieg bei den Bayern.
Am Sonntag kommt Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr/DAZN) ins ausverkaufte Ruhrstadion. Zwischendurch nahm sich der Schweizer, der seit sieben Jahren beim VfL den Takt vorgibt, Zeit für ein Interview. Im ersten Teil geht es um Fluch und Segen von Bayern-Siegen, die Zukunft von Dieter Hecking beim VfL Bochum und worauf es bei der Suche nach einem neuen Sportchef ankommt. Teil zwei erscheint am Samstagmorgen.
Ilja Kaenzig: „Wir müssen die Bleischuhe anbehalten“
3:2 beim FC Bayern, ein historischer Sieg. Haben Sie es geschafft, alle Glückwunsch-Nachrichten zu beantworten?
Ilja Kaenzig: Ich habe am nächsten Morgen direkt damit angefangen. Es macht einen stolz und glücklich, bei so einem Moment dabei gewesen zu sein. Als Nicht-Bochumer habe ich ja die Geschichten von den großen Spielen von vor 20, 30 Jahren immer wieder erzählt bekommen. Jetzt haben wir ein weiteres Spiel, über das man in 20, 30 Jahren den Jüngeren noch berichten kann. Vom Gefühl her ist der Sieg noch höher zu bewerten als unsere Heimsiege gegen die Bayern (4:2 im Februar 2022, 3:2 im Februar 2024, die Red.). Es ist schon ein Ereignis, wenn Bayern in München bezwungen wird.
Es sind noch neun Spiele, Bochum ist Sechzehnter. Was bewirkt der Erfolg für den Abstiegskampf?
Der letzte Sieg gegen Bayern hat nichts Gutes gebracht, sondern uns komplett entgleisen lassen. Danach haben wir acht Spiele in Folge nicht gewonnen. Gegen die Bayern haben wir heroisch gespielt, in Mönchengladbach dann desaströs (2:5, die Red.). Aber der Sieg jetzt kann auch viel bewegen. Die Mannschaft hat gesehen, dass sie zu allem fähig ist, wenn sie so solidarisch und konzentriert spielt. Unsere Fans schließen die Reihen noch mehr, stehen noch geschlossener hinter uns. Solche Momente geben dem Team Kredit. Aber die Realität ist ja auch: Nach dem Hoffenheim-Spiel (0:1, die Red.) nur eine Woche zuvor haben mich viele angesprochen, dass das der Abstieg gewesen sei. Für uns heißt das: Wir müssen die Bleischuhe anbehalten, demütig bleiben.
Klassenerhalt wäre ein Wunder für den VfL Bochum - aber „Fehlstart haben wir selbst verbockt“
Manche sagen: Wer in München gewinnt, kann doch nicht absteigen.
Das habe ich auch öfter gehört. Es muss aber heißen: Wer so SPIELT wie in München, der kann nicht absteigen. Das vergessen viele: Man muss diese Leistung ständig wiederholen. Der Erfolg war ein Etappensieg, aber die Konkurrenten punkten auch.
Wäre der vierte Klassenerhalt in Folge ein Wunder?
Demut ist angebracht. Wir haben Fehler gemacht, die Fehler so gut es geht korrigiert, hoffentlich noch rechtzeitig. Es wäre ein Wunder, wenn man nach zwei Punkten aus den ersten 13 Spielen noch drinbleibt. Das würden wir feiern, aber nicht in die Geschichtsbücher schreiben. Den Fehlstart haben wir selbst verbockt.
Warum gibt es nicht den „Bayern-Fluch“, den Einbruch wie in der Vorsaison?
Eine Garantie können wir leider nicht geben, sonst würden wir nicht auf Platz 16 stehen. Man kann nur alles versuchen, das zu verhindern. Das passiert vor dem Spiel, nicht erst am Spieltag, das wäre zu spät. Unser Trainer Dieter Hecking vermittelt diese Mentalität sehr gut.
Kaenzigs Rechnung für die Rettung: Hecking-Schnitt halten
Dann gibt es gegen Frankfurt den nächsten Sieg …
Natürlich wollen wir gegen die Eintracht gewinnen. Aber ein Punkt gegen Frankfurt wäre auch gut. Jeder Punkt hilft uns. Wir dürfen jetzt nicht im Vorfeld zu gierig werden. Vor dem Viererpack mit den Spielen gegen Bayern, Frankfurt, Leverkusen und Stuttgart haben doch alle gesagt: Das setzt vier Niederlagen. Entscheidend ist, regelmäßig zu punkten. Wir haben noch neun Spiele. Den Dieter-Hecking-Schnitt von 1,19 Punkten müssen wir auf jeden Fall halten, dann würden wir bei 31 Punkten einlaufen. Das könnte zumindest für Rang 16 reichen.
Sie haben Dieter Hecking vom VfL überzeugt, als der VfL mit einem Punkt aus neun Spielen Schlusslicht war, Punkteschnitt 0,11. Wie hat er es geschafft, dass jetzt sogar Rang 15 wieder in Reichweite ist?
Es ist eine hohe Kunst, die Essenz des Fußballs herauszuholen. Wir haben im Sommer gedacht, wir sind schon so schön und so groß, Fußball komplexer praktizieren zu können, auf dem Platz, neben dem Platz. Das war unser Fehler. Dieter Hecking hat den Fußball beim VfL Bochum wieder vereinfacht, was sehr schwierig ist. Das kommt bei den Fans an, bei den Spielern, und es bringt uns auch mehr Punkte. Unsere Vereinsstrategie muss weiter sein, die einfachen Dinge gut zu machen. Dahin sind wir wieder zurückgekehrt.
VfL Bochums Chef über Heckings Zukunft: Das Emotionale spielt wichtige Rolle
Sie haben bereits erklärt, dass Sie gerne den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Dieter Hecking vorzeitig verlängern wollen.
Und zwar ligaunabhängig. Er weiß, dass wir alles tun, um optimale Bedingungen für die sportliche Arbeit zu schaffen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das Emotionale spielt eine wichtige Rolle. Finanziell sind sehr viele Vereine vor uns in der Bundesliga. Beim Emotionalen nicht. Wir hoffen, dass er zusagt. Dafür werden wir alles Mögliche tun.
Seit Oktober ist der Posten eines Sportchefs beim VfL unbesetzt. Ein neuer Sportgeschäftsführer müsste dann in der täglichen Arbeit also vor allem mit Ihnen auf der Führungsebene und mit Hecking als Trainer klarkommen.
Wenn jemand von außen käme und komplett andere Ideen hätte als der Verein in seiner langfristigen Strategie, dann passt es nicht. Es muss jemand sein, der unabhängig von den Ligen Bock auf den VfL Bochum hat und die Realitäten akzeptiert.
Wie lang ist die Liste der Kandidaten für diesen Posten noch? Bis Ende März will das für die Bestellung des Geschäftsführers zuständige Präsidium den neuen Mann präsentieren.
Wir haben Listen abgearbeitet und sind in Gesprächen. Am Schluss muss das Präsidium den Richtigen auswählen und verpflichten.
Würde Jörg Schmadtke ins Profil passen?
Wir werden wie immer keinerlei Namen kommentieren oder Wasserstandsmeldungen abgeben.
Planung für neue Saison: Kaenzig und Hecking sind die Ansprechpartner
Im Winter haben Sie mit Dieter Hecking den Sportchef-Job mit übernommen, haben mit Tom Krauß und Georgios Masouras den Kader verstärkt und durch Leihen und Vertragsauflösungen zugleich verschlankt. Auch die nächste Saison aber muss bereits in Angriff genommen werden. Wer kümmert sich aktuell darum?
Es muss sich keiner Sorgen machen, dass uns Berater oder Spieler nicht erreichen. Im Hintergrund passiert einiges, Dieter Hecking und ich sind ständig im Austausch, das kommunizieren wir nicht täglich an die Öffentlichkeit. Es gab bereits Gespräche, Kontakte und auch Treffen mit unseren aktuellen und mit möglichen neuen Spielern für die nächste Saison.
Im zweiten Teil des Interviews, das am Samstagmorgen (5 Uhr) auf waz.de/vfl erscheint, erklärt Kaenzig, warum Bochum zunächst mit weniger Einnahmen rechnet, ob es einen Umbruch im Kader gibt, Tim Oermann bleiben soll und wie wichtig der Aufstieg der U23 in die Regionalliga ist.
Quelle: WAZ.de
VfL Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig (51) ist seit Monaten an allen Vereinsfronten unterwegs. Der Lizenzierungsantrag für die Bundesliga und die 2. Bundesliga ist fertig, ein neuer Sportchef wird weiterhin gesucht. Die Planung für die kommende Saison läuft, Trainer Dieter Hecking soll bleiben, der Klub steckt im Abstiegskampf, und das Team sorgte nun für großes Aufsehen: mit dem 3:2-Sieg bei den Bayern.
Am Sonntag kommt Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr/DAZN) ins ausverkaufte Ruhrstadion. Zwischendurch nahm sich der Schweizer, der seit sieben Jahren beim VfL den Takt vorgibt, Zeit für ein Interview. Im ersten Teil geht es um Fluch und Segen von Bayern-Siegen, die Zukunft von Dieter Hecking beim VfL Bochum und worauf es bei der Suche nach einem neuen Sportchef ankommt. Teil zwei erscheint am Samstagmorgen.
Ilja Kaenzig: „Wir müssen die Bleischuhe anbehalten“
3:2 beim FC Bayern, ein historischer Sieg. Haben Sie es geschafft, alle Glückwunsch-Nachrichten zu beantworten?
Ilja Kaenzig: Ich habe am nächsten Morgen direkt damit angefangen. Es macht einen stolz und glücklich, bei so einem Moment dabei gewesen zu sein. Als Nicht-Bochumer habe ich ja die Geschichten von den großen Spielen von vor 20, 30 Jahren immer wieder erzählt bekommen. Jetzt haben wir ein weiteres Spiel, über das man in 20, 30 Jahren den Jüngeren noch berichten kann. Vom Gefühl her ist der Sieg noch höher zu bewerten als unsere Heimsiege gegen die Bayern (4:2 im Februar 2022, 3:2 im Februar 2024, die Red.). Es ist schon ein Ereignis, wenn Bayern in München bezwungen wird.
Es sind noch neun Spiele, Bochum ist Sechzehnter. Was bewirkt der Erfolg für den Abstiegskampf?
Der letzte Sieg gegen Bayern hat nichts Gutes gebracht, sondern uns komplett entgleisen lassen. Danach haben wir acht Spiele in Folge nicht gewonnen. Gegen die Bayern haben wir heroisch gespielt, in Mönchengladbach dann desaströs (2:5, die Red.). Aber der Sieg jetzt kann auch viel bewegen. Die Mannschaft hat gesehen, dass sie zu allem fähig ist, wenn sie so solidarisch und konzentriert spielt. Unsere Fans schließen die Reihen noch mehr, stehen noch geschlossener hinter uns. Solche Momente geben dem Team Kredit. Aber die Realität ist ja auch: Nach dem Hoffenheim-Spiel (0:1, die Red.) nur eine Woche zuvor haben mich viele angesprochen, dass das der Abstieg gewesen sei. Für uns heißt das: Wir müssen die Bleischuhe anbehalten, demütig bleiben.
Klassenerhalt wäre ein Wunder für den VfL Bochum - aber „Fehlstart haben wir selbst verbockt“
Manche sagen: Wer in München gewinnt, kann doch nicht absteigen.
Das habe ich auch öfter gehört. Es muss aber heißen: Wer so SPIELT wie in München, der kann nicht absteigen. Das vergessen viele: Man muss diese Leistung ständig wiederholen. Der Erfolg war ein Etappensieg, aber die Konkurrenten punkten auch.
Wäre der vierte Klassenerhalt in Folge ein Wunder?
Demut ist angebracht. Wir haben Fehler gemacht, die Fehler so gut es geht korrigiert, hoffentlich noch rechtzeitig. Es wäre ein Wunder, wenn man nach zwei Punkten aus den ersten 13 Spielen noch drinbleibt. Das würden wir feiern, aber nicht in die Geschichtsbücher schreiben. Den Fehlstart haben wir selbst verbockt.
Warum gibt es nicht den „Bayern-Fluch“, den Einbruch wie in der Vorsaison?
Eine Garantie können wir leider nicht geben, sonst würden wir nicht auf Platz 16 stehen. Man kann nur alles versuchen, das zu verhindern. Das passiert vor dem Spiel, nicht erst am Spieltag, das wäre zu spät. Unser Trainer Dieter Hecking vermittelt diese Mentalität sehr gut.
Kaenzigs Rechnung für die Rettung: Hecking-Schnitt halten
Dann gibt es gegen Frankfurt den nächsten Sieg …
Natürlich wollen wir gegen die Eintracht gewinnen. Aber ein Punkt gegen Frankfurt wäre auch gut. Jeder Punkt hilft uns. Wir dürfen jetzt nicht im Vorfeld zu gierig werden. Vor dem Viererpack mit den Spielen gegen Bayern, Frankfurt, Leverkusen und Stuttgart haben doch alle gesagt: Das setzt vier Niederlagen. Entscheidend ist, regelmäßig zu punkten. Wir haben noch neun Spiele. Den Dieter-Hecking-Schnitt von 1,19 Punkten müssen wir auf jeden Fall halten, dann würden wir bei 31 Punkten einlaufen. Das könnte zumindest für Rang 16 reichen.
Sie haben Dieter Hecking vom VfL überzeugt, als der VfL mit einem Punkt aus neun Spielen Schlusslicht war, Punkteschnitt 0,11. Wie hat er es geschafft, dass jetzt sogar Rang 15 wieder in Reichweite ist?
Es ist eine hohe Kunst, die Essenz des Fußballs herauszuholen. Wir haben im Sommer gedacht, wir sind schon so schön und so groß, Fußball komplexer praktizieren zu können, auf dem Platz, neben dem Platz. Das war unser Fehler. Dieter Hecking hat den Fußball beim VfL Bochum wieder vereinfacht, was sehr schwierig ist. Das kommt bei den Fans an, bei den Spielern, und es bringt uns auch mehr Punkte. Unsere Vereinsstrategie muss weiter sein, die einfachen Dinge gut zu machen. Dahin sind wir wieder zurückgekehrt.
VfL Bochums Chef über Heckings Zukunft: Das Emotionale spielt wichtige Rolle
Sie haben bereits erklärt, dass Sie gerne den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Dieter Hecking vorzeitig verlängern wollen.
Und zwar ligaunabhängig. Er weiß, dass wir alles tun, um optimale Bedingungen für die sportliche Arbeit zu schaffen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das Emotionale spielt eine wichtige Rolle. Finanziell sind sehr viele Vereine vor uns in der Bundesliga. Beim Emotionalen nicht. Wir hoffen, dass er zusagt. Dafür werden wir alles Mögliche tun.
Seit Oktober ist der Posten eines Sportchefs beim VfL unbesetzt. Ein neuer Sportgeschäftsführer müsste dann in der täglichen Arbeit also vor allem mit Ihnen auf der Führungsebene und mit Hecking als Trainer klarkommen.
Wenn jemand von außen käme und komplett andere Ideen hätte als der Verein in seiner langfristigen Strategie, dann passt es nicht. Es muss jemand sein, der unabhängig von den Ligen Bock auf den VfL Bochum hat und die Realitäten akzeptiert.
Wie lang ist die Liste der Kandidaten für diesen Posten noch? Bis Ende März will das für die Bestellung des Geschäftsführers zuständige Präsidium den neuen Mann präsentieren.
Wir haben Listen abgearbeitet und sind in Gesprächen. Am Schluss muss das Präsidium den Richtigen auswählen und verpflichten.
Würde Jörg Schmadtke ins Profil passen?
Wir werden wie immer keinerlei Namen kommentieren oder Wasserstandsmeldungen abgeben.
Planung für neue Saison: Kaenzig und Hecking sind die Ansprechpartner
Im Winter haben Sie mit Dieter Hecking den Sportchef-Job mit übernommen, haben mit Tom Krauß und Georgios Masouras den Kader verstärkt und durch Leihen und Vertragsauflösungen zugleich verschlankt. Auch die nächste Saison aber muss bereits in Angriff genommen werden. Wer kümmert sich aktuell darum?
Es muss sich keiner Sorgen machen, dass uns Berater oder Spieler nicht erreichen. Im Hintergrund passiert einiges, Dieter Hecking und ich sind ständig im Austausch, das kommunizieren wir nicht täglich an die Öffentlichkeit. Es gab bereits Gespräche, Kontakte und auch Treffen mit unseren aktuellen und mit möglichen neuen Spielern für die nächste Saison.
Im zweiten Teil des Interviews, das am Samstagmorgen (5 Uhr) auf waz.de/vfl erscheint, erklärt Kaenzig, warum Bochum zunächst mit weniger Einnahmen rechnet, ob es einen Umbruch im Kader gibt, Tim Oermann bleiben soll und wie wichtig der Aufstieg der U23 in die Regionalliga ist.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."