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Bannerverbot für Gästefans?
#1
Nach dem Zaunfahnen-Eklat vor dem Frankfurt-Spiel hat die Aufarbeitung begonnen. VfL Bochums Geschäftsführer Kaenzig nimmt Stellung, der Klub schildert den Ablauf. 

Nach der Fast-Absage der Partie zwischen dem VfL Bochum und Eintracht Frankfurt hat bei beiden Klubs die Aufarbeitung bereits begonnen. Der VfL will über weitere Maßnahmen diskutieren. 

Das Bochumer Ruhrstadion steht für Fußball- und Fankultur, wie es sie in Deutschland kaum noch gibt. Es ist in die Jahre gekommen, soll ab 2026 modernisiert werden, ein neues Konzept bei den Flucht- und Rettungswegen soll dazugehören. Bis dahin aber ist eine Entfluchtung im Gästeblock weiterhin nur ins Stadioninnere, Richtung Platz, möglich. Werden die Tore versperrt, darf aus Sicherheitsgründen kein Spiel stattfinden, also nicht angepfiffen werden oder es muss abgebrochen werden. Auch darauf wies der VfL die Gäste im Vorfeld explizit hin, teilte der VfL Bochum in einer Stellungnahme am Sonntagabend mit. 

Nächster Zaunfahnen-Eklat: Anpfiff 50 Minuten später
Fans von Eintracht Frankfurt sorgten am Sonntag für die nächste Fast-Absage einer Bundesliga-Partie in Bochum, nachdem es zuletzt in der Partie gegen den VfB Stuttgart im Januar 2024 zu einem „Zaunfahnen-Vorfall“ gekommen war. Sie verhängten mit mindestens drei Bannern mehrere Flucht- und Rettungstore im Gästeblock, wie es zunächst hieß. Ein Fluchttor konnte gar nicht mehr geöffnet werden, andere nur so erschwert, dass es im Notfall zu spät hätte sein können.

VfL erklärt den Ablauf in einer Stellungnahme
„Das heute von der aktiven Fanszene mitgebrachte XXL-Banner entsprach nicht den Vorgaben, zudem bestand nach der Beanstandung des Banners fanseitig keinerlei Bereitschaft einzulenken“, erklärte der VfL Bochum und schilderte den weiteren Ablauf wie folgt.

„Bereits 15 Minuten vor Spielbeginn wurde die Fanszene darüber informiert, dass der Veranstalter unter den bestehenden Bedingungen gemäß §38 Abs. 4 SBauVO des Landes NRW zur Einstellung des Betriebs verpflichtet ist und insofern das Spiel nicht stattfinden kann. Diese Sichtweise wurde durch die Koordinierungsgruppe, der u.a. die Einsatzleitung der Feuerwehr, Polizei und des DRK angehören, sowie VfL-seitig der Sicherheitsbeauftragte sowie die Veranstaltungsleitung, bestätigt. Das Schiedsrichtergespann wurde darüber durch unseren Geschäftsführer Ilja Kaenzig sowie unseren Veranstaltungsleiter Pascal Langer informiert. Daraufhin unternahm der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche einen letzten Versuch, die Eintracht-Fans zum Einlenken zu bewegen. Die aktive Fanszene entschloss sich daraufhin, alle Banner zu entfernen und das Stadion zu verlassen.“ Mit 50 Minuten Verspätung pfiff Felix Zwayer die Partie dann an, Bochum verlor mit 1:3. 

Kaenzig: „Stimmung hat leider massiv gelitten“
Zahlreiche Appelle des Stadionsprechers waren zuvor wirkungslos verhallt. Erst nach Diskussionen auch mit Eintrachts Vorständen Philipp Reschke und Markus Krösche nahmen die Fans die Banner 40 Minuten nach dem geplanten Anpfiff ab. Die Frankfurter Anhänger der aktiven Szene, mehrere hundert, verließen das Stadion. Auch die Ultras Bochum hingen ihre Banner ab, stellten den Support ein, womöglich aus Solidarität.

Durch den Zaunfahnen-Eklat aber „war es ein anderes Spiel“, erklärte VfL Bochums Geschäftsführer Ilja Kaenzig in einer Journalistenrunde nach dem 1:3 des VfL gegen die Eintracht. „Da ist man natürlich enttäuscht. Man schadet damit allen anderen Fans, leider hat die Stimmung massiv gelitten. Wenn man sagt, wir können nur über die Heimspiele drinbleiben, ist das ein Nachteil für uns.“ 

Bochumer Fanszene stellt Support ein: „ungeschriebene Regeln“
Nach dem Stuttgart-Spiel habe es „auch mit unserer Fanszene eine Begehung des Blocks“ gegeben, um die bauliche Situation zu erklären, um Verständnis zu werben, so Kaenzig. Zur Einstellung des Supports der Bochumer Szene, die eigentlich ihre neue Gesangsanlage testen wollte und diese stattdessen nach dem Anpfiff abbaute, sagte er: „Es gibt ungeschriebene Regeln in der aktiven Fanszene. Sie haben sich so entschieden.“ Flügelstürmer Gerrit Holtmann, der einen engen Draht zur Fanszene pflegt, fand die Solidarisierung „gut“.

Auch Dieter Hecking nannte diese Solidarisierung „in Ordnung“, lobte zudem die Unterstützung der zigtausenden weiteren Anhänger. Der Trainer des VfL betonte sein Verständnis, dass Fans Banner aufhängen wollen - aber auch sein absolutes „Unverständnis“, wenn sie Fluchtwege versperren. „Es geht um die Sicherheit. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Fans früher einsichtig gezeigt hätten.“ 

Eintracht entschuldigt sich: „Regeln bekannt“
Nach dem Stuttgart-Spiel hatte der VfL unter anderem die Aufklärungsarbeit vor den Heimspielen hochgefahren. Auch vor der Sonntags-Partie gegen die Eintracht, die bereits zweimal im Ruhrstadion zu Gast war seit dem Zaunfahnen-Eklat bei der Partie gegen Stuttgart, als es keine Probleme gab, genau wie in 19 weiteren Partien seit dem VfB-Spiel. „Die Regeln waren bekannt und klar kommuniziert. Wir können uns nur beim VfL Bochum entschuldigen“, sagte Eintracht-Vorstand Philipp Reschke.

VfB-Verantwortliche hatten vor gut einem Jahr dagegen auch den Gastgeber VfL scharf kritisiert - Frankfurt nicht. „Wir müssen mit unseren Fans in den Austausch gehen. Solche Regeln sind nicht zu verhandeln, da gibt es keinen Graubereich, sondern nur ein Schwarz oder Weiß“, sagte Reschke. Unter anderem hatten die Frankfurter die Sicherheitsvorschrift, dass die orange markierten Fluchttore nicht abgehängt werden dürfen, auf ihrer Homepage veröffentlicht. 

Keine Anzeichen im Vorfeld: „Wir wurden alle überrascht“
„Wir pflegen den Dialog, informieren die Gäste präzise“, erklärte Ilja Kaenzig. So versendet der VfL etwa lange vor den Heimspielen exaktes Bildmaterial an die Klubs und ihre Fangruppierungen, welche Tore frei von Zaunfahnen bleiben müssen. Der Verein schreibt auch frühzeitig die Geschäftsführer an, es gibt mehrere Sicherheits-Meetings auf verschiedenen Ebenen, unter anderem mit den Fanbeauftragten der Klubs und der Polizei. „Es gab überhaupt keine Anzeichen, dass man heute dieses Fass wieder aufmacht. Insofern wurden wir alle überrascht“, sagte Kaenzig ratlos ob dieser „Provokation“ der Frankfurter.

Wenn die Banner aufgehängt werden, könne keiner mehr dazwischen gehen. „Sonst droht eine Eskalation, bei der auch Menschen zu Schaden kommen könnten, die nicht beteiligt sind“, sagte Kaenzig. „Wenn der Plan von Anfang an ist, das Spiel durch solche Aktionen zu verzögern, dann kann man wirklich nichts machen.“ Würden Sicherheitskräfte etwa versuchen, Banner abzunehmen, würde die Szene diese „massiv verteidigen, es gäbe eine Solidarisierung, vielleicht sogar von beiden Seiten. In dem Moment, in dem der Prozess des Aufhängens der Banner läuft, ist man chancenlos.“ Dann helfen nur weitere Appelle, letztlich die Einsicht der Anhänger. 

Appell bleibt: „Wir brauchen Kompromissbereitschaft“
Kaenzig betonte mehrmals: „Wir brauchen Kompromissbereitschaft.“ Ein Appell, der diesmal offenbar ignoriert wurde. Gegen Provokationen dieser Art sei man als Klub machtlos, so Kaenzig. „Aber was hat das mit Stadion- oder Fußballkultur zu tun? Ein Spiel zu verzögern, ist einfach nur unnötig.“

Ein Bannverbot für Gäste-Fans ist nicht gewollt, aber auch nicht ausgeschlossen. Über allem steht die Sicherheit, daran gibt es nichts zu rütteln. „Wir hatten die Diskussion auch auf bundesweiter Ebene“, sagte Kaenzig. „Wir wollen eine lebhafte Fankultur haben, die in Deutschland wohl weltweit einzigartig ist.“ Ein totales Bannerverbot könne nicht das Ziel sein. „Aber wir werden uns besprechen und alle Szenarien durchspielen müssen. Heute wurde das Spiel verzögert. Aber was passiert, wenn zum Beispiel das letzte Spiel nicht angepfiffen wird?“ 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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#2
Diesen Machtspielchen der Ultras sollte ein Riegel vorgeschoben werden. Denen scheinen ihre Symbole, und Botschaften,  doch wichtiger zu sein, als "ihren" Verein zu unterstützen. Um das Fußballspiel, oder den Verein,  geht es denen offensichtlich nicht, und den Fans die wegen des Sports und dem Verein ins Stadion gehen, zeigen die  durch ihr Verhalten, symbolisch, den Mittelfinger.
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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