04-02-2025, 09:49 AM
David Siebers ist seit fast elf Jahren beim VfL Bochum. Zahlreiche Talente hat er seitdem begleitet. Wer ist der Mann, der als großes Trainer-Talent gilt?
Hugo Rölleke stand kürzlich stolz auf dem Dach der Geschäftsstelle des VfL Bochum und ließ sich zusammen mit Geschäftsführer Ilja Kaenzig ablichten. Der Torwart der U21 des VfL ist der erste Jugendspieler in dieser Saison, der einen Profi-Vertrag beim Bundesligisten unterschrieb. Mit Kacper Koscierski von der U19 folgte am Dienstag der zweite. Der Rechtsverteidiger und Schienenspieler, 17 Jahre jung, unterschrieb einen langfristigen Profivertrag, zählt kommende Saison zum Lizenzspielerkader. „Eigene Spieler zu entwickeln und mit der Perspektive auszubilden, den Sprung in den Lizenzbereich zu schaffen, gehört zu unserer Vereinsphilosophie. Das Talentwerk leistet diesbezüglich hervorragende Arbeit“, sagte Ilja Kaenzig.
Wen der Geschäftsführer damit nicht namentlich adressierte, es aber hätte tun können, ist David Siebers. Der 37-Jährige arbeitet seit inzwischen fast elf Jahren beim VfL Bochum und ist so etwas wie der Vater des aktuellen Erfolgs fast aller Jugendmannschaften des Vereins. Die meisten Kader stellte er als Sportlicher Leiter und Kaderplaner in den vergangenen Jahren mit seinem Team zusammen. Das Resultat in der U19, die schon fix für das Achtelfinale im K.o.-Modus um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert ist, betreut er derzeit selbst. Die Gesamtverantwortung des Talentwerks liegt beim U21-Trainer Heiko Butscher.
Siebers ausgebildeter Trainer und studierter Sportmanager
Siebers ist nicht nur ausgebildeter Fußball-Lehrer, er ist auch studierter Sportmanager. Eine Art Ralf Rangnick könnte man sagen – zumindest von der Ausbildung her. Ein Vergleich, den der bescheidene Siebers freilich nie selbst in den Mund nehmen würde. Er ist eher eine zurückhaltende Figur, will in persönlichen Gesprächen nach Spielen nur über seine Mannschaft sprechen, nicht über sich selbst.
Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Allein das Beispiel der U19, die unter ihm eine glänzende Hauptrunde spielt und auf Platz eins ihrer Gruppe steht, verdeutlicht das. Auch die Erfolge der U17 und U16 belegen die gute Arbeit in der Kaderzusammenstellung der vergangenen Jahre, die Siebers maßgeblich beeinflusst hat. Zudem wurde er erst mit der U16 Westfalen-Meister und gewann mit der U17 den Westfalenpokal.
Siebers: Trainer oder Kaderplaner?
In der Vergangenheit wurde er deshalb schon gefragt, welche Rolle der denn nun am liebsten einnehmen wolle. Die des Trainers? Oder die des Kaderplaners? Kaenzig sieht ihn eher als Trainer, will ihn auf dieser Position fördern. Das Traineramt hat Siebers von der Pike auf gelernt, begann einst beim Dortmunder Stadtteilverein Hörder SC, wechselte zum damals noch kleinen Hombrucher SV, der inzwischen im Jugendbereich eine größere Nummer im Ruhrgebiet ist. Zusammen mit dem Ex-BVB-Profi Christian Wörns trainierte er die U17. Sein Talent wurde auch bei Borussia Dortmund und beim DFB erkannt. Beim BVB war er Co-Trainer im Jugendbereich, beim DFB Coach am Stützpunkt.
Beim Hombrucher SV beriet er zudem die sportliche Leitung, bevor 2011 der VfL Bochum das Trainer-Talent an die Hiltroper Straße lotste. Viele Spieler hat er seitdem in den Profi-Bereich begleitet, zuletzt Rölleke und Kasper Koscierski. Zuvor waren es schon zum Beispiel Mo Tolba oder Tjark Ernst (heute Hertha BSC). Viele schwärmen von der ehrlichen und direkten Kommunikation Siebers, der immer fair die Karrieremöglichkeiten aufgezeigt habe. Herzlich, aber konsequent sei der Umgang, heißt es. Siebers selbst sagte einmal, dass die Beziehung zu seinen Spielern auch belastbar sein müsste. Das hat auch dazu geführt, dass Talente lieber in Bochum blieben, anstatt den Verein zu wechseln und attraktiver wirkenden Angeboten zu erliegen.
Koscierski, Luc Dabrowski, Luis Pick, Julian Etse, Owono-Darnell Keumo, Cajetan Lenz, Daryl Tschoumy-Nana – es sind die derzeitigen Stützen der U19. Und sie alle spielen teils seit Jahren in der VfL-Jugend, wurden von Siebers entdeckt. Einige sind fast genauso lange dabei wie Siebers, dem die Mannschaftsführung besonders wichtig ist. Dies hat er von einigen VfL-Cheftrainer abgeguckt, als die Jugendtrainer noch als Co-Trainer der Profis fungierten. Von Robin Dutt und Thomas Reis konnte er so lernen, dass im Profi-Bereich Führung mitunter wichtiger als Taktik ist. Mit Dieter Hecking gibt es derzeit einen regelmäßigen Austausch. Der Bochumer Cheftrainer mag vor allem die Art Siebers, nicht verlieren zu wollen. Wegbegleiter beschreiben ihn als sehr ehrgeizig.
Siebers ist großes Trainer-Talent
Auffällig ist, dass Siebers stets Co-Trainer hat, die einmal selbst professionell Fußball spielten. Derzeit fungiert Ex-Keeper Michael Esser in dieser Rolle, zuvor waren es Julian Koch und die aktuelle Frauen-Trainerin Kyra Malinowski. Vermutlich auch, um den Spielern eine Perspektive aufzuzeigen, die er nicht vermitteln kann, weil er selbst nicht auf dem Niveau spielte. Wegbegleiter sagen, Siebers sei es wichtig, keine One-Man-Show zu machen, er beziehe alle Teammitglieder ein, vertraue ihnen.
Welches Trainer-Talent sie dort in ihren eigenen Reihen haben, das wissen die VfL-Verantwortlichen durchaus. Im vergangenen Oktober, als Peter Zeidler freigestellt wurde, wurde intern auch über Siebers diskutiert. „Wir wollten kein Experiment machen, kein Projekt und ein eigenes Talent nicht verbrennen“, sagte Kaenzig damals. Stattdessen feiert Siebers derzeit Erfolg um Erfolg mit seiner U19 – genau beobachtet vom Geschäftsführer, der ihn fördern will.
Wie lange aber noch? Die Erfolge als Trainer und Kaderplaner sollen schon Begehrlichkeiten geweckt haben. Auch intern. Der oft zitierte „Übergangsbereich“ zwischen Jugend und Profibereich könnte etwas sein, was zu ihm passen würde, wenn er zeitgleich als Trainer weiterarbeiten könnte. Damit die vielen Verdienste, die Siebers für den VfL Bochum derzeit hat, noch größer werden können. Sicher sind sich alle: Siebers wird den Weg in den Profi-Fußball finden.
Quelle: WAZ.de
Hugo Rölleke stand kürzlich stolz auf dem Dach der Geschäftsstelle des VfL Bochum und ließ sich zusammen mit Geschäftsführer Ilja Kaenzig ablichten. Der Torwart der U21 des VfL ist der erste Jugendspieler in dieser Saison, der einen Profi-Vertrag beim Bundesligisten unterschrieb. Mit Kacper Koscierski von der U19 folgte am Dienstag der zweite. Der Rechtsverteidiger und Schienenspieler, 17 Jahre jung, unterschrieb einen langfristigen Profivertrag, zählt kommende Saison zum Lizenzspielerkader. „Eigene Spieler zu entwickeln und mit der Perspektive auszubilden, den Sprung in den Lizenzbereich zu schaffen, gehört zu unserer Vereinsphilosophie. Das Talentwerk leistet diesbezüglich hervorragende Arbeit“, sagte Ilja Kaenzig.
Wen der Geschäftsführer damit nicht namentlich adressierte, es aber hätte tun können, ist David Siebers. Der 37-Jährige arbeitet seit inzwischen fast elf Jahren beim VfL Bochum und ist so etwas wie der Vater des aktuellen Erfolgs fast aller Jugendmannschaften des Vereins. Die meisten Kader stellte er als Sportlicher Leiter und Kaderplaner in den vergangenen Jahren mit seinem Team zusammen. Das Resultat in der U19, die schon fix für das Achtelfinale im K.o.-Modus um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert ist, betreut er derzeit selbst. Die Gesamtverantwortung des Talentwerks liegt beim U21-Trainer Heiko Butscher.
Siebers ausgebildeter Trainer und studierter Sportmanager
Siebers ist nicht nur ausgebildeter Fußball-Lehrer, er ist auch studierter Sportmanager. Eine Art Ralf Rangnick könnte man sagen – zumindest von der Ausbildung her. Ein Vergleich, den der bescheidene Siebers freilich nie selbst in den Mund nehmen würde. Er ist eher eine zurückhaltende Figur, will in persönlichen Gesprächen nach Spielen nur über seine Mannschaft sprechen, nicht über sich selbst.
Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Allein das Beispiel der U19, die unter ihm eine glänzende Hauptrunde spielt und auf Platz eins ihrer Gruppe steht, verdeutlicht das. Auch die Erfolge der U17 und U16 belegen die gute Arbeit in der Kaderzusammenstellung der vergangenen Jahre, die Siebers maßgeblich beeinflusst hat. Zudem wurde er erst mit der U16 Westfalen-Meister und gewann mit der U17 den Westfalenpokal.
Siebers: Trainer oder Kaderplaner?
In der Vergangenheit wurde er deshalb schon gefragt, welche Rolle der denn nun am liebsten einnehmen wolle. Die des Trainers? Oder die des Kaderplaners? Kaenzig sieht ihn eher als Trainer, will ihn auf dieser Position fördern. Das Traineramt hat Siebers von der Pike auf gelernt, begann einst beim Dortmunder Stadtteilverein Hörder SC, wechselte zum damals noch kleinen Hombrucher SV, der inzwischen im Jugendbereich eine größere Nummer im Ruhrgebiet ist. Zusammen mit dem Ex-BVB-Profi Christian Wörns trainierte er die U17. Sein Talent wurde auch bei Borussia Dortmund und beim DFB erkannt. Beim BVB war er Co-Trainer im Jugendbereich, beim DFB Coach am Stützpunkt.
Beim Hombrucher SV beriet er zudem die sportliche Leitung, bevor 2011 der VfL Bochum das Trainer-Talent an die Hiltroper Straße lotste. Viele Spieler hat er seitdem in den Profi-Bereich begleitet, zuletzt Rölleke und Kasper Koscierski. Zuvor waren es schon zum Beispiel Mo Tolba oder Tjark Ernst (heute Hertha BSC). Viele schwärmen von der ehrlichen und direkten Kommunikation Siebers, der immer fair die Karrieremöglichkeiten aufgezeigt habe. Herzlich, aber konsequent sei der Umgang, heißt es. Siebers selbst sagte einmal, dass die Beziehung zu seinen Spielern auch belastbar sein müsste. Das hat auch dazu geführt, dass Talente lieber in Bochum blieben, anstatt den Verein zu wechseln und attraktiver wirkenden Angeboten zu erliegen.
Koscierski, Luc Dabrowski, Luis Pick, Julian Etse, Owono-Darnell Keumo, Cajetan Lenz, Daryl Tschoumy-Nana – es sind die derzeitigen Stützen der U19. Und sie alle spielen teils seit Jahren in der VfL-Jugend, wurden von Siebers entdeckt. Einige sind fast genauso lange dabei wie Siebers, dem die Mannschaftsführung besonders wichtig ist. Dies hat er von einigen VfL-Cheftrainer abgeguckt, als die Jugendtrainer noch als Co-Trainer der Profis fungierten. Von Robin Dutt und Thomas Reis konnte er so lernen, dass im Profi-Bereich Führung mitunter wichtiger als Taktik ist. Mit Dieter Hecking gibt es derzeit einen regelmäßigen Austausch. Der Bochumer Cheftrainer mag vor allem die Art Siebers, nicht verlieren zu wollen. Wegbegleiter beschreiben ihn als sehr ehrgeizig.
Siebers ist großes Trainer-Talent
Auffällig ist, dass Siebers stets Co-Trainer hat, die einmal selbst professionell Fußball spielten. Derzeit fungiert Ex-Keeper Michael Esser in dieser Rolle, zuvor waren es Julian Koch und die aktuelle Frauen-Trainerin Kyra Malinowski. Vermutlich auch, um den Spielern eine Perspektive aufzuzeigen, die er nicht vermitteln kann, weil er selbst nicht auf dem Niveau spielte. Wegbegleiter sagen, Siebers sei es wichtig, keine One-Man-Show zu machen, er beziehe alle Teammitglieder ein, vertraue ihnen.
Welches Trainer-Talent sie dort in ihren eigenen Reihen haben, das wissen die VfL-Verantwortlichen durchaus. Im vergangenen Oktober, als Peter Zeidler freigestellt wurde, wurde intern auch über Siebers diskutiert. „Wir wollten kein Experiment machen, kein Projekt und ein eigenes Talent nicht verbrennen“, sagte Kaenzig damals. Stattdessen feiert Siebers derzeit Erfolg um Erfolg mit seiner U19 – genau beobachtet vom Geschäftsführer, der ihn fördern will.
Wie lange aber noch? Die Erfolge als Trainer und Kaderplaner sollen schon Begehrlichkeiten geweckt haben. Auch intern. Der oft zitierte „Übergangsbereich“ zwischen Jugend und Profibereich könnte etwas sein, was zu ihm passen würde, wenn er zeitgleich als Trainer weiterarbeiten könnte. Damit die vielen Verdienste, die Siebers für den VfL Bochum derzeit hat, noch größer werden können. Sicher sind sich alle: Siebers wird den Weg in den Profi-Fußball finden.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."