02-11-2026, 11:45 AM
Beim VfL Bochum sorgt ein Zwist zwischen Ultras und anderen Fans für Unruhe in der Kurve – was steckt wirklich hinter dem Stimmungsproblem?
Es ist ein Lied, das von den großen Erfolgen des Vereins handelt und von den noch größeren Sehnsüchten der Fans. Es handelt von Zusammenhalt und der großen Liebe für den Verein. Aber es spaltet derzeit auch die Anhängerschaft des VfL Bochum. Immer, wenn in der Kurve vom Traum vom Uefa-Cup gesungen wird, herrscht anderswo ein Raunen, der eine oder andere Fan stößt einen Seufzer aus. Oft geht es dann allerdings nicht per se um den Kurvenschlager, der erstmals beim Hinspiel gegen den SC Paderborn im vergangenen September aus den Kehlen ertönte. Es geht auch darum, dass immer mehr Anhänger das Gefühl haben, dass es ein Gegeneinander gibt und nicht mehr das typische VfL-Miteinander. „Die Ultras“ einerseits, „die Normalos“ andererseits.
Es ist ein „Konflikt“, der fast so alt ist wie die Jugendkultur-Bewegung im deutschen Fußball. Nicht alle unterstützen das, wofür „Ultra“ steht. Nicht alle wollen durchgängig mit Liedern beschallt werden, die mal mehr, mal weniger abhängig vom Spielverlauf sind. Nicht alle wollen einen 90-minütigen Fahneneinsatz vor ihren Augen sehen.
Vielmehr wollen die – nennen wir sie Traditionalisten – Stimmung wie früher in den Stadien. Kurze, laute, einpeitschende Schlachtrufe. Mehr Bezug zum Spiel. Nicht der immer wieder angebrachte „Dauersingsang“, wie es gern in Kneipen oder Foren heißt. Diese unterschiedlichen Ansätze machen die deutschen Fanszenen aus, bereichern sie, sie sorgen aber auch immer wieder für Diskussionen. Vor allem in Bochum. An wohl kaum einem anderen Standort in Deutschland ist „Ultra“ in der breiten Masse so wenig akzeptiert wie in Bochum.
Stimmung im Stadion ist ausbaufähig
Besonders bei Heimspielen fällt das in dieser Saison auf. Blickte man in den vergangenen Wochen in die Ostkurve des Ruhrstadions, war die Mitmachquote bei Gesängen oder Klatscheinlagen außerhalb der mittleren Bereiche von Block P und Q überschaubar. Der Derbysieg gegen Schalke 04 einmal ausgenommen.
Fans, die die Spiele seit Jahren in der Ostkurve verfolgen, kritisieren immer wieder – auch in persönlichen Gesprächen mit dieser Redaktion –, dass immer öfter Menschen in der Kurve stehen würden, die gar kein Interesse daran hätten, auch nur ansatzweise etwas zur ursprünglichen Ruhrstadion-Stimmung beizutragen, die vielen Gästespielern in der Vergangenheit das Fürchten gelehrt hat. Aussagen wie „Sauftourismus“ oder „Erlebnistourismus“ fallen in diesem Zusammenhang. Persönlich zitieren lassen möchte sich aber niemand.
Kritik an den Ultras ist diesen Menschen daher zu kurz gefasst. Sie seien es nicht nur, die viel beachtete Choreografien erstellen. Manch einer meint, ohne sie wäre die Stimmung gänzlich tot, was andere wiederum mit Verweis auf die Nach-Corona-Zeit, in der die Ultras als Gruppen die Spiele noch nicht besuchten, verneinen.
Fakt ist, dass die Ultras ein wichtiges Sprachrohr für die Fanszene sind, das sich gegen willkürliche Entscheidungen oder Beschlüsse zur Wehr setzt, wie im vergangenen Dezember rund um die Innenministerkonferenz. Oder wie bei den Protesten gegen einen Investoren-Einstieg bei der DFL – oder für fangerechte Anstoßzeiten. Sie seien es, die den Verein auch im Herzen getragen haben oder tragen werden, wenn es im Dezember bei Minusgraden bei Erzgebirge Aue um wichtige Punkte gehe, und wie selbstverständlich die Reise auf sich nehmen.
Das ist die Kritik an den Ultras
Auch innerhalb des Vereins gelten Mitglieder der Ultra-Gruppen als wichtige Gesprächspartner, um Stimmungen einzufangen oder neue Denkanstöße zu bekommen. Zudem gibt es das Fangremium, das künftig sogar um eine Person aufgestockt wird, in dem Anhänger aller Couleur die Interessen der gesamten Fanszene vertreten sollen. Auch in diesem Gremium soll intensiv mit und über die Ultras diskutiert werden.
Ältere Fans in anderen Blöcken stimmen auch Lieder an
Der derzeit wohl größte Kritikpunkt ist allerdings jener die Stimmung betreffend. „Die Ultras“ würden sich nicht mehr darum scheren, was andere Fans wollen. Fans aus den Blöcken A und B, wo viele älter gewordene VfL-Fans sitzen, die einst selbst die Stimmung in der Ostkurve prägten, stimmten zuletzt immer wieder Schlachtrufe an, die früher einmal vom gesamten Stadion aufgenommen wurden. Spätestens, nachdem vom Vorsängerpodest, auf dem Vertreter der Ultras stehen, die Kurve dazu aufgefordert wurde. Immer häufiger – so berichten Fans – ziehen die aktiven Gruppen ihren „Singsang“ aber durch. Stücke, die von den Ultras angestimmt werden, gelten bei einigen Anhängern aber als langweilig und nicht anfeuerungsgerecht. Das Gespür für die Situation im Spiel würde fehlen.
Ein Punkt, der auch bei Mannschaft und Trainer angekommen ist. „Wir brauchen die Euphorie auch auf den Tribünen, damit die Fans uns nach vorn peitschen“, sagte VfL-Trainer Uwe Rösler einmal. Noch vor dem Schalke-Spiel kritisierte er, dass die Stimmung bei seinem allerersten Spiel gegen Hertha BSC deutlich besser gewesen sei, als das, was in den Heimspielen danach von den Rängen kam. Gegen Schalke wiederum tobte das Ruhrstadion über weite Strecken der Partie. Sicherlich auch dem Spielgeschehen geschuldet, ganz sicher aber auch, weil alle an einem Strang zogen.
Holtmann sieht Mannschaft des VfL ebenfalls in der Pflicht
„Gegen Schalke war die Stimmung top, das war ein besonderes Spiel, da standen alle VfL-Fans hinter uns, das Stadion wurde zur Festung. Diese Stimmung muss der Gradmesser für die kommenden Spiele sein“, sagte Gerrit Holtmann im Gespräch mit dieser Redaktion und nahm die Spieler mit ins Boot. „Am Ende sind wir auch mitverantwortlich dafür, dass die Fans mitgehen. Schießt du ein Tor, drehen alle am Helm. Solange die Fans das Gefühl haben, dass wir etwas bewegen können, werden sie hinter uns stehen. Das war auch gegen Schalke so, als deren Druck größer wurde.“
Dieses Spiel zeigte eindeutig, welche Kraft die Fans im Ruhrstadion entfachen können, wenn es um die Gemeinsamkeit geht und nicht um ein Gegeneinander. Denn ein Punkt, der im umstrittenen Europapokal-Lied gesungen wird, eint schließlich alle Fans des VfL Bochum: „Unser ganzes Leben widmen wir nur Dir.“
Quelle: WAZ.de
Es ist ein Lied, das von den großen Erfolgen des Vereins handelt und von den noch größeren Sehnsüchten der Fans. Es handelt von Zusammenhalt und der großen Liebe für den Verein. Aber es spaltet derzeit auch die Anhängerschaft des VfL Bochum. Immer, wenn in der Kurve vom Traum vom Uefa-Cup gesungen wird, herrscht anderswo ein Raunen, der eine oder andere Fan stößt einen Seufzer aus. Oft geht es dann allerdings nicht per se um den Kurvenschlager, der erstmals beim Hinspiel gegen den SC Paderborn im vergangenen September aus den Kehlen ertönte. Es geht auch darum, dass immer mehr Anhänger das Gefühl haben, dass es ein Gegeneinander gibt und nicht mehr das typische VfL-Miteinander. „Die Ultras“ einerseits, „die Normalos“ andererseits.
Es ist ein „Konflikt“, der fast so alt ist wie die Jugendkultur-Bewegung im deutschen Fußball. Nicht alle unterstützen das, wofür „Ultra“ steht. Nicht alle wollen durchgängig mit Liedern beschallt werden, die mal mehr, mal weniger abhängig vom Spielverlauf sind. Nicht alle wollen einen 90-minütigen Fahneneinsatz vor ihren Augen sehen.
Vielmehr wollen die – nennen wir sie Traditionalisten – Stimmung wie früher in den Stadien. Kurze, laute, einpeitschende Schlachtrufe. Mehr Bezug zum Spiel. Nicht der immer wieder angebrachte „Dauersingsang“, wie es gern in Kneipen oder Foren heißt. Diese unterschiedlichen Ansätze machen die deutschen Fanszenen aus, bereichern sie, sie sorgen aber auch immer wieder für Diskussionen. Vor allem in Bochum. An wohl kaum einem anderen Standort in Deutschland ist „Ultra“ in der breiten Masse so wenig akzeptiert wie in Bochum.
Stimmung im Stadion ist ausbaufähig
Besonders bei Heimspielen fällt das in dieser Saison auf. Blickte man in den vergangenen Wochen in die Ostkurve des Ruhrstadions, war die Mitmachquote bei Gesängen oder Klatscheinlagen außerhalb der mittleren Bereiche von Block P und Q überschaubar. Der Derbysieg gegen Schalke 04 einmal ausgenommen.
Fans, die die Spiele seit Jahren in der Ostkurve verfolgen, kritisieren immer wieder – auch in persönlichen Gesprächen mit dieser Redaktion –, dass immer öfter Menschen in der Kurve stehen würden, die gar kein Interesse daran hätten, auch nur ansatzweise etwas zur ursprünglichen Ruhrstadion-Stimmung beizutragen, die vielen Gästespielern in der Vergangenheit das Fürchten gelehrt hat. Aussagen wie „Sauftourismus“ oder „Erlebnistourismus“ fallen in diesem Zusammenhang. Persönlich zitieren lassen möchte sich aber niemand.
Kritik an den Ultras ist diesen Menschen daher zu kurz gefasst. Sie seien es nicht nur, die viel beachtete Choreografien erstellen. Manch einer meint, ohne sie wäre die Stimmung gänzlich tot, was andere wiederum mit Verweis auf die Nach-Corona-Zeit, in der die Ultras als Gruppen die Spiele noch nicht besuchten, verneinen.
Fakt ist, dass die Ultras ein wichtiges Sprachrohr für die Fanszene sind, das sich gegen willkürliche Entscheidungen oder Beschlüsse zur Wehr setzt, wie im vergangenen Dezember rund um die Innenministerkonferenz. Oder wie bei den Protesten gegen einen Investoren-Einstieg bei der DFL – oder für fangerechte Anstoßzeiten. Sie seien es, die den Verein auch im Herzen getragen haben oder tragen werden, wenn es im Dezember bei Minusgraden bei Erzgebirge Aue um wichtige Punkte gehe, und wie selbstverständlich die Reise auf sich nehmen.
Das ist die Kritik an den Ultras
Auch innerhalb des Vereins gelten Mitglieder der Ultra-Gruppen als wichtige Gesprächspartner, um Stimmungen einzufangen oder neue Denkanstöße zu bekommen. Zudem gibt es das Fangremium, das künftig sogar um eine Person aufgestockt wird, in dem Anhänger aller Couleur die Interessen der gesamten Fanszene vertreten sollen. Auch in diesem Gremium soll intensiv mit und über die Ultras diskutiert werden.
Ältere Fans in anderen Blöcken stimmen auch Lieder an
Der derzeit wohl größte Kritikpunkt ist allerdings jener die Stimmung betreffend. „Die Ultras“ würden sich nicht mehr darum scheren, was andere Fans wollen. Fans aus den Blöcken A und B, wo viele älter gewordene VfL-Fans sitzen, die einst selbst die Stimmung in der Ostkurve prägten, stimmten zuletzt immer wieder Schlachtrufe an, die früher einmal vom gesamten Stadion aufgenommen wurden. Spätestens, nachdem vom Vorsängerpodest, auf dem Vertreter der Ultras stehen, die Kurve dazu aufgefordert wurde. Immer häufiger – so berichten Fans – ziehen die aktiven Gruppen ihren „Singsang“ aber durch. Stücke, die von den Ultras angestimmt werden, gelten bei einigen Anhängern aber als langweilig und nicht anfeuerungsgerecht. Das Gespür für die Situation im Spiel würde fehlen.
Ein Punkt, der auch bei Mannschaft und Trainer angekommen ist. „Wir brauchen die Euphorie auch auf den Tribünen, damit die Fans uns nach vorn peitschen“, sagte VfL-Trainer Uwe Rösler einmal. Noch vor dem Schalke-Spiel kritisierte er, dass die Stimmung bei seinem allerersten Spiel gegen Hertha BSC deutlich besser gewesen sei, als das, was in den Heimspielen danach von den Rängen kam. Gegen Schalke wiederum tobte das Ruhrstadion über weite Strecken der Partie. Sicherlich auch dem Spielgeschehen geschuldet, ganz sicher aber auch, weil alle an einem Strang zogen.
Holtmann sieht Mannschaft des VfL ebenfalls in der Pflicht
„Gegen Schalke war die Stimmung top, das war ein besonderes Spiel, da standen alle VfL-Fans hinter uns, das Stadion wurde zur Festung. Diese Stimmung muss der Gradmesser für die kommenden Spiele sein“, sagte Gerrit Holtmann im Gespräch mit dieser Redaktion und nahm die Spieler mit ins Boot. „Am Ende sind wir auch mitverantwortlich dafür, dass die Fans mitgehen. Schießt du ein Tor, drehen alle am Helm. Solange die Fans das Gefühl haben, dass wir etwas bewegen können, werden sie hinter uns stehen. Das war auch gegen Schalke so, als deren Druck größer wurde.“
Dieses Spiel zeigte eindeutig, welche Kraft die Fans im Ruhrstadion entfachen können, wenn es um die Gemeinsamkeit geht und nicht um ein Gegeneinander. Denn ein Punkt, der im umstrittenen Europapokal-Lied gesungen wird, eint schließlich alle Fans des VfL Bochum: „Unser ganzes Leben widmen wir nur Dir.“
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."