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Kommt jetzt die Wachablösung in der Abwehr?
#1
Kevin Vogt feiert sein Comeback für den VfL Bochum in Berlin. Das hat Signalwirkung fürs Kiel-Spiel und die kommende Saison. Die Gründe. 

Entspannt quatschte Kevin Vogt noch über den großen Graben zwischen Platz und Tribüne hinweg mit einigen Fans des VfL Bochum im Gästebereich des Olympiastadions. Neben Premieren-Torschütze Leandro Morgalla, der in der Nachspielzeit zum 1:1 bei Hertha BSC eingenetzt hatte, war der 34-Jährige der größte Gewinner eines lange Zeit zähen Fußballabends. 

18 Spiele hatte er nach einer Knieverletzung verpasst. Vogt stand erst zum dritten Mal unter Trainer Uwe Rösler im Kader, hatte unter ihm noch keine Sekunde gespielt, war fast ein halbes Jahr raus. Das änderte sich in Berlin. Bereits Mitte der ersten Halbzeit wärmte er sich auf und kam nach dem Seitenwechsel für Noah Loosli in die Partie, in der Bochum offensiv so gar nichts einfallen wollte. 

Aufbauprobleme: Fehlpässe verhindern geordnetes Spiel
Vor allem Loosli war es, der aus dem geplanten Aufbau von hinten heraus eine Ballbesitz-Garantie für Berlin machte, mit langen Bällen ins Nichts, Fehlpässen in die Hertha-Füße. Damit konnte es auch kein geordnetes, früheres Pressing geben. Auch der zweite Innenverteidiger Philipp Strompf ist zwar ein Kämpfer in der Luft und am Boden, aber kein Mann für die spielerische Lösung. Da zudem Sechser Cajetan Lenz erneut keinen guten Tag hatte, konnte Bochum seinen Plan mit Ballbesitz und Mut überhaupt nicht umsetzen.

Der Coach reagierte. Rösler brachte Vogt. Der VfL wurde sicherer, der Aufbau besser. „Der Schlüssel war, dass wir mehr Ballbesitz haben mussten. Wir konnten in der ersten Halbzeit das Spiel nicht beruhigen, unsere Abläufe nicht reinbringen“, erklärte Rösler und sagte auf Nachfrage dieser Redaktion noch deutlicher: „Wir waren nicht in der Lage, Ballbesitz in der letzten Kette zu haben. Wenn wir über Ballbesitz reden, reden wir über Kevin Vogt. Ich bin Risiko gegangen, weil ich nicht genau wusste, wo Kevin steht. Er hat noch kein ganzes Freundschaftsspiel für uns gemacht. Das Risiko ist voll aufgegangen, er hat es sehr gut gemacht.“ 

Spielerische Qualität von Vogt hilft dem VfL Bochum
Fünfeinhalb Monate war Vogt ohne Spielpraxis, seit Dezember kämpfte er sich heran, „scharrt mit den Hufen“, wie Rösler jüngst sagte. Menschlich gab es ohnehin keine Probleme, versicherte Rösler, auch wenn der Anspruch des langjährigen Bundesliga-Routiniers natürlich ein Stammplatz ist.

Seine Erfahrung, seine Qualität am Ball halfen dem VfL bei Hertha auf Anhieb. Einziger Haken: Seine ein, zwei Aussetzer, die er auch als Chef der Dreierkette zu Saisonbeginn stets zeigte, hat er noch nicht abgelegt. So in Minute 86, als er den Ball gegen Michael Cuisance vertändelte, nach Not-Foul Gelb sah. 

Profis loben Vogt: Mehr Ruhe und Kontrolle nach Einwechslung
Dennoch: Das Positive überwog deutlich. „Er hat eine Ruhe am Ball, die in der Liga wenige haben. Er kann uns Pässe spielen und Räume geben, die uns guttun“, meinte Siegtorschütze Morgalla, der wie Vogt nach der Pause eingewechselt wurde und dem VfL mehr Dynamik und Struktur gab. „Er hat uns gut getan in der zweiten Halbzeit, aber auch alle anderen eingewechselten Spieler“, meinte der Rechtsverteidiger.

Auch Maximilian Wittek lobte die starke Bank, speziell Vogt: „Heute hat man wieder gesehen, dass wir sehr zusammengerückt sind. Kevin hat uns nochmal Stabilität reingebracht mit seiner Erfahrung. Er bringt am Ball Kontrolle und Ruhe rein, findet Lösungen. Maso hat es auch gut gemacht.“ 

Denn Erhan Masovic kam noch für den gelbbelasteten und von Krämpfen geplagten Strompf ins Spiel (73.), grätschte das 0:2 weg, war am 1:1 beteiligt. Von der Startelf-Viererkette blieb somit nur Wittek bis zum Schluss auf dem Platz. Mindestens ungewöhnlich. Und ein Fingerzeig für die Zukunft. 

Karten in der Verteidigung werden neu gemischt
Mit Vogt und Masovic drückte der VfL spät, aber letztlich noch erfolgreich auf den Ausgleich, ließ zudem keine Umschaltchance der Hertha zu. „Kevin und Maso haben uns Stabilität gegeben. Wir standen eins gegen eins in großen Räumen, das haben sie sehr gut gemacht“, meinte Rösler.

Die Karten in der Innenverteidigung werden neu gemischt. Loosli und Strompf waren bisher gesetzt, haben ihre Stärken im defensiven Zweikampf, aber erhebliche Schwächen im Aufbau. Ihre fußballerischen Mittel sind begrenzt, genügen nicht höheren Ansprüchen. 

VfL Bochum sucht Innenverteidiger
Masovic, der in Topform schon gezeigt hat, dass er verteidigen und einen geraden Pass spielen kann, war bisher die erste Alternative, Vogt vierte Wahl. Rösler will sein Team nach der erfolgreichen ersten Phase der Stabilisierung weiterentwickeln. In seinem Fußball soll es spielerische Lösungen von hinten heraus geben.

Falls Bochum in der kommenden Saison oben mitspielen will, wird es eine Kernaufgabe sein, einen, eher zwei spielstarke, zugleich schnelle Innenverteidiger mit Größe zu holen. Tempo haben alle vier aktuellen Verteidiger nicht, und die Verträge von Loosli und Masovic laufen aus. Vogts Kontrakt gilt noch ein Jahr, der von Strompf bis 2028. 

Bereits im Saisonendspurt könnte es zur Wachablösung kommen, Vogt auch mit Blick auf 2026/27 wieder die Rolle spielen, für die man ihn im Sommer holte, damals allerdings als Chef einer Dreierkette. Jetzt hat Vogt gezeigt, dass er auch in der Viererkette ein Gewinn für den VfL sein kann. Gegen den Tabellenvorletzten Holstein Kiel am kommenden Sonntag (13.30 Uhr/Sky) im Ruhrstadion würde es nicht verwundern, wenn Vogt von Beginn an den womöglich schon entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt herausspielen soll. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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