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Viel Geld, wenig Wirkung
#1
Bald rollen die Bagger "anne Castroper", dann wird das Ruhrstadion in Bochum drei Jahre lang saniert. Über 90 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, doch wirtschaftlich wird sich für den Zweitligisten nur wenig verbessern - und deutlich mehr Plätze gibt es auch nicht. Selbst für die Dauerkartenbesitzer wird es demnächst knapp. 

Feierstimmung wollte nicht so recht aufkommen, als der VfL Bochum und Vertreter der Stadt kurz vor Ostern die Sanierung des Ruhrstadions endgültig auf den Weg gebracht haben. In diesem Sommer sollen die ersten Bagger rollen. Bereits vor einigen Jahren begann die Diskussion um die Zukunft der traditionsreichen und bei vielen Fußballfans beliebten Spielstätte, die 1979 eröffnet wurde und pünktlich zum 50. Geburtstag im Jahr 2029 in neuem Glanz erstrahlen soll. 

Mehr als 90 Millionen Euro nimmt die Kommune als Eigentümerin in die Hand, um das Wohnzimmer des aktuellen Zweitliga-Zehnten zu modernisieren. Anfang April wurden die Verträge mit dem Bauunternehmen von Walter Hellmich unterzeichnet. Hellmich, der einst Vorsitzender des MSV Duisburg war, sprach von einer "besonderen Herausforderung". Eine Floskel? In diesem Fall wohl eher nicht. 

Brandschutzkonzept muss zügig überarbeitet werden
Denn die Mängel im Stadion an der Castroper Straße sind so groß, dass der VfL ohne Baumaßnahmen seine Heimspielstätte in absehbarer Zeit verlieren würde. Von den 91,9 Millionen Euro, die die Stadt im aktuellen Haushaltsplan ausgewiesen hat, fließt ein beträchtlicher Teil deshalb nur in den Erhalt der Immobilie. Vor allem die Technik ist veraltet, insbesondere die Flutlichtanlage. Ausfälle im laufenden Betrieb hat es sogar schon gegeben, zuletzt beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (0:1) im September 2025, als einer der vier Flutlichtmasten nicht mehr funktionierte. 

Zudem bestehen in den sanitären Anlagen und in den Verpflegungsständen seit geraumer Zeit Hygienemängel. Noch gravierender: Es gibt kein zeitgemäßes Brandschutzkonzept. Experten sprechen deshalb sogar von einem erheblichen Sicherheitsrisiko, das zügig behoben werden muss. Auch die markanten Sichelbinder, die das Stadion tragen, müssen dringend saniert werden. 

Kein Wunder also, dass Oberbürgermeister Jörg Lukat von einer "unumgänglichen Maßnahme" spricht, an deren Ende dem VfL wieder ein "für Jahrzehnte bundesligataugliches Stadion" zur Verfügung stünde. Zweifel daran, dass Lukat mit seiner Aussage Recht behält, gibt es in Bochum schon jetzt. 

Nur 2000 Plätze zusätzlich - Flexibel nutzbarer Gästebereich
Denn die Verbesserungen für den VfL werden trotz der großen Investitionssumme nicht allzu groß sein. Logisch, der Komfort steigt und soll auf das Niveau moderner Arenen gehoben werden. Auch die Spieler profitieren. Im Bereich unter der Haupttribüne entstehen neue Umkleidekabinen. Ein nennenswerter Gewinn sind ansonsten allerdings lediglich 2000 Zuschauerplätze mehr, ein größerer VIP-Bereich und eine "Fan-Plaza", die als zentraler Eingangsbereich dienen soll. 

Die zusätzlichen Zuschauerplätze entstehen, indem aus Sicherheitsgründen bislang gesperrte Bereiche reaktiviert und Sitz- in Stehplätze umgewandelt werden. 28.000 Zuschauer soll das Ruhrstadion ab 2029 fassen. Der Bedarf wäre aber eigentlich noch größer. In Erstligazeiten war der Heimbereich stets ausverkauft, und auch eine Spielklasse tiefer bleiben selten Tickets übrig. Die Zahl der Sitzplatztickets sinkt sogar. Immerhin soll der neue Gästebereich so gestaltet werden, dass VfL-Fans künftig Teile des Gästekontingents nutzen können, wenn dieses vom Gegner nicht abgerufen wird 

Wirtschaftlich profitiert der VfL von der Modernisierung kaum
Das Kernproblem: Wirtschaftlich profitieren wird der VfL von den Modernisierungsmaßnahmen kaum. Steigenden Einnahmen, etwa durch die Vermarktung des neuen VIP-Bereichs, steht eine deutlich höhere Pacht an die Stadt gegenüber. Zudem ist mit spürbaren Mindereinnahmen während der dreijährigen Bauphase zu rechnen, da Tribünenbereiche abschnittsweise gesperrt und damit nicht genutzt werden können. Für die nun erteilte Lizenz für die kommende Saison muss der VfL der Liga ab Juli quartalsweise Updates zum Umbau liefern. Ursprünglich war die Sanierungszeit auf zwei Jahre ausgelegt. Dies hätte aber noch deutlich größere Sperrungen im laufenden Spielbetrieb zur Folge gehabt. 

Eine Vereinbarung zwischen der Stadt und der Baufirma sieht nun vor, dass immer mindestens 18.000 Zuschauerplätze zur Verfügung stehen sollen. Trotzdem wird es enttäuschte Anhänger geben. Selbst die mehr als 17.000 Dauerkarteninhaber werden während der Umbauzeit nicht alle immer einen Platz finden - ihren eigenen erst recht nicht. Schließlich stehen den Gästen nach wie vor 10 Prozent aller Karten zu. Wie der VfL die Ticketvergabe regeln wird, ist noch offen. Klar ist nur: Beginnen wird die Sanierung mit der Haupttribüne, beendet mit dem Gästeblock. 

Ausbau oder Neubau? "Die Wahrscheinlichkeit geht gegen null"
Angesichts dieser Einschränkungen und der hohen Kosten fragen sich zumindest Teile der Bochumer Fangemeinde, wieso keine anderen Lösungen in Betracht gezogen wurden. Ein Ausbau an Ort und Stelle wäre nach einer Bewertung des beauftragten Architekturbüros und der Stadt in der Praxis nicht umsetzbar. "Die Wahrscheinlichkeit, das rechtssicher hinzubekommen, geht gegen null", sagte Stadtdezernent Markus Bradtke bei einer Informationsveranstaltung. 

Das Ruhrstadion genießt Bestandsschutz. Dieser wäre gefährdet, sobald relevante Änderungen am Bauwerk vorgenommen werden. Im direkten Umfeld des Stadions befinden sich dutzende Wohnhäuser. Bei einem Aus- oder Neubau entstünde eine neue Lärm- und Verkehrssituation. Infolgedessen wäre mit Anwohnerklagen zu rechnen. Sie könnten die Pläne entweder ganz zu Fall bringen oder die Baumaßnahmen jahrelang hinauszögern. 

Geprüft wurde diese Variante sogar. Die ersten Entwürfe aus dem Jahr 2021 beinhalteten die Idee, die Osttribüne als Heimat der VfL-Fans neu zu bauen, sodass die Kapazität auf rund 33.000 Plätze angestiegen wäre. Ansonsten gibt die Lage des Stadions wenig her. Hinter der Westtribüne stehen Wohnhäuser, hinter der Nordtribüne befindet sich das Stadioncenter und unmittelbar hinter der Südtribüne verläuft die Castroper Straße. 

Und sonst? Die seit 1911 für Fußball genutzte Fläche zu verlassen, um andernorts ein neues Stadion zu bauen, hat die Lokalpolitik gemeinsam mit der bis 2025 zuständigen Vereinsführung mehrheitlich abgelehnt, weil eine solche Lösung als unpopulär gilt. Eine optimale Fläche als Alternative stünde im Stadtgebiet derzeit ohnehin nicht zur Verfügung. Erst in einigen Jahren, und damit zu spät, soll ausgerechnet unweit des Ruhrstadions ein größeres Industriegelände frei werden. Doch für einen Neubau, der in etwa das Doppelte im Vergleich zur Sanierung kosten würde, fehlt der Stadt ohnehin das Geld. Und dem Verein erst recht. 

Philipp Rentsch

Quelle: Kicker.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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#2
Sehe ich das nur so, oder haben die Artikel von Rentsch fast immer einen negativen Touch. Egal über welches VfL - Thema er schreibt.
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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#3
Sagen wir einfach, er versteht sich als kritischer Beobachter. (Wobei eine Kritik ja nicht zwangsläufig negativ sein muss.)
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