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Deshalb sichert der Lenz-Deal die Zukunft ab
#1
Cajetan Lenz beschert dem VfL Bochum eine Millionen-Ablöse, es ist ein guter Deal. Die sportliche Führung treibt den Neustart voran. Ein Kommentar. 

Cajetan Lenz machte am späten Sonntagnachmittag, nach dem wichtigen 2:1-Sieg gegen Fürth, noch ein paar Fotos mit Fans, als sein Berater auf die Uhr schaute: „Wird Zeit zu gehen.“ Tags darauf sickerte durch: Es geht nach Hoffenheim. Das Talent des VfL Bochum wird seinen Jugendklub im Sommer verlassen. Ein Deal, der sportlich eine Lücke hinterlässt, dem Klub aber Planungssicherheit gibt, die dringend nötig ist. Denn der Umbruch nach dieser Spielzeit wird riesengroß ausfallen. Er kann und muss jetzt beginnen, nachdem der Klassenerhalt für Bochum fast sicher ist. 

10 Millionen Euro kassiert der VfL für Lenz, die Summe kann dank Erfolgsboni und Beteiligung an einem Weitertransfer auf bis zu 14 Millionen Euro steigen. Lenz könnte zum Rekordtransfer in der Vereinsgeschichte aufsteigen. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Auch der Verkaufsprozess zeigt, dass der VfL mit seiner neuen Führung alte Fehler nicht wiederholt. 

Poker um Lenz treibt den Preis
Eintracht Frankfurt legte frühzeitig ein Angebot vor, es soll sich im 5-Millionen-Euro-Rahmen bewegt haben. Die neue Sportspitze mit den Direktoren Simon Zoller, Markus Brunnschneider, Jonas Schlevogt und – wie bisher – Geschäftsführer Ilja Kaenzig aber ließ sich nicht treiben. Sie wurde in ihrem Vorgehen unterstützt vom neuen Präsidium, das vor knapp einem Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga gewählt wurde. Das Team um Andreas Luthe hatte bereits im Wahlkampf deutlich gemacht, dass der VfL Spieler, wie bei Dani de Wit oder Tim Oermann geschehen, nicht mehr (fast) verschenken dürfe.

Das zweite Angebot für Lenz kam, der Preis stieg. Hätte der VfL sogar noch länger warten sollen, um womöglich noch mehr zu kassieren? Ein klares Nein. Der VfL benötigt Klarheit, um selbst aktiv werden zu können. Und wer für Lenz, der in seiner ersten Profisaison zuletzt nicht mehr Stammkraft war bei einem abstiegsbedrohten Zweitligisten, 15 Millionen Euro oder gar noch mehr erwartet, hat den Sinn für die Realität verloren. 

VfL Bochum verdoppelt bereits seine Transfereinnahmen
Lenz‘ großer Durchbruch ist möglich, aber nicht sicher. 10 Millionen Euro plus eventueller Boni sind für einen 19 Jahre alten Zweitliga-Spieler ein sehr guter Deal, erst Recht für den VfL Bochum nach Jahren der Transfer-Tristesse. Der Verein hat seine Transfereinnahmen im Vergleich zur Vorsaison bereits mehr als verdoppelt. Der Lenz-Verkauf ist auch deshalb extrem wichtig, weil es außer Mats Pannewig aktuell keine Spieler gibt, die zwingend erforderliche höhere Einnahmen versprechen. Er sichert damit die Zukunft ab.

Reinvestieren in Zugänge kann der Klub die Lenz-Einnahmen aber nur zu einem kleineren Teil. Ein Defizit von prognostizierten fast 5 Millionen Euro belastet die Bilanz der schwierigen Saison 2025/26. Im zweiten Zweitligajahr sinken zum Beispiel die Einnahmen aus dem TV-Geld erheblich, der Stadionumbau kostet Eintrittsgelder, und noch gibt es auch keinen neuen Namensgeber für das Ruhrstadion. 

Radikaler Neustart im Sommer mit neuer Strategie
Dennoch: Der Lenz-Verkauf stärkt die Verhandlungsbasis vor allem bei Abgangskandidaten und vergrößert den Handlungsspielraum für Zugänge. Er eröffnet auch die Möglichkeit, beim Gehalt für Wunschspieler nachzubessern oder auch überschaubare Ablösen zu zahlen für Spieler, die ihren Wert noch steigern können. Etliche, teils ablösefreie Topkräfte der 3. Liga sind im Gespräch wie Mika Schroers (Aachen), Kaito Mizuta (RWE), Lars Kehl (Osnabrück).
Es soll künftig weniger Leihspieler geben und mehr Transferpotenzial gebunden werden, auch mit eigenen Talenten. Ein radikaler Neustart unter Trainer Uwe Rösler soll her. Mit einer Achse aus Führungskräften, die sich bereits zu Bochum bekannt haben, mit Timo Horn, Maximilian Wittek und Philipp Hofmann.

Viele Spieler werden den VfL Bochum verlassen
Dafür wird intern weiter aufgeräumt. Zehn Verträge laufen aus, die Zeichen stehen bei fast jedem betroffenen Spieler auf Trennung, von Matus Bero bis Erhan Masovic. Hinzu kommen Spieler, die sportlich keine oder kaum eine Rolle spielen. Ibrahim Sissoko oder der verliehene Mathis Clairicia etwa sollen den Etat nicht mehr belasten, auch die Zukunft von Kevin Vogt, Moritz Kwarteng oder dem ausgeliehenen Colin Kleine-Bekel ist offen. Und sollte für den zunächst fest eingeplanten Mats Pannewig ein hohes Angebot eintreffen, ist der Abgang eines weiteren VfL-Talentes nicht ausgeschlossen.

Was sportlich bedauerlich wäre. Wie bei Cajetan Lenz. Doch für eine halbwegs sichere Zukunft des VfL Bochum im Profifußball ist der Klub gezwungen, seine besten Talente teuer zu verkaufen und zugleich neue Transferwerte zu schaffen. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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