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Warum Berkan Taz eine Wundertüte ist
#1
Mit Berkan Taz wagt der VfL Bochum ein spannendes Experiment: Gelingt dem talentierten Mittelfeldspieler der Durchbruch in Liga zwei? 

Ein unbeschriebenes Blatt ist Berkan Taz mit seinen 27 Jahren und nach 234 Pflichtspielen im Seniorenbereich keinesfalls mehr. Beim VfL Bochum, der ihn ablösefrei vom SC Verl für zwei Jahre verpflichtete, ist er gut eine Woche vor dem Start in die Vorbereitung auf die neue Spielzeit in der Zweiten Liga aber so etwas wie eine Wundertüte. Erstmals soll der gebürtige Berliner in der zweithöchsten Spielklasse eine gewichtige Rolle bei einem Klub spielen. Vor gut acht Jahren kam er für Union Berlin einmal zu einem Kurzeinsatz in der Zweiten Liga, seine Qualitäten hat er derweil bislang nur in der Dritten Liga aufs Feld bringen können – allerdings auch nicht bei jeder Station so überragend, wie in den vergangenen beiden Spielzeiten beim SC Verl. 

Bei Waldhof Mannheim in der Saison 2022/2023 war der Weg für Taz nach einer starken Spielzeit für Borussia Dortmund II etwas beschwerlicher. Unter dem damaligen Trainer Christian Neidhart, der auch schon Rot-Weiss Essen coachte, war Taz zwar lange Stammspieler, schoss aber nur ein Tor und bereitete vier weitere in der Liga vor. „Es haben viele Dinge nicht so geklappt, wie er sich das vorgestellt hat“, sagt Neidhart rückblickend über einen Spieler, zu dem er immer eine gute Beziehung gehabt habe. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, dass das Umfeld in Mannheim weniger ruhig sei als beispielsweise in Verl, wo er überzeugte und den Bochumern schlussendlich auffiel. 

„Beko braucht sehr viel Vertrauen. Vom Trainer, den Mitspielern und dem Umfeld“, sagt Neidhart. „Wenn er das bekommt, dann ist er überragend. Fußballerisch ist er eine Granate, das wissen wir alle.“ Aber mit dem Druck bei Traditionsvereinen müssten Spieler erst einmal umgehen können. Zutrauen tut es sein Ex-Trainer Taz aber. „Berkan ist ein Riesentyp, der charakterlich super ist. Er ist ruhig und angenehm, will einfach nur zocken. Er lebt und liebt den Fußball“, so Neidhart. 

Taz ist ein „Straßenfußballer“
In Bochum trauen die Verantwortlichen Taz in jedem Fall die Adaption des Fußballs in der Zweiten Liga zu. „Taz hat schon einiges erlebt im Fußball. Für ihn ist es jetzt eine Riesenchance, bei einem großen Verein der Zweiten Liga den nächsten Sprung zu machen. Er ist 27, ist im besten Fußballalter. Und er kommt nicht aus einer Saison, in der er abgestiegen ist. Er kommt aus einer Saison, wo er der vielleicht sogar beste Spieler der 3. Liga war. Er kommt mit einem Stimmungshoch“, sagte Trainer Uwe Rösler kürzlich im Interview mit dieser Redaktion.

Taz soll in Bochum im offensiven Mittelfeld eine freiere Rolle bekommen, soll seine Stärken ausspielen können. „Wenn er diese Rolle wirklich bekommt und Beko mit dem Ball am Fuß ins Dribbling gehen kann, das Eins-gegen-eins suchen und sich frei entfalten darf, dann traue ich ihm viel zu“, sagt Neidhart über den „Straßenfußballer“. Diese manchmal leicht verspielte Art könnte allerdings im höheren Tempo und gegen qualitativ stärkere Defensivspieler in der Zweiten Liga auch problematisch werden. 

Neidhart: Taz lässt sich nicht verrückt machen
Doch Taz sei ein Spieler, der sich nicht verrückt machen lasse von einer schlechten Aktion oder einem Fehlpass. Unter Druck und mit dem Ball am Fuß galt er in den vergangenen beiden Drittliga-Jahren als der vielleicht stärkste Spieler der Liga. „Er will viele Kontakte und den Ball immer am Fuß haben. So kann er seine Mitspieler einsetzen oder mit seinem guten Abschluss selbst für Gefahr sorgen“, weiß Neidhart. Jene Qualitäten haben sie in Bochum im Kader der vergangenen Saison durchaus vermisst. Sein erster Kontakt ermöglicht ihm viele Räume, er dreht schnell auf und kann mit seinen diagonalen Bällen neue Räume eröffnen. Er soll einen wichtigen Part in der Spielgestaltung übernehmen.

Entscheidend für Taz sei nun, dass er in der Vorbereitung direkt die neuen Abläufe einstudieren könne, von Beginn an das Vertrauen spüre und sich frei entfalten könne. Taz sei ein Freigeist, dem man seine Stärken nicht berauben dürfe. „Er würde am liebsten mit dem Ball schlafen gehen“, sagt Neidhart über den Mann, der Bochum in der kommenden Saison ein offensives Element geben soll, das seit dem Abgang von Kevin Stöger zu Borussia Mönchengladbach schmerzlich vor allem von den Fans vermisst wurde. „Ich wünsche ihm, dass ihm das gelingt. Bekanntlich ist der nächste Schritt – was der Wechsel in die Zweite Liga für ihn ist – immer der schwerste“, so Neidhart. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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