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Crimaldi: VfL-Youngster über seine Profipläne
#1
Alessandro Crimaldi bestreitet mit 18 Jahren bereits seine dritte Profi-Vorbereitung beim VfL Bochum. Der Youngstar in seinem ersten Interview. 

Am Anfang wirkt Alessandro Crimaldi noch ein wenig nervös. Es ist das erste echte Interview, das der Deutsch-Italiener mit seinen immer noch gerade einmal 18 Jahren gibt. Dabei ist er in Bramberg bereits zum dritten Mal in seiner noch jungen Karriere in einem Sommer-Trainingslager dabei. Vor zwei Jahren war er direkt dabei, nachdem er aus der Jugend des VfL Wolfsburg in das Talentwerk wechselte - aber sofort Profiluft schnuppern durfte. 

Im Interview spricht Crimaldi über seine Entwicklung, wie er eine große Enttäuschung in diesem Sommer verarbeitet hat und warum er vom italienischen Fußball begeistert ist. 

Alessandro Crimaldi, das ist Ihre dritte Sommervorbereitung bei den Profis des VfL Bochum. Welche Entwicklungsschritte haben Sie gemacht, seitdem Sie 2024 das erste Mal dabei waren?
Alessandro Crimaldi: Zunächst einmal ist es cool, dass ich mit 18 Jahren schon dreimal dabei sein durfte. Es ist natürlich körperlich anstrengend gewesen, vor allem das erste Mal, als ich neu dazugekommen bin. Aber mit der Zeit ist das schon viel besser geworden. Ich glaube, jetzt bin ich bereit, den nächsten Schritt zu machen. Und dafür gebe ich weiter Gas.

Worin sehen Sie den größten Unterschied zum ersten Mal? Schließlich erleben Sie auch bereits den dritten Trainer in einer Vorbereitung. 
Alle Trainer waren in ihrer Herangehensweise sehr unterschiedlich. Peter Zeidler bin ich vor allem dankbar, dass ich dabei sein durfte. Bei Dieter Hecking habe ich sehr viel mitgenommen. Das ging schon los mit der körperlichen Präsenz. Bei Uwe Rösler kommt nun alles zusammen. Ich glaube, dass ich von ihm noch sehr viel lernen werde. Er fordert sehr viel von uns und das nehme ich mir zu Herzen.

Sie sind Teil einer jungen Mannschaft und der Umbruch war groß. Dennoch scheinen Sie von der Struktur her gut zusammenzupassen.
Es sind in dieser Saison mehrere Jungs dabei, die aus der Jugend hochkommen, und ich finde es gut, wie uns die älteren Spieler aufnehmen. Sie reden viel mit uns, helfen uns hier und dort – ob im Training oder außerhalb. Ich glaube, dass das Trainingslager dabei helfen wird, alle noch mehr zusammenzuschweißen. Ich denke, dass wir alle viel voneinander lernen und etwas mitnehmen können.

Von wem haben Sie in den drei Jahren am meisten gelernt?
Ich möchte da keinen einzelnen Spieler herauspicken, alle älteren Spieler haben mir stets geholfen. Maxi und Hoffi (Wittek und Hofmann, Anm. d. Red.) zum Beispiel wissen viel und kennen sich sehr gut aus mit allem Drum und Dran. Von denen kann ich mit Sicherheit sehr viel mitnehmen. 

Fühlen Sie sich inzwischen angekommen im Profizirkus?
Am Anfang habe ich natürlich etwas gebraucht, um mich einzufinden, aber inzwischen fühle ich mich sehr wohl. Ich hoffe, dass ich weitere Fortschritte mache, ich bin ja immer noch jung. Aber ich habe auf jeden Fall einen Schritt nach vorn gemacht habe, wenn ich das mit der Zeit vor einem oder zwei Jahren vergleiche.

Der VfL Bochum hat Sie vom VfL Wolfsburg für die Jugendabteilung verpflichtet und eine nicht unerhebliche Ablöse bezahlt. War das je Thema bei Ihnen?
Nein. Ich habe nie daran gedacht, sondern habe immer nur den Fokus auf den Fußball gelegt. Ich habe in Wolfsburg und dann in Bochum versucht, mein Ding zu machen. Ich wollte mich einfach fußballerisch verbessern und das Beste draus machen.

Ihre Familie ist mit nach Bochum gezogen. Hat Ihnen das geholfen?
Auf jeden Fall. Die Familie ist das Wichtigste für mich. Ich war damals in Wolfsburg für zwei Jahre allein, weil ich mit 14 Jahren von zu Hause ausgezogen und ins Internat beim VfL gekommen bin. Daher sollte mein nächster Schritt die Familie mit einbeziehen, und ich bin froh, dass sie für mich mit nach Bochum gekommen ist. Das hat mir sehr geholfen und tut es nach wie vor.

Ihr Vater ist Italiener. In der Regel sind Italiener enorm fußballbegeistert. Bekommen Sie das oft zu spüren?
Mein Vater hat früher selbst für die SSC Neapel in der Jugend Fußball gespielt, weiß also, wie das ist. Er hat mich von vornherein unterstützt, hat jedes Training und jedes Spiel gesehen. Inzwischen ist das etwas schwieriger, aber er versucht, mich immer noch regelmäßig zu begleiten. Zu Hause sprechen wir viel über Fußball, er sagt mir, wie ich trainiert oder gespielt habe, und spiegelt mir seine Meinung ehrlich wider. Das ist wichtig, auch wenn es natürlich auch mal Kritik gibt (lacht).

Ihr Vater hat in Neapel gespielt. Sind Sie Fan des Vereins?
Ja. Mein Vater erzählt noch heute von der Zeit in dem Verein und die SSC ist schon in meinem Herzen, das kann ich nicht leugnen. Die Stadt hat auch einfach einen positiven Charme.

Wie viel Italiener und wie viel Deutscher steckt im Fußballer Alessandro Crimaldi?
Ich würde sagen, dass ich von beiden Seiten etwas mitnehme, tendiere aber eher zum italienischen Fußball. Ich spiele ja auch für die Jugendnationalmannschaften. In Italien wird ein bisschen einfacher Fußball gespielt, aber das ist schwer zu beschreiben. Ich fühle mich dort einfach wohl. Es ist im Allgemeinen etwas lockerer, aber wenn es ins Spiel geht, ist jeder voll fokussiert. Aber ich bin ja schon mein Leben lang in Deutschland und dem deutschen Fußball auch sehr dankbar, was ich hier alles gelernt habe. Deshalb nehme ich von beiden Seiten etwas mit.

Dennoch wurden Sie in diesem Sommer vom italienischen Verband enttäuscht, weil dieser Sie nicht für die U19-EM in Wales nominiert hat. Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich bin schon davon ausgegangen, nominiert zu werden, weil ich in der Woche zuvor noch bei einem Lehrgang dabei war. Aber der Trainer und der Verband haben so entschieden. Deshalb war ich natürlich zunächst etwas geknickt, habe dann aber schnell nach vorn geguckt und das Positive gesehen: Ich war von Beginn der Vorbereitung beim VfL dabei und konnte mich direkt zeigen, ich habe jede Einheit mitgemacht. Das hilft mir sicherlich in der Entwicklung.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie näher herangerückt sind, weil Sie die gesamte Zeit beim Team dabei waren?
Wir sind eine komplett neue Mannschaft, in der erst jeder seine Rolle finden muss. Ich habe aber schon das Gefühl, dass ich einen Fortschritt gegenüber dem vergangenen Jahr gemacht habe. Für mich gilt: Ich muss jeden Tag Gas geben und hoffe, darüber auf meine Spielzeit zu kommen.

Auf der linken Offensivseite spielt mit Gerrit Holtmann ein Spieler, der – wenn fit – in der Regel gesetzt ist. Was lernen Sie von ihm?
Ich würde schon sagen, dass Gerrit im Verein eine Legende ist und daher ist es schön, mit ihm zusammenzuspielen. Er ist auch außerhalb des Platzes ein toller Typ. Er unterstützt mich sehr viel – auf und neben dem Platz. Er weiß, was man machen muss, welche Dinge man besser nicht tut. Er führt uns junge Spieler gut und ich bin froh, ihn in unserem Team zu haben.

Ist die Offensive durch die Neuzugänge stärker geworden?
Es ist wie gesagt eine komplett neue Mannschaft, deshalb sollte man da erstmal abwarten, aber ich bin sehr guter Dinge, dass es eine gute Saison werden kann, wenn alle Gas geben. Ich werde es auf jeden Fall tun, um meinen Teil dazu beizutragen und möglichst auf Spielzeit zu kommen.

Wenn nicht, würden Sie sich auch ausleihen lassen oder in der U21 spielen, wie in der vergangenen Saison?
Mein Ziel ist es, dass ich hier beim VfL Bochum den Durchbruch schaffe. Dafür muss ich alles geben. Ich möchte hier Spiele und Erfahrung sammeln, meine Leistung bringen. Das entscheidet am Ende aber der Trainer. Sollte in der U21 Bedarf sein und ich da Spielpraxis sammeln kann, spiele ich da gern.

Wohin geht Ihrer Meinung nach die Reise des VfL Bochum in der kommenden Spielzeit?
Ich hoffe erstmal auf einen guten Saisonstart. Dann müssen wir abwarten, wie sich alles entwickelt. Ich bin wie gesagt guter Dinge, wenn jeder Gas gibt, dass es eine gute Saison werden kann.

[url=https://www.waz.de/sport/vfl-bochum/article412637100/vfl-bochum-crimaldi-spricht-ueber-italien-liebe-entwicklung-und-enttaeuschungen.html} Quelle: WAZ.de [/url]
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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