Vor 10 Stunden
In Bochum türmen sich die Probleme. Der VfL steckt im Abstiegskampf, die Fans sind sauer, die Stimmung ist mies, die Heimbilanz erschreckend. Ein Kommentar.
Es gab nicht wenige im Ruhrstadion an diesem grauen Sonntagnachmittag, deren Herz für den VfL Bochum schlägt und die zur Pause dachten: Es kann ja eigentlich nur besser werden.
Es wurde schlechter.
0:1 gegen stark verteidigende, ansonsten biedere Bielefelder. Selbst die Defensive wirkte bei den wenigen Angriffen der Arminen wackeliger als in den Partien zuvor. Und die Offensive ängstlicher, mutloser, ideenloser als bei den bisherigen Heimspielen. 0:1. 0:1. 1:1. 0:1. Was für eine Heimbilanz des Schreckens.
Abwärtstrend in den Heimspielen: Beste Leistung gegen Hertha
Es gibt sogar einen Abwärtstrend: Gegen Spitzenreiter Hertha konnte der VfL in der zweiten Halbzeit überzeugen, gegen Osnabrück sich einige Chancen erspielen, gegen Fürth immerhin ein Tor erzielen. Davon war Bochum gegen den NRW-Rivalen aus Bielefeld weit entfernt. Dass es auswärts im Ergebnis und vor allem spielerisch bisher deutlich besser lief, interessiert nach Null-Tore-Heimspielen zumindest für den Moment niemanden. Zu tief sitzt der Frust.
Bochum hatte zwar viel Ballbesitz, wusste damit aber nichts Entscheidendes anzufangen. Der VfL zur Stunde ist zu ausrechenbar. Die bisherigen Gegner bildeten im Ruhrstadion einen massiven Abwehrblock, lauerten auf ihre Chance, nutzten sie. Sie beackerten Philipp Hofmann und, wie nun Arminia, idealerweise auch noch Koji Miyoshi. Das Zentrum: dicht. Und über die Außen kamen die Flanken nicht an. Es gab kaum dynamische Vorstöße, kaum Zug, kaum Tempo und keinen Plan B.
Viele Verletzte, kaum Alternativen auf der Bank des VfL Bochum
Warum nicht? Blickt man auf die Bank, hatte Trainer Uwe Rösler wenig Alternativen. Berkan Taz machte das VfL-Spiel nach seiner Einwechslung noch langsamer. Daniel Hanslik ist beim VfL sportlich bisher nicht angekommen. Yigit Karademir ist Verteidiger, Leon Sawas noch in der Ausbildung zum Profifußballer, Lasse Isbruch ebenso, Mansour Ouro-Tagba noch keine echte Option.
Fünf Profis fehlen langzeitverletzt, insbesondere der Ausfall von Enis Cokaj macht sich bemerkbar. Echten Konkurrenzkampf gibt es derzeit auf zu wenigen Positionen. Der aus tragischen Gründen leider alternativlose Ausfall von Jarne Steuckers tat sein Übriges.
Der VfL Bochum kann seine Spielidee nicht einfach über Bord werfen
Und nun? Weg vom neuen Ballbesitz-Fußball, der auswärts zumindest in Phasen gut funktionierte, wenn die Gegner wie Hannover oder Dresden eher versuchen, selbst Fußball zu spielen? Lieber nicht. Der mit etlichen guten Fußballern wie Christian Rasmussen oder Koji Miyoshi gut bestückte Kader ist auf Dominanz und Spielstärke ausgerichtet, über die sieben Partien betrachtet hat der VfL hier auch deutlich zugelegt. Defensiv und im Aufbau ist er stärker als in der Vorsaison. Eine Umkehr zum tief stehenden VfL und zum Lange-Bälle-auf-Hofmann-Stil würde dem Charakter des im Sommer aufwändig neu zusammengestellten Teams nicht entsprechen – und die Probleme bei der mangelnden Durchschlagskraft im letzten Drittel auch nicht per se lösen.
Die kommenden Gegner haben finanziell, individuell, tabellarisch ein anderes Kaliber als Bielefeld oder Osnabrück. Es geht nach Kaiserslautern, es geht gegen Wolfsburg. Vielleicht, das ist eine Hoffnung, fällt es Bochum gegen favorisierte, spielstärkere Teams erneut leichter, selbst mehr Räume zu finden, gefährlicher zu werden. Klar ist aber: Der VfL ist derzeit wieder im Krisenmodus angekommen, wie immer im Herbst in den letzten Jahren. Er steckt, das sollte niemand schönreden, im Abstiegskampf, auch wenn die Saison noch jung ist. Die Ambition ging in die andere Richtung.
Baustelle Ruhrstadion: Hüpfverbot belastet Fans und Verein
Dass das Ruhrstadion eine große Baustelle ist und noch knapp drei Jahre bleiben wird, macht das sportliche Heim-Dilemma noch verzwickter. Das von der Stadt erlassene Hüpfverbot in der Ostkurve stößt vor allem wegen einer schlechten Kommunikation auf breites Unverständnis der Fans, die sich weitgehend und nur zähneknirschend daran hielten, weil der Verein sonst ins Bodenlose stürzen würde bei einer Sperrung der Ostkurve, weil viele Fans selbst sonst ihre sportliche Heimat auf Zeit verlieren würden. Zahlreiche Protestbanner aber hielten die Anhänger immer wieder hoch, es gab Stadiondurchsagen und -Anzeigen, die Stimmung litt auch darunter. Der VfL Bochum muss die Verordnung umsetzen, am Hüpfverbot trägt er keine Schuld. Es wird den Klub aber weiterhin belasten.
Umso wichtiger wäre es in dieser Gemengelage, in der es auch unter den Fans ja schon lange nicht mehr so harmonisch läuft wie noch in der ersten Nach-Corona- und Bundesliga-Zeit, dass die Mannschaft ihre Heimzuschauer begeistert, den Funken überspringen, den Fokus aufs Spiel richten lässt. Am Sonntag konnte sie niemand mitreißen. Die Stimmung war entsprechend kühl, gelinde gesagt. Am Ende gab es Pfiffe. Verständlich.
Nicht ausverkauft: Das Interesse am VfL Bochum schwindet
Nicht einmal gegen Bielefeld, beim brisanten und einzigen NRW-Duell, war das Stadion trotz reduzierter Kapazität ausverkauft, rund 200 der noch 22.500 Tickets blieben Ladenhüter. Immer weniger Fans sind bereit, für tristen Zweitliga-Fußball zu zahlen. Der VfL Bochum muss schnell, schon gegen Wolfsburg in knapp zwei Wochen, die Wende im eigenen Haus einläuten. Sonst droht er, überspitzt gesagt, das Stadion leerzuspielen.
Quelle: WAZ.de
Es gab nicht wenige im Ruhrstadion an diesem grauen Sonntagnachmittag, deren Herz für den VfL Bochum schlägt und die zur Pause dachten: Es kann ja eigentlich nur besser werden.
Es wurde schlechter.
0:1 gegen stark verteidigende, ansonsten biedere Bielefelder. Selbst die Defensive wirkte bei den wenigen Angriffen der Arminen wackeliger als in den Partien zuvor. Und die Offensive ängstlicher, mutloser, ideenloser als bei den bisherigen Heimspielen. 0:1. 0:1. 1:1. 0:1. Was für eine Heimbilanz des Schreckens.
Abwärtstrend in den Heimspielen: Beste Leistung gegen Hertha
Es gibt sogar einen Abwärtstrend: Gegen Spitzenreiter Hertha konnte der VfL in der zweiten Halbzeit überzeugen, gegen Osnabrück sich einige Chancen erspielen, gegen Fürth immerhin ein Tor erzielen. Davon war Bochum gegen den NRW-Rivalen aus Bielefeld weit entfernt. Dass es auswärts im Ergebnis und vor allem spielerisch bisher deutlich besser lief, interessiert nach Null-Tore-Heimspielen zumindest für den Moment niemanden. Zu tief sitzt der Frust.
Bochum hatte zwar viel Ballbesitz, wusste damit aber nichts Entscheidendes anzufangen. Der VfL zur Stunde ist zu ausrechenbar. Die bisherigen Gegner bildeten im Ruhrstadion einen massiven Abwehrblock, lauerten auf ihre Chance, nutzten sie. Sie beackerten Philipp Hofmann und, wie nun Arminia, idealerweise auch noch Koji Miyoshi. Das Zentrum: dicht. Und über die Außen kamen die Flanken nicht an. Es gab kaum dynamische Vorstöße, kaum Zug, kaum Tempo und keinen Plan B.
Viele Verletzte, kaum Alternativen auf der Bank des VfL Bochum
Warum nicht? Blickt man auf die Bank, hatte Trainer Uwe Rösler wenig Alternativen. Berkan Taz machte das VfL-Spiel nach seiner Einwechslung noch langsamer. Daniel Hanslik ist beim VfL sportlich bisher nicht angekommen. Yigit Karademir ist Verteidiger, Leon Sawas noch in der Ausbildung zum Profifußballer, Lasse Isbruch ebenso, Mansour Ouro-Tagba noch keine echte Option.
Fünf Profis fehlen langzeitverletzt, insbesondere der Ausfall von Enis Cokaj macht sich bemerkbar. Echten Konkurrenzkampf gibt es derzeit auf zu wenigen Positionen. Der aus tragischen Gründen leider alternativlose Ausfall von Jarne Steuckers tat sein Übriges.
Der VfL Bochum kann seine Spielidee nicht einfach über Bord werfen
Und nun? Weg vom neuen Ballbesitz-Fußball, der auswärts zumindest in Phasen gut funktionierte, wenn die Gegner wie Hannover oder Dresden eher versuchen, selbst Fußball zu spielen? Lieber nicht. Der mit etlichen guten Fußballern wie Christian Rasmussen oder Koji Miyoshi gut bestückte Kader ist auf Dominanz und Spielstärke ausgerichtet, über die sieben Partien betrachtet hat der VfL hier auch deutlich zugelegt. Defensiv und im Aufbau ist er stärker als in der Vorsaison. Eine Umkehr zum tief stehenden VfL und zum Lange-Bälle-auf-Hofmann-Stil würde dem Charakter des im Sommer aufwändig neu zusammengestellten Teams nicht entsprechen – und die Probleme bei der mangelnden Durchschlagskraft im letzten Drittel auch nicht per se lösen.
Die kommenden Gegner haben finanziell, individuell, tabellarisch ein anderes Kaliber als Bielefeld oder Osnabrück. Es geht nach Kaiserslautern, es geht gegen Wolfsburg. Vielleicht, das ist eine Hoffnung, fällt es Bochum gegen favorisierte, spielstärkere Teams erneut leichter, selbst mehr Räume zu finden, gefährlicher zu werden. Klar ist aber: Der VfL ist derzeit wieder im Krisenmodus angekommen, wie immer im Herbst in den letzten Jahren. Er steckt, das sollte niemand schönreden, im Abstiegskampf, auch wenn die Saison noch jung ist. Die Ambition ging in die andere Richtung.
Baustelle Ruhrstadion: Hüpfverbot belastet Fans und Verein
Dass das Ruhrstadion eine große Baustelle ist und noch knapp drei Jahre bleiben wird, macht das sportliche Heim-Dilemma noch verzwickter. Das von der Stadt erlassene Hüpfverbot in der Ostkurve stößt vor allem wegen einer schlechten Kommunikation auf breites Unverständnis der Fans, die sich weitgehend und nur zähneknirschend daran hielten, weil der Verein sonst ins Bodenlose stürzen würde bei einer Sperrung der Ostkurve, weil viele Fans selbst sonst ihre sportliche Heimat auf Zeit verlieren würden. Zahlreiche Protestbanner aber hielten die Anhänger immer wieder hoch, es gab Stadiondurchsagen und -Anzeigen, die Stimmung litt auch darunter. Der VfL Bochum muss die Verordnung umsetzen, am Hüpfverbot trägt er keine Schuld. Es wird den Klub aber weiterhin belasten.
Umso wichtiger wäre es in dieser Gemengelage, in der es auch unter den Fans ja schon lange nicht mehr so harmonisch läuft wie noch in der ersten Nach-Corona- und Bundesliga-Zeit, dass die Mannschaft ihre Heimzuschauer begeistert, den Funken überspringen, den Fokus aufs Spiel richten lässt. Am Sonntag konnte sie niemand mitreißen. Die Stimmung war entsprechend kühl, gelinde gesagt. Am Ende gab es Pfiffe. Verständlich.
Nicht ausverkauft: Das Interesse am VfL Bochum schwindet
Nicht einmal gegen Bielefeld, beim brisanten und einzigen NRW-Duell, war das Stadion trotz reduzierter Kapazität ausverkauft, rund 200 der noch 22.500 Tickets blieben Ladenhüter. Immer weniger Fans sind bereit, für tristen Zweitliga-Fußball zu zahlen. Der VfL Bochum muss schnell, schon gegen Wolfsburg in knapp zwei Wochen, die Wende im eigenen Haus einläuten. Sonst droht er, überspitzt gesagt, das Stadion leerzuspielen.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."