Gestern, 12:03 PM
Zwei Langzeitverletzte, kurzfristige Ausfälle, Spieler mit Nachholbedarf: Der VfL Bochum muss viele Probleme bewältigen. Der Klub geht ins Risiko.
Bereits vor dem ernüchternden 0:1 gegen den VfL Osnabrück warf Trainer Uwe Rösler auf der Pressekonferenz nach der entsprechenden Frage einen vergleichsweise weiten Blick voraus. Nach der dreiwöchigen Länderspielpause sollten alle Profis, die mit Trainingsrückständen später in die Vorbereitung eingestiegen sind, das gern zitierte 100-Prozent-Fitness-Niveau erreicht haben, sagte Rösler sinngemäß. Bis dahin steigen noch die Spiele in Dresden (5. September, 20.30 Uhr), gegen Fürth (12. September, 13 Uhr) und in Hannover (20. September, 13.30 Uhr).
Das Problem: Der Coach ist längst auf seine Schlüsselspieler angewiesen, auch wenn sie noch nicht ihr Leistungslimit erreicht haben, vielleicht: erreicht haben können. Im Grundlagenbereich sind zwar die meisten Spieler mittlerweile auf Stand, in der sogenannten fußballspezifischen Fitness fehlen manchen aber noch einige Prozentpunkte.
Karol Mets, der vor dem Trainingslager verpflichtete Abwehrchef, macht das mit seiner Routine weitgehend wett, hat aber auch noch Luft nach oben. Mats Pannewig ist zwar gegen Osnabrück erstmals über 90 Minuten wie gewohnt viel gerannt, leistete sich aber viele Ballverluste, verlor zu viele Zweikämpfe. Der Achter, auf den Bochum setzt und auf dessen Dynamik er als Verbindungsmann angewiesen ist, hat seine schwere Schienbeinverletzung zwar schneller auskuriert als zunächst befürchtet. Die fehlende Matchpraxis aber ist ihm anzumerken.
Holtmann und Wittek waren angeschlagen
Linksaußen Gerrit Holtmann, in der Vorbereitung ebenfalls erst spät ins Mannschaftstraining eingestiegen, fiel nach seinem ersten Startelf-Einsatz in Braunschweig ein paar Tage aus, kann so kaum in den Rhythmus kommen. Aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit ist fraglich, ob der Sprinter Woche für Woche komplett zur Verfügung steht. Dabei kann der VfL auf sein Tempo, seine Geradlinigkeit kaum verzichten, was sich gegen Osnabrück zumindest phasenweise zeigte. Flügelpendant Christian Rasmussen hat ebenso noch Nachholbedarf.
Linksverteidiger Maxi Wittek, der auch erst im Trainingslager richtig ins Mannschaftstraining einstieg, ist körperlich zwar wieder auf der Höhe, aber längst nicht auf seinem Top-Niveau angekommen. Sein im Winter geholter Herausforderer Mikkel Rakneberg soll im Idealfall diese Woche erst wieder vollständig ins Training zurückkehren, nach monatelanger Verletzungspause. Und Rechtsverteidiger Oliver Olsen, der sich in der Vorbereitung bereits schwer tat, musste gegen Osnabrück ran, obwohl er nach einer Verletzung an der Ferse im Fürth-Spiel früh ausgewechselt wurde und mehrere Einheiten verpasst hatte. Olsen war einer von vielen Schwachpunkten gegen den Aufsteiger.
Cokaj-Ausfall wiegt schwer beim VfL Bochum
Umso schwerwiegender wiegen die Ausfälle. Enis Cokaj, der bis dato überzeugende Sechser, der auch als Typ vorangeht auf dem Platz, fiel gegen Osnabrück kurzfristig aus, soll gegen Dresden aber wieder dabei sein können. Mit Jean Manuel Mbom (schwere Verletzung am Sprunggelenk) bricht monatelang die gestandene Alternative für Cokaj und Olsen weg. Auch Perspektiv-Flügelflitzer Babis Drakas fehlt nach einer Knie-Operation vermutlich zumindest bis zum Jahresende.
Bewusst hat der VfL den Kader klein gehalten. Derzeit zählen – ohne Mbom und Drakas – 20 Profis zum Trainingsstamm, inklusive des erst spät hinzugestoßenen Perspektiv-Stürmers Mansour Ouro-Tagba, der gegen Osnabrück für ein paar Minuten sein Zweitliga-Debüt gab, dabei keine Akzente setzen konnte. Doch der Bedarf ist offensichtlich: Für Olsen fehlt eine Alternative hinten rechts, zudem ein Stürmer mit Tempo, Tiefgang und Torgefahr sowie ein spielstarker Achter, der auch auf der Sechs agieren kann.
Dass es im Offensivproblem noch gewaltig hakt, belegen allein die nackten Zahlen: ein Tor in drei Ligaspielen, kein Tor in zwei Heimspielen. Es fehlen Zielstrebigkeit, Geschwindigkeit, Kreativität, Mut zum Abschluss. Ein Grund: Berkan Taz kommt noch nicht in die Spur. Der Spielmacher zeigte gute Ansätze gegen Hertha und in Braunschweig. In den letzten beiden Partien kam nur wenig von dem Topscorer der 3. Liga. In den letzten drei Spielen wechselte ihn Uwe Rösler nach jeweils rund einer Stunde aus. Nicht wegen fehlender Fitness, sondern weil ihm die Bindung fehlte. Ballbehauptung und Durchsetzungsvermögen ließen zu wünschen übrig.
Rösler schwärmt von Miyoshi
Koji Miyoshi zeigte nach der Umstellung gegen Osnabrück, dass er als Alternative auf der Zehn für Impulse sorgen kann – und fehlt dann auf der rechten Bahn, wo er als in die Halbräume ziehender Dribbler, Unruhestifter und Vorbereiter gefragt ist. „Koji war der Spieler, der in diesen engen Räumen, mit Abstand das Beste und Meiste kreieren konnte“, lobte Rösler einen der wenigen überzeugenden Spieler nach der „Ohrfeige“ (Rösler) gegen Osnabrück. Wobei erneut deutlich wurde, dass Miyoshi eben mehr Vorbereiter und Wuselmann ist als Vollstrecker.
Und im Zentrum? Tom Meyer erledigte seinen Job bei seinem Startelf-Debüt unaufgeregt und konsequent, war nach einer Stunde allerdings ausgelaugt. Lasse Isbruch feierte in der letzten halben Stunde ein beherztes Profi-Debüt. Die 18-Jährigen zeigten, dass auf sie Verlass ist, dass sie viel Potenzial haben. Ob sie das gleich über eine gesamte Saison leisten können, auch der Belastung dauerhaft standhalten, muss sich aber noch zeigen.
Pannewig musste durchhalten gegen Osnabrück – mehr Alternativen gab es nicht. Allein das zeigt, dass der VfL ein Wagnis eingeht, wenn er bis zum Transferschluss keinen zentralen Mittelfeldspieler mehr holt, wie es bis zur Mbom-Verletzung eigentlich geplant war. Die Gespräche waren wie berichtet weit fortgeschritten, etwa mit Sebastian Klaas (SC Paderborn) und Charlie Patino (Deportivo A Coruna). Zwei Spieler – ein Rechtsverteidiger und ein Stürmer – sollen noch kommen bis zum Transferschluss am 1. September, 18 Uhr. Wenngleich der Bedarf im Zentrum im Osnabrück-Spiel auch von den Verantwortlichen noch einmal wahrgenommen wurde. Möglicherweise wird noch einmal umgedacht.
Quelle: WAZ.de
Bereits vor dem ernüchternden 0:1 gegen den VfL Osnabrück warf Trainer Uwe Rösler auf der Pressekonferenz nach der entsprechenden Frage einen vergleichsweise weiten Blick voraus. Nach der dreiwöchigen Länderspielpause sollten alle Profis, die mit Trainingsrückständen später in die Vorbereitung eingestiegen sind, das gern zitierte 100-Prozent-Fitness-Niveau erreicht haben, sagte Rösler sinngemäß. Bis dahin steigen noch die Spiele in Dresden (5. September, 20.30 Uhr), gegen Fürth (12. September, 13 Uhr) und in Hannover (20. September, 13.30 Uhr).
Das Problem: Der Coach ist längst auf seine Schlüsselspieler angewiesen, auch wenn sie noch nicht ihr Leistungslimit erreicht haben, vielleicht: erreicht haben können. Im Grundlagenbereich sind zwar die meisten Spieler mittlerweile auf Stand, in der sogenannten fußballspezifischen Fitness fehlen manchen aber noch einige Prozentpunkte.
Karol Mets, der vor dem Trainingslager verpflichtete Abwehrchef, macht das mit seiner Routine weitgehend wett, hat aber auch noch Luft nach oben. Mats Pannewig ist zwar gegen Osnabrück erstmals über 90 Minuten wie gewohnt viel gerannt, leistete sich aber viele Ballverluste, verlor zu viele Zweikämpfe. Der Achter, auf den Bochum setzt und auf dessen Dynamik er als Verbindungsmann angewiesen ist, hat seine schwere Schienbeinverletzung zwar schneller auskuriert als zunächst befürchtet. Die fehlende Matchpraxis aber ist ihm anzumerken.
Holtmann und Wittek waren angeschlagen
Linksaußen Gerrit Holtmann, in der Vorbereitung ebenfalls erst spät ins Mannschaftstraining eingestiegen, fiel nach seinem ersten Startelf-Einsatz in Braunschweig ein paar Tage aus, kann so kaum in den Rhythmus kommen. Aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit ist fraglich, ob der Sprinter Woche für Woche komplett zur Verfügung steht. Dabei kann der VfL auf sein Tempo, seine Geradlinigkeit kaum verzichten, was sich gegen Osnabrück zumindest phasenweise zeigte. Flügelpendant Christian Rasmussen hat ebenso noch Nachholbedarf.
Linksverteidiger Maxi Wittek, der auch erst im Trainingslager richtig ins Mannschaftstraining einstieg, ist körperlich zwar wieder auf der Höhe, aber längst nicht auf seinem Top-Niveau angekommen. Sein im Winter geholter Herausforderer Mikkel Rakneberg soll im Idealfall diese Woche erst wieder vollständig ins Training zurückkehren, nach monatelanger Verletzungspause. Und Rechtsverteidiger Oliver Olsen, der sich in der Vorbereitung bereits schwer tat, musste gegen Osnabrück ran, obwohl er nach einer Verletzung an der Ferse im Fürth-Spiel früh ausgewechselt wurde und mehrere Einheiten verpasst hatte. Olsen war einer von vielen Schwachpunkten gegen den Aufsteiger.
Cokaj-Ausfall wiegt schwer beim VfL Bochum
Umso schwerwiegender wiegen die Ausfälle. Enis Cokaj, der bis dato überzeugende Sechser, der auch als Typ vorangeht auf dem Platz, fiel gegen Osnabrück kurzfristig aus, soll gegen Dresden aber wieder dabei sein können. Mit Jean Manuel Mbom (schwere Verletzung am Sprunggelenk) bricht monatelang die gestandene Alternative für Cokaj und Olsen weg. Auch Perspektiv-Flügelflitzer Babis Drakas fehlt nach einer Knie-Operation vermutlich zumindest bis zum Jahresende.
Bewusst hat der VfL den Kader klein gehalten. Derzeit zählen – ohne Mbom und Drakas – 20 Profis zum Trainingsstamm, inklusive des erst spät hinzugestoßenen Perspektiv-Stürmers Mansour Ouro-Tagba, der gegen Osnabrück für ein paar Minuten sein Zweitliga-Debüt gab, dabei keine Akzente setzen konnte. Doch der Bedarf ist offensichtlich: Für Olsen fehlt eine Alternative hinten rechts, zudem ein Stürmer mit Tempo, Tiefgang und Torgefahr sowie ein spielstarker Achter, der auch auf der Sechs agieren kann.
Dass es im Offensivproblem noch gewaltig hakt, belegen allein die nackten Zahlen: ein Tor in drei Ligaspielen, kein Tor in zwei Heimspielen. Es fehlen Zielstrebigkeit, Geschwindigkeit, Kreativität, Mut zum Abschluss. Ein Grund: Berkan Taz kommt noch nicht in die Spur. Der Spielmacher zeigte gute Ansätze gegen Hertha und in Braunschweig. In den letzten beiden Partien kam nur wenig von dem Topscorer der 3. Liga. In den letzten drei Spielen wechselte ihn Uwe Rösler nach jeweils rund einer Stunde aus. Nicht wegen fehlender Fitness, sondern weil ihm die Bindung fehlte. Ballbehauptung und Durchsetzungsvermögen ließen zu wünschen übrig.
Rösler schwärmt von Miyoshi
Koji Miyoshi zeigte nach der Umstellung gegen Osnabrück, dass er als Alternative auf der Zehn für Impulse sorgen kann – und fehlt dann auf der rechten Bahn, wo er als in die Halbräume ziehender Dribbler, Unruhestifter und Vorbereiter gefragt ist. „Koji war der Spieler, der in diesen engen Räumen, mit Abstand das Beste und Meiste kreieren konnte“, lobte Rösler einen der wenigen überzeugenden Spieler nach der „Ohrfeige“ (Rösler) gegen Osnabrück. Wobei erneut deutlich wurde, dass Miyoshi eben mehr Vorbereiter und Wuselmann ist als Vollstrecker.
Und im Zentrum? Tom Meyer erledigte seinen Job bei seinem Startelf-Debüt unaufgeregt und konsequent, war nach einer Stunde allerdings ausgelaugt. Lasse Isbruch feierte in der letzten halben Stunde ein beherztes Profi-Debüt. Die 18-Jährigen zeigten, dass auf sie Verlass ist, dass sie viel Potenzial haben. Ob sie das gleich über eine gesamte Saison leisten können, auch der Belastung dauerhaft standhalten, muss sich aber noch zeigen.
Pannewig musste durchhalten gegen Osnabrück – mehr Alternativen gab es nicht. Allein das zeigt, dass der VfL ein Wagnis eingeht, wenn er bis zum Transferschluss keinen zentralen Mittelfeldspieler mehr holt, wie es bis zur Mbom-Verletzung eigentlich geplant war. Die Gespräche waren wie berichtet weit fortgeschritten, etwa mit Sebastian Klaas (SC Paderborn) und Charlie Patino (Deportivo A Coruna). Zwei Spieler – ein Rechtsverteidiger und ein Stürmer – sollen noch kommen bis zum Transferschluss am 1. September, 18 Uhr. Wenngleich der Bedarf im Zentrum im Osnabrück-Spiel auch von den Verantwortlichen noch einmal wahrgenommen wurde. Möglicherweise wird noch einmal umgedacht.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."