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Große Demut und riesige Vorfreude
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Der VfL Bochum 1848 hat mit Dirk Dufner einen neuen Geschäftsführer Sport. Im Rahmen einer Pressekonferenz sprachen Uwe Tigges, Vorstandsvorsitzender des VfL, und Geschäftsführer Ilja Kaenzig über den Entscheidungsprozess sowie Dirk Dufner über seine Ernennung, erste Schritte und Ziele mit dem VfL.
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Uwe Tigges, Vorstandsvorsitzender des VfL, über…
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… den Entscheidungsprozess: "Wir haben mit dem Gremium zunächst ein Kompetenzprofil herausgararbeitet. Dasselbe hat Ilja auch gemacht – denn als wir den Prozess gestartet haben, stand noch nicht fest, ob wir einen Sport-Geschäftsführer oder einen Sportdirektor einstellen werden. Uns war wichtig, noch mehr Kompetenz in den Klub zu bringen, auch wenn schon viel Kompetenz vorhanden ist. Uns war auch enorm wichtig, jemanden zu finden, der in einer der drei Profiligen schon einmal Sportvorstand oder Sportdirektor gewesen ist. Außerdem muss derjenige unsere wirtschaftliche Situation akzeptieren, eine Hands-on-Mentalität mitbringen und einen Draht zu unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufbauen können. Wir hatten mehrere Kandidaten und sehr gute Gespräche, sind intensiv auf die Themen eingegangen, die uns besonders bewegen. Dirk war vom ersten Gespräch an sehr sympathisch, dieser Eindruck hat sich fortgesetzt. Gepaart mit seinem Fachwissen und der Erfahrung durch Positionen bei anderen Vereinen hat er uns überzeugt. Wir freuen uns sehr, uns einstimmig für Dirk entschieden zu haben und ihn nun vorzustellen. Gemeinsam werden wir zunächst einmal alles dafür tun, unser gemeinsames Ziel, den Klassenerhalt in der Bundesliga, zu erreichen."
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… die Art, mit der Dirk Dufner die Gespräche geführt hat: "Mir hat imponiert, wie Dirk die Gespräche mit uns angegangen ist. Wir haben eine wirklich großartige Nachwuchsarbeit im Talentwerk. Dennoch hat Dirk sich die Frage gestellt, ob wir strukturell und professionell das Beste aus unseren jungen Spielern herausgeholt haben. Das war direkt ein Thema, das ihm unter den Nägeln gebrannt hat. Bei mehreren Themen hat Dirk uns Ideen genannt, sagte aber zugleich, dass er sich das erst einmal persönlich vor Ort anschauen muss. Das hat uns gefallen. Das gilt beispielsweise auch für den Scoutingbereich."
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Geschäftsführer Ilja Kaenzig über…
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… die künftige Zusammenarbeit: "Dirk und ich kennen uns seit über einem Vierteljahrhundert. Er ist ein Urgestein in der Bundesliga. Dirk war – leider – nie bei Klubs, die acht von zehn Spielen gewonnen haben. Er ist es gewohnt, überperformen zu müssen. Es ist kein Schönheitswettbewerb beim VfL. Es geht darum, wirklich anzupacken und zu malochen. Das kann Dirk. Er ist in der Branche bestens vernetzt – sowohl im Transfer-, als auch im Nachwuchsbereich. Dazu ist er eine empathische Person. Wir befinden uns in einem Stadium, in dem es darum geht, den VfL als Klub zu entwickeln und zu stabilisieren. Wir freuen uns sehr, dass sich Dirk für den Weg bei uns entschieden hat. Er kennt unseren Dreiklang – wir wollen Effizienzweltmeister sein, Qualität aus kleinen Dingen hervorbringen und unsere Kontinuität weiter pflegen. Ich freue mich darauf, den VfL gemeinsam mit Dirk ein bisschen besser zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine sehr enge, vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit haben werden."
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… die Bereitschaft, überzuperformen: "Wir werden gemeinsam jeden Tag besprechen, wie wir mit unseren bescheidenen Mitteln aus wenig viel machen und noch mehr herausholen. Sonst haben wir keine Chance gegen die Konkurrenz. Ich freue mich auf den gemeinsamen Austausch. Dirk kennt das von einigen Klubs, bei denen er vorher tätig war. Auch bei Hannover, Freiburg und anderen Vereinen musste er überperformen. In den vergangenen Monaten haben wir einige Projekte im Sinne des Vereins vorangetrieben, diese werden wir weiter verfolgen."
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Dirk Dufner, Geschäftsführer Sport, über…
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… seine Auswahl: "Ich bin sehr glücklich, hier in Bochum sein zu dürfen und freue mich, dass die Wahl auf mich gefallen ist. Es waren sehr angenehme Gespräche im Vorfeld. Ich habe mich in jedem einzelnen wohlgefühlt. Es war aus meiner Sicht ein sehr offenes und konstruktives Auswahlverfahren. In den einschlägigen Foren konnten Sie bereits alle lesen, was ich alles nicht kann. Jetzt möchte ich zeigen, was ich vielleicht doch kann. Darauf freue ich mich sehr in den kommenden Wochen und Monaten, bei einem tollen, sympathischen Verein. Der VfL Bochum ist in der Bundesliga sicherlich etwas ganz Besonderes. Kein großer Glamour-Verein, der jedes Jahr um Europa spielt. Ein ehrlicher Verein, aus einer Region, die den Fußball auf ihre Art vergöttert. Für so einen Verein arbeiten zu dürfen, ist mir eine riesige Freude."
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… seine Entscheidung für den VfL: "Ich habe unglaublichen Respekt vor dieser Aufgabe. Man hat eine große Verantwortung für einen Verein mit seinen vielen Fans. Das spürt man, weshalb ich eine große Portion Demut verspüre, aber auch eine riesige Vorfreude. Es war mir völlig klar, wenn ich die Möglichkeit bekomme, hier arbeiten zu dürfen, dann werde ich diese auf jeden Fall annehmen. Nach einer gewissen Zeit, in der ich nicht mehr als Sportdirektor oder Geschäftsführer Sport tätig war, hatte ich unglaublich Lust auf diese Aufgabe. Ich habe in anderen Bereichen im Fußball gearbeitet, viel dazu gelernt und mein Netzwerk vergrößern können. Aber jetzt wieder in diesem Bereich arbeiten zu dürfen, freut mich ungemein."
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… seine ersten Schritte: "Es wäre nicht ganz unvernünftig, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen, bevor ich richtig loslege. Das ist enorm wichtig, aber wir sind in einer Situation, in der wir nicht allzu viel Zeit haben. Die kommende Saison muss zweigleisig geplant werden. Das ist natürlich doppelte Arbeit und du kannst gewisse Dinge nicht sofort finalisieren. Es steht eine Menge Arbeit in nächster Zeit an und die gilt es jetzt anzupacken. Insofern gibt es für mich keine große Einarbeitungszeit, denn am aller wichtigsten ist die Kaderplanung für die nächste Saison. Das steht im Vordergrund. Die Arbeit am Zukünftigen und Langfristigen wird zu Beginn etwas zurückgestellt werden müssen und kommt dann zu gegebener Zeit im Anschluss an die kurzfristig notwendigen Dinge."
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… langfristige Ziele: "Es geht darum, die DNA des VfL zu schärfen und auch weiterzuentwickeln. Ich finde in dem Zusammenhang enorm wichtig, die Jugend in den Vordergrund zu rücken, die Durchlässigkeit zu verbessern und zukünftige Entscheidungen so auszurichten, dass man sagen kann, die leben auch das, was für unseren Verein wichtig ist. Wir werden uns Topspieler nicht leisten können. Aber es hindert uns keiner daran, Topspieler zu entwickeln. Wir haben dann Spieler, die man charakterlich und von den Fähigkeiten beurteilen kann und so ausgebildet hat, wie man sie gerne hätte, im eigenen Kader. Idealerweise helfen uns diese Spieler zwei, drei Jahre, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen. Das muss unser Ziel sein für die Zukunft. Da ist der VfL mit seinem Unterbau schon auf einem guten Weg und es ist eines meiner Hauptziele, in diesem Bereich Gas zu geben und das nächste Level zu erreichen. Da müssen wir noch produktiver werden."
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… mögliche Neubesetzungen: "Aktuell schaue ich mir jeden Mitarbeiter in jedem Bereich an, um mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Wenn man in einen neuen Verein kommt, ist es ausgesprochen wichtig, dass man keine vorgegebene Meinung hat, was man zu ändern hat und was dringend notwendig ist. Dieses Bild musst du dir vor Ort machen und sobald ich das habe, werden wir intern darüber sprechen, ob und welche Veränderungen wir vornehmen werden und ob wir noch jemanden dazu nehmen müssen. Das werden wir in aller Ruhe und nicht in großer Hektik tun."
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… seine Transferstrategie: "Ich gehöre nicht zu den Vertretern, Spieler nur datenbasiert zu verpflichten. Es gibt viele Kriterien, die es zu beurteilen gilt. Die kannst du aus Daten gar nicht herauslesen. Ich finde es enorm wichtig, einen Spieler, den man verpflichten möchte, idealerweise mehrfach gesehen zu haben und das von mehreren Personen. Wenn man vor Ort ist, bekommt man auch noch ganz andere Informationen über den Spieler und einen ganz eigenen Eindruck. Wenn du einen Spieler, der datenbasiert gut ist, nicht richtig integrieren kannst, hast du ein anderes Problem. Deshalb bin ich da eher oldschool. Du musst dich mit einem Spieler beschäftigen, dich mit ihm unterhalten. Mit all diesen Kriterien kann man sich relativ sicher sein, eine große Chance zu haben, nicht danebenzuliegen."
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